3 einfache D.I.Y.-Ideen: Selbermachen mit und aus der Natur

Räucherbündel, Weidenringe und Natur-Mandalas: 3 kleine Selbermach-Ideen

Um uns herum gibt es soviel Schönes, und auch ohne Geld auszugeben oder irgendetwas Besonderes zu brauchen, kann man quasi im Vorbeigehen schöne kleine Dinge mit und aus der Natur zaubern. Hier mal 3 selbstgemachte Kleinigkeiten, die jeder überall auch machen kann, wenn er mit offenen Augen und offenem Herzen durch die Natur geht:

#1: Selbstgemachte Räucherbündel

Räucherbündel (auf Englisch und z.B. von den Indianern auch als Smudge Sticks bekannt) selber herstellen ist ganz einfach. Auch jetzt findet man mit etwas Glück noch passende Kräuter oder hat sogar noch welche auf dem Balkon oder in der Küche stehen:

Räucherbündel selber machen

Räucherbündel aus Lavendel, Salbei, Johanniskraut, Thymian, Beifuß und Rosmarin

Man benötigt:

Zweige von passenden Kräutern; sie müssen auch nicht alle frisch gesammelt sein. Ich habe frische und getrocknete Zweige gemischt.

Gut zum Räuchern eignen sich Salbei und Beifuß (Reinigend), Thymian und Pfefferminze (erfrischend), Lavendel und andere aromatische Blüten. Auch Zweige von Nadelbäumen kann man nehmen (z.B. Wacholder). Bitte aber darauf achten, Bäume nicht zu verletzen, sondern schon abgeknickte oder wenn möglich frisch abgefallene Zweige pflücken.

Anleitung:

Einfach alle Zweige in gleicher Länge zusammenfassen und dann beginnend an den Stielen fest mit Naturgarn (Ich nehme Bänder aus Naturfasern) zusammenknoten und dann bis nach oben hin in regelmäßigen Abständen fest umwickeln. Das Ende des Bandes verknoten, abschneiden und das Bündel dann zum Trocknen aufhängen.

Verwendung:

Solche Räucherbündel kann man, wenn sie ganz durchgetrocknet sind, anzünden und dann verräuchern. Weil sie fest gewickelt und trocken sind, brennen bzw. verglühen sie durch. Aber bitte auf eine feuerfeste Unterlage achten und ebenso auf Funkenflug. Da sie ziemlich ordentlich Rauch entwickeln können, finde ich sie besser für das Verräuchern draußen geeignet. Man kann sie auch in ein Lagerfeuer werfen oder auf die Glut von Grillkohle legen. Bis dahin sind sie drinnen eine schöne (und je nach den verwendeten Kräutern auch eine duftende) Dekoration.

#2: Weidenringe

Weidenringe

Dies ist eine schöne Kleinigkeit für unterwegs und ganz einfach gemacht: Man pflückt oder sammelt sich einen langen, gerade Zweig einer Weide (findet man oft in der Nähe von Gewässern) und bindet diesen zu einem Ring bzw. einem kleinen Kranz. Da diese Weidenzweige sehr biegsam und elastisch sind, kann man direkt damit loslegen: Dazu nimmt man das dickere Ende in die Hand, windet einen Kreis in der gewünschten Größe und fädelt dann das dünne Ende des Zweigs ringsherum immer wieder durch, damit sich der Kranz stabilisiert. Das Ende des Zweiges klemmt man zwischen den Windungen fest. Zuhause legt oder hängt man ihn dann zum Trocknen hin. Man kann ihn davor nochmal etwas in Form biegen und auch zwischendurch immer mal wieder richtig rund biegen.

Ich mache solche Ringe immer mal wieder im Vorbeigehen und benutze sie zum Herstellen von Traumfängern, als „Gerüst“ für Kräuterkränze oder andere Basteleien. Demnächst versuche ich mich daran, einen Lampenschirm mit einem Weidenring als Formgeber zu basteln.

#3: Natur-Mandalas

Ich bin ja eine Entdeckerin und Sammlerin und drehe und wende so manches Blatt und schau immer, was mir so vor die Füße fällt… Vieles schleppe ich dann mit nach Hause und überall bauen sich klammheimlich kleine Altärchen auf. Besonders schön sieht es aus, wenn man aus solchen Naturfundstücken kleine oder große Mandalas baut. Das kann man auch besonders zelebrieren und als kleine Meditation nutzen oder an besonderen Anlässen machen.

Ich habe mich heute mit einem Freund aufgemacht zum Mammutbaum und wir haben zusammen dieses kleine Herbstbegrüßungs-Mandala gebaut:

Herbstmandala unterm Mammutbaum

Herbstmandala unterm Mammutbaum

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…mit Fundstücken von Eiche, Kastanie, Walnussbaum, Mammutbaum, Buche und Hainbuche

Drinnen kann sowas dann so aussehen:

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♥ Also, genießt den Herbst, und vielleicht war ja eine kleine Anregung für euch dabei!

Herbst-Tagundnachtgleiche (Mabon): Alte Rituale und Bräuche

…morgen ist wieder eines meiner Lieblingsfeste im Jahreskreis: Mabon, die Herbst-Tagundnachtgleiche. Wie der Name sagt, sind an diesem besonderen Datum Tag und Nacht genau gleich lang. Danach beginnt die dunkle Jahreshälfte, in der die Nächte länger als die Tage sind. Da früher die Natur im Leben und Bewusstsein der Menschen eine ganz andere und viel zentralere Rolle gespielt hat, wurden solche markanten Punkte im Jahreslauf mit verschiedensten Bräuchen und Ritualen gefeiert. Einige habe ich mal zusammengetragen, um ein bisschen Inspiration für diesen besonderen Tag zu geben.

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Die Bedeutung des Mabon-Festes: Harmonie, Licht und Erntedank

Die Herbst-Tagundnachtgleiche ist eines der 4 Sonnenfeste im Jahr und wurde in der keltischen Kultur nach dem walisischen Gott Mabon (Sohn des Lichts) benannt. Diese Bezeichnung ist bis heute geläufig geblieben. Aber unabhängig vom Namen des Festes ist es -frei von irgendwelchen Glaubenssystemen oder Überlieferungen – ein Fest, dessen Inhalt und Bedeutung die Natur selbst schreibt: Tag und Nacht, Licht und Dunkelheit sind an diesem Tag in vollkommenem Gleichklang, es herrscht eine Ausgewogenheit der Kräfte und alles Leben ruht für einen kurzen Moment in perfekter Harmonie. Daher ist Harmonie einer der Hauptaspekte dieses Festes.

Der zweite besondere Anlass des Feierns ist das Ende der Erntezeit. Mabon ist das letzte Erntedankfest des Jahres, denn bald sind die letzten Früchte gesammelt und verarbeitet, die landwirtschaftliche Arbeit neigt sich dem Ende. Gleichzeitig zeigt sich die Natur zu dieser Jahreszeit noch einmal in voller Fülle und beschenkt uns mit reifem Obst, letzten Kräutern, verschiedensten Beeren, Pilzen und Eicheln, Kastanien, Bucheckern usw. Der Sommer verabschiedet sich nun endgültig und der Herbst betritt die Bühne. Die Bäume werden bunt, die Vorräte gefüllt. Auch die Tierwelt schlägt nochmal ordentlich zu und bereitet sich auf den Winter vor. Zu danken für das, was man sich erarbeitet und was einem gegeben wurde, macht dieses Fest aus.

Und zu guter Letzt ist es auch ein Fest des Wandels, da ab dem kommenden Tag das Halbjahr des Lichts von der dunklen Jahreshälfte abgelöst wird. Von nun an sind die Nächte länger als die Tage und es geht auf den Winter zu. Die Sonne tritt ihren Rückzug an und auch die Tier- und Pflanzenwelt zieht sich und ihre Kräfte zurück. Es ist nun ein guter Zeitpunkt, Wurzeln und Samen zu sammeln. Die Kräuterernte ist nun aber so gut wie beendet.

Gedanken zum Feiern der Herbst-Tagundnachtgleiche

  • Wo kann ich in meinem Leben und meiner Umwelt mehr Harmonie schaffen?
  • Was wurde mir gegeben, wofür bin ich dankbar, was fehlt mir wirklich?
  • Wie kann ich mir selbst Gutes tun und meine inneren Bedürfnisse entfalten?
  • Abschiednehmen, Loslassen, sich-frei-machen
  • Das bewusste Genießen von Stille und das Zurückbesinnen auf sich selbst und sein Innenleben
auch in der Dunkelheit brennt ein Licht

auch in der Dunkelheit brennt ein Licht

Ideen zur Herbst-Tagundnachtgleiche

Ich liebe es, einen herbstlichen Mabon-Altar aufzubauen mit jeder Menge Kastanien, Eicheln, Bucheckern, Ebereschenbeeren, Weißdorn- und Schlehenbeeren und kleinen bunten Kürbissen und letzten Blümchen. Alle kräftigen Farben der Natur und was sie einem vor die Füße legt, sind willkommen. Ich zünde Kerzen und waldiges Räucherwerk an und koche eine leckere heiße Kürbissuppe mit viel Ingwer und Zitrone oder ein anderes gesundes, kraftspendendes Festtagsessen mit frischem Gemüse der Saison. Gleichzeitig ist es auch ein guter Zeitpunkt, sich Projekte für den Winter zu überlegen (bei mir ist es zum Beispiel mehr Nähen, Samenbomben für den Frühling machen, Räucherwerk mischen, Tinkturen machen und mehr zu Fotografieren). Ebenfalls eine passende Idee wäre es, von nun an ein Tagebuch oder ein Traumtagebuch zu beginnen, um sich mehr mit sich und seinem Inneren und dem Unterbewusstsein zu befassen – also auch eine Reise nach Innen anzutreten, wie die Natur es tut.

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Eine magische Zeit

Die Tagundnachtgleichen sind ganz besondere astronomische Konstellationen und Zeitpunkte, da an ihnen die Welt kurz stillzustehen scheint. Beide Pole (hell und dunkel, Tag und Nacht) stehen kurzzeitig in absoluter Harmonie zueinander, bevor das Kräfteverhältnis sich dann wieder verschiebt. Solche Übergänge und Zwischen-Zeiten waren seit Jahrtausenden als besonders kraftvolle, teilweise aber auch unheimliche Momente bekannt. Es heißt, an ihnen sind die Schleier zwischen den Welten dünner und durchlässiger, weshalb diesen Momenten eine besondere mystische Qualität zugesprochen wird. Und gerade solche Zeitpunkte sind daher besonders zum Orakeln geeignet, da die verschiedenen Welten weniger stark voneinander getrennt sind und eine Schwelle übertreten wird…

Da nun die dunkle Jahreshälfte beginnt, ist auch Schutz ein Thema und es können entsprechende Amulette, Zauber oder Kräutermischungen dazu hergestellt werden. Gleichzeitig ist es ein perfekter Zeitpunkt, Altes loszulassen und sich von Ballast zu befreien, weswegen es auch ein Fest der Reinigung und Er-Leicherung sein kann.

Alter Glauben und Bräuche zum Herbst

  • Im Herbst beginnt die Geisterzeit und Herbstfeste waren auch Feste der Geistervertreibung, denn Herbst und Winter waren gefürchtet.
  • Der Herbst ist die Zeit der Irrlichter, der Geister und der wilden Jagd. Auch die Gabe des zweiten Gesichts tritt in diesem Halbjahr verstärkt auf.
  • Da die Ernte- und Vorratskammern voll waren, war der Herbst ein beliebter Zeitpunkt zum Heiraten.
  • Blüht ein Obstbaum (v.a. Apfelbaum) im Herbst, so kündigt er den Tod eines Familienmitglieds an
  • Den Göttern und Göttinnen wurden Dankopfer dargebracht
  • Bei den Kelten und Germanen wurde die letzte Ähre des Feldes stehengelassen oder feierlich zu einer weiblichen Figur gebunden
  • Im christlichen Glauben wurde ca. 6 Tage später ein „eigenes“ Fest für den Herbstanfang eingerichtet: Der Michaelstag. Auch die darauf folgenden Volksfeste und Kirmesfeiern gehen daraus hervor (früher war im Herbst die Zeit, in der die Hofhelfer ausbezahlt, die Tiere verkauft und die Erträge daher ausgebeben und Feste begangen wurden).
  • Im Allgäu wird der Almabtrieb feierlich begangen und die Kühe werden zum Dank und als Schutz und Segen festlich bunt geschmückt.
  • Im traditionellen, christlich geprägten Volksglauben wurde mit Ende der Frauendreißiger (15.9.) das Sammeln von Heilkräutern beendet.
  • Nach Ende der Ernte wurden Erntefeuer entzündet, um die getanzt und über die gesprungen wurde.
  • Die besten Früchte der Ernte wurden den Göttern und den Ahnen und der Mutter Erde geopfert.
  • Es wurden Kränze aus Blumen und Kräutern und Kronen oder Frauenfiguren aus Getreideähren gebunden.

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Ich wünsche euch eine wunderbare Herbst-Tagundnachtgleiche!

Mein Nachbar, der Mammutbaum (und sein duftendes Harz!)

Ich sag ja, das Leben ist voller Überraschungen. Hätte mir gestern jemand erzählt, dass in Deutschland Mammutbäume wachsen, hätte ich mich doch sehr gewundert. Und heute habe ich mich dann nun richtig gewundert: Denn ich laufe seit 6 Jahren nahezu täglich an einem vorbei 😀 Aber nun erstmal die kurze Geschichte dazu und ein paar Tipps, wobei er uns helfen kann:

Der übersehene Urweltmammutbaum

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Ich hoffe, ihr seht das wie ich: So „richtig“ auffällig ist er nicht 😉 – Genaugenommen fiel er mir immer nur aus dem Augenwinkel auf, da erst nach vielen Metern ganz weit oben Äste aus dem Stamm wachsen und seine Rinde so faserig ist. Und irgendwann fielen mir die kleinen Zapfen ins Auge, die ganz selten mal am Boden lagen. Ich fand jedes Jahr 1-2 und nahm sie mit nach Hause, ohne mich weiter damit zu beschäftigen, weil ich den Baum für eine Zypresse gehalten habe.

Heute bin ich allerdings mit einem anderen Blick durch den Wald gegangen, in dem ich seit 6 Jahren fast täglich mit meinem Hund bin. Ich war auf der Suche nach Harz zum Räuchern, denn manchmal hat man ja das Glück, Stämme zu finden, an denen Harz ausläuft. Selbst anschneiden würde ich einen Baum dafür nämlich nicht. Und da landete ich nun an diesem einen Baum, der der einzige war, an dem jede Menge getrocknetes Harz klebte, das ich ohne ihm zu schaden sammeln konnte. Ich habe mich total darüber gefreut und mich zuhause dann gleich auf die Suche nach den gesammelten Zapfen gemacht, um ihn mit Hilfe Fachkundiger bestimmen zu können. Und da ist er auf einmal nun, mein Nachbar, der Urweltmammutbaum, den ich so lange übersehen hatte 🙂

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Mammutbaum: Harz, Rinde und Zapfen

Urweltmammutbaum: Harz, Rinde und Zapfen

Wofür der Mammutbaum steht

Eigentlich spricht sein Name schon für sich, deswegen bedarf es gar keiner großen Recherche. Er verkörpert Widerstandskraft, Stärke und Standhaftigkeit. Er scheint die Jahrtausende zu überdauern, einen Weitblick zu haben und in sich zu ruhen.

Gleichzeitig ist er auch biegsam, schlau und sanft – seine Rinde ist unbeschreiblich weich, besteht aus warmen Farben und weichen Fasern. Sein Stamm ist im Verhältnis gesehen schlank und schmal, er ist biegsam und doch beständig. Seine Zweige sind fächerartig, luftig und gleichen zierlichen Federn; es ist also ein Baum der Leichtigkeit, die nicht im Widerspruch zu Kraft und Stärke steht.

Der sanfte Riese – das scheint auf ihn zuzutreffen (auch wenn er hier in unseren Breitengraden natürlich nicht überdimensional groß ist) und er fühlt sich für mich als sehr sanfter, weiblicher und feinfühliger Baum an. Aber ich habe irgendwie das Gefühl, dass es ein sehr geselliger Baum ist, der nicht gerne ganz ohne „Seinesgleichen“ dort steht. Leider leben dort keine weiteren Mammutbaumkumpels… 😦

Von nun an werde ich ihn auf jeden Fall mit anderen Augen sehen – ich freue mich sehr über diese Entdeckung! Und nun ein paar zusammengetragene

Infos über Mammutbäume und ihre Wirkung auf den Menschen:

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  • Mammutbäume können bis zu 4000 Jahre alt werden und werden als Mittler zwischen Himmel und Erde gesehen
  • Der Urweltmammutbaum wurde erst vor 70 Jahren in einer tiefsten chinesischen Hochebene als lebendes Fossil entdeckt. Als Jungpflanze kann er 1 Meter pro Wachstumsperiode wachsen! Sei Alter: 50 Millionen Jahre! Und er wird auch „Wasserlärche“ genannt, was ich witzig finde, da er mich auch an die Lärche erinnert hat.
  • In der Homöopathie wird er verwendet, um innerer Kapitulation vorzubeugen.
  • In der Gemmotherapie (über die ich demnächst noch berichten werde!) wird er als Überlebenskünstler gesehen und aufgrund seiner erdenden, vitalisierenden Persönlichkeit bei Unruhe und Depressionen, Burn-Out und Erschöpfung sowie für einen ausgeglichenen Alterungsprozess eingesetzt. Der Mammutbaum schafft es, trotz widrigster äußerer Umstände zu überleben. Daher dient er auch zur Stimulierung des Immunsystems. Außerdem wird er in diesem Bereich der Naturheilkunde als pflanzliches Beruhigungs- und Entspannungsmittel verwendet.
  • Sie sind ein Tor in die Vergangenheit: Die amerikanischen Ureinwohner verehren diese Bäume, da in ihren Wipfeln die Seele der Vorfahren leben sollen.

Räuchern mit Mammutbaumharz

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Mammutbaumharz

Mammutbaumharz

Vorweg: Der Duft ist der Wahnsinn!!! Ich habe gerade mal eine Räucherkohle angeschmissen, weil ich es direkt probieren wollte, und bin begeistert! Super ergiebig und ein so toller Geruch – wie bester Weihrauch mit einer ordentlichen Portion Wald. Und es ist kein schwerer Duft, sondern eher frisch und kein bisschen scharf oder stechend. Hätte er eine Farbe, würde ich ihn als grün-golden beschreiben 🙂

Man kann Mammutbaumharz räuchern, um inneren Frieden und innere Ruhe zu fördern. Er kann auch Teil von Ahnenräucherungen sein oder allem, was mit Verwurzelt-Sein zu tun hat – also auch ein guter Bestandteil von erdenden Mischungen, allerdings dabei trotzdem ein Lichtbringer. Für mich hat dieses Harz etwas stimmungsaufhellendes, seelenerfrischendes und harmonisierendes. Ein durchweg positiver Baum, der als „König der Bäume“ die Kraft des Waldes in Haus und Herz bringt!

Die Kraft des Waldes: Neunerlei Holz

Die Zahl 9 ist seit Jahrtausenden eine besonders kraftvolle und heilige Zahl. Sie besteht aus 3×3 – Bei den Kelten symbolisierte die Zahl 3 die Vollkommenheit des Universums. Auch in anderen Kulturen, z.B. der nordischen Mythologie, hat sie eine besonders magische Bedeutung. Im deutschen Volksglauben ist sie daher tief verankert und es gibt etliche Bräuche und Rituale rund um die Zahlen 3 und 9. Ein für mich besonders schöner ist dieser:

Neunerlei Holz

Neunerlei Holz

Neunerlei Holz

Das Sammeln und Verbrennen von neunerlei Holz galt als besonders zauberkräftig und segenspendend – mit neunerlei Holz wurden Feuer entzündet und verschiedene Bräuche begangen. Sie kommen vor allem an Walpurgis zum Einsatz: Das Beltane-Fest, mit dem man in den Mai hineinfeiert, ist seit Jahrtausenden eines der wichtigsten Feste im Jahreskreis, bei dem Fruchtbarkeit, Reinigung und Segen erlangen möchte. Aber auch im Winter, zu Samhain (Halloween) und an Weihnachten (Wintersonnenwende) kam neunerlei Holz zum Einsatz.

Neunerlei Holz

Bräuche und Rituale mit neunerlei Holz

♣ In keltischen Gebieten wurden zur Frühlingstagundnachtgleiche sowie vor allem in der Beltane-Nacht (30. April auf 1. Mai) alle Feuer gelöscht und dann im Freien das Beltane-Feuer entzündet, das mit dem Holz von 9 Bäumen befeuert wurde. Dieses Feuer wurde dann zum Wohnplatz getragen, um dann das dortige Feuer damit neu zu entfachen. Der Sprung übers Maifeuer soll Segen, Fruchtbarkeit und Reinigung bringen. Mit der Asche wurden Tiere und Felder gesegnet.

♣ Im deutschen Volksglauben heißt es, wer in der Walpurgisnacht auf einem Schemel aus neunerlei Holz sitzt, kann Hexen erkennen. Ebenso sollte ein Feuer aus neunerlei Holz hellsichtig machen und einem den zukünftigen Liebsten zeigen. Doch es wurde nicht nur als Liebesorakel verwendet, es diente auch zum Schutz und sollte vor Hexen, bösen Wünschen, Unwetter, Seuchen und Dieben bewahren.

♣ Neunerlei Holz für das Notfeuer: Zurückgehend auf germanische Bräuche wurden in Ausnahmesituationen (z.B. Viehseuchen, Dürren, Unwetter) Notfeuer entfacht, die u.a. aus neunerlei Holz errichtet wurden. Auch bei diesen Notfeuern galt: Alle anderen Feuer mussten vorher gelöscht werden. Mit der Flamme des Notfeuers wurden dann alle Herdfeuer neu entfacht. Dies ist in der Systematik ein Schutz- und Erneuerungszauber, da man mit dem Segen dieses besonderen Feuers seine Not durch überirdischen Beistand zu überstehen hoffte.

…und ebenso in der Winterzeit: Im deutschen Aberglauben heißt es, wer sich zur Weihnachtsmesse ein Bündel aus neunerlei Holz schnürt, hört die Tiere sprechen und sieht die Hexen. Und auch in den Rauhnächten, wenn die Percht (Frau Holle) durch die Lüfte zieht, wurde mit neunerlei Holz geräuchert, um die Wilde Jagd zu besänftigen.

Neunerlei Holz

Neunerlei Holz

♣ Im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens steht u.a.:

  • Das Räuchern von neunerlei Holz oder das Baden in einem Sud daraus ist ein alter Abwehrzauber
  • Am Johannisabend steckt man Ruten von neunerlei Holz ans Haus
  • Am Karfreitag vor Sonnenaufgang muss man neunerlei Hölzer von Bäumen sammeln, deren Namen nicht auf -baum endet. Dies hängt man zum Schutz vor Bösem in Haus und Stall
  • Knoblauch und neun Hölzer müssen an Walpurgi vor Sonnenaufgang ungesehen an die Stalltür gehängt werden
  • Gegen Viehverhexung musste man nach Sonnenuntergang das Holz von Kirsche, Pflaume, Birne, Apfel, Tanne, Kiefer, Birke, Linde und Weide sammeln – stillschweigend, und ohne es von lebenden Bäumen zu nehmen oder sie zu beschädigen.
  • Im östlichen Mecklenburg waren die neun Hölzer: Apfel, Birne, Flieder, Holunder, Stachelbeere, Johannisbeere, Hainbuche, Pappel und wilde Rose.
  • Ist jemand verhext worden, soll er neunerlei Holz zusammen mit neunerlei Kräutern kochen und diese Abkochung stilschweigend im Schein des abnehmenden Mondes um Mitternacht vergraben.
  • Gegen Fieber werfe neunerlei Holz rücklings ins Wasser
  • An Heiligabend banden sich Frauen Kränze aus neunerlei Holz, setzten sie auf den Kopf und schauten bei sternenklarem Himmel ins Wasser, um das Bild des Zukünftigen zu erblicken.

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Moderne Ideen zu neunerlei Holz

Ich mag die Symbolik sehr gerne und liebe Bäume aller Art, daher sammel ich immer wieder mal Zweige verschiedener Bäume, wenn nach einem Sturm etwas am Boden liegt. Die gebündelte Kraft der Bäume in Form von neunerlei Holz ist gut als Glücksbringer geeignet.

Ich habe vor allem verschiedene Flaschen damit hergestellt und sie mit neunerlei Holz, passenden Beeren und Steinen gefüllt:

Neunerlei Holz

Neunerlei Holz

Hexenflasche Neunerlei Holz

Hexenflasche Neunerlei Holz

Man kann Späne von neunerlei Holz auch gut als Räucherung verwenden oder Talismanbeutel oder -fläschchen damit füllen. Und auch neunerlei Kräuter sind ein altbekannter Brauch z.B. für die Ostersuppe – die „Grüne Neune“. Es gibt also viele Wege, diese schöne Zahl und die Kräfte der Natur auf besondere Art und Weise umzusetzen.

Glücksbringer für Zuhause: Selbstgemachter Kräuterkranz

Die Frauendreißiger enden in 2 Tagen und auch der Herbst ist immer weiter auf dem Vormarsch, viele Pflanzen schon verschwunden oder auf dem Rückzug: Die wunderschöne Zeit des Kräutersammelns endet also bald (nur Äpfel und Holunderbeeren stehen noch auf meiner Liste, eventuell auch noch Weißdornbeeren und Schlehen).

Also habe ich mir gedacht, ich nutze diese letzte Gelegenheit zum Sammeln noch einmal. Gleichzeitig wollte ich irgendwie diese schöne Zeit konservieren. Mein Kräuterbuschen ist schon schön getrocknet und hängt in meinem Kräuterzimmer, in meinem Schlafzimmer hängt auch einer, aber im Flur noch nichts. Also kam mir spontan die Idee, mal einen Kräuterkranz zu binden und zu trocknen. Ich habe das zwar noch nie gemacht, aber Versuch macht klug(ch) 😉

Selbstgebundener Kräuterkranz

Dieser Kranz ist nicht nur eine schöne Dekoration, er bietet auch die Möglichkeit, Schönheit und Kraft der Kräuter einzufangen und sich damit einen Glücksbringer fürs Zuhause herzustellen – je nachdem, welche Pflanzen man wählt.

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Kräuterkranz im September

Man benötigt:

  • Einen Holzring oder einen getrockneten geflochtenen Weidenring
  • frische Kräuter und Beeren und was man so hineinhaben möchte
  • Naturgarn

Ich habe als „Gerüst“ einen Ring aus geflochtenen Weidenzweigen genommen; solche Ringe bastle ich mir öfter mal unterwegs, wenn ich an einer Weide mit tiefhängenden Zweigen vorbeikomme. Man nimmt einen mindestens 1 meter langen Weidentrieb, formt einen Kreis und windet den Rest des Zweiges fortlaufend drumherum. Dann lässt man es einen Monat trocknen, damit der Ring stabil ist und sich nicht mehr verzieht, wenn man ihn benutzt.

Dann bindet man lange Zweige am Ende am Ring fest und beginnt, sie um den Reifen zu wickeln. Ab und zu knotet man das ganze mit einem Band fest und steckt neue Kräuterzweige dazu. So arbeitet man sich den Kreis entlang und kann am Ende noch Lücken auffüllen und die Zweige mit den Beeren dazustecken. Eine Schlaufe zum Aufhängen nicht vergessen – fertig.

Am besten liegend trocknen und erst dann aufhängen, damit der Kranz schön in Form bleibt und gleichmäßig trocknet.

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In meinem Kräuterkranz sind folgende Pflanzen enthalten:

Birke – für Reinigung und Erneuerung

Weißdorn – fürs Herz und die Liebe

Lavendel – für Entspannung und Harmonie

Schafgarbe rot & weiß – für Weiblichkeit

Minze – für einen klaren Kopf

Rainfarn – für die Kraft der Sonne

Goldrute – ebenfalls ein heilendes Sonnenkraut

Beifuß – für Schutz und Weisheit

Hopfen – für Heilung und Entspannung

Gundermann – ein erdendes Kraftpaket

Holunderbeeren – eine magische, schützende Hexenpflanze der Frau Holle

Herzgespann – für ein fröhliches, ruhiges Herz

Ebereschenbeeren – ein glückbringender Schutzbaum

Ähren – für Wohlstand und Fülle

Frauenmantel – das Wunderkraut für Frauen

So wunderbar bunt und kraftvoll ist der schöne Altweibersommer! Ein Stück von ihm wird nun demnächst auch in meinem Flur hängen, und es wird sicher nicht bei diesem ersten Kräuterkranz bleiben 🙂

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Gewitterkerzen & Co: Alte Bräuche zum Schutz vor Gewitter

Ein alter, heute kaum noch bekannter Brauch ist das Anzünden einer Gewitterkerze, um Haus und Hof vor Blitzeinschlag zu schützen. In sehr ländlichen, gläubigen Gebieten (vor allem im Alpenraum) hat sich dieser Brauch noch bis heute erhalten und ich habe mir sogar vor Jahren mal eine Gewitterkerze aus dem Kloster Andechs mitgebracht:

Gewitterkerzen

Gewitterkerzen

Der alte Brauch der Gewitterkerzen/Wetterkerzen/Schauerkerzen

Für den Falle, dass ein Sturm oder Gewitter Haus und Hof bedrohte, wurde im „Herrgottswinkel“ oder einer Schublade eine besondere Kerze genau für jene Notfälle aufbewahrt: Diese schwarze Kerze (entweder rein schwarz oder mit Wachsbildern und Ornamenten verziert) wurde nur während solcher Unwetter angezündet und danach wieder gelöscht und aufbewahrt. Damit sollten das Haus und all seine Bewohner vor Blitzeinschlag und sonstigem Wetterunheil geschützt werden. Bekannt sind sie seit über 500 Jahren. Gesegnet werden sie traditionell an Lichtmess – dem Kerzenfest, was auf heidnische Ursprünge zurückzuführen und im keltischen Raum das Fest der Göttin Brighid war. Dieses heidnische Fest heißt Imbolc und wird immer am 2. Februar gefeiert.

Und Tatsache: Ich habe eine Seite gefunden, auf der man geweihte, schwarze Wetterkerzen bestellen kann!

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Ich finde diesen Brauch aus zweierlei Gründen tiefgründig und schön:

Zum einen macht es durchaus Sinn, in einer potentiell bedrohlichen Situation in sich zu gehen und um Schutz und Segen zu bitten- wo oder bei wem auch immer. Denn wir sind alle verletzlich und letztlich abhängig von der Natur. Und das ist auch der zweite Aspekt, der mir an diesem Brauch gefällt: Er bedeutet für mich Demut vor der Natur. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir geschützt und behütet sind vor den Urgewalten der Natur; auch wenn uns das in unserer heutigen Zeit oft anders vorkommt und wir meinen, die ganze Welt gehört uns. Das tut sie aber nicht. Wir sind auf dieser Welt zu Gast und sollten uns dessen dankbar bewusst sein. Daran erinnert mich ein solcher Brauch. Ich denke oft bei schweren Unwetter daran, wie gut ich es habe, ein Dach über dem Kopf zu haben. Dieses Glück hat nicht jeder.

Und Feuer hat auch etwas Reinigendes – ebenso wie ein Gewitter. Ich finde es also gar nicht so unpassend, diese Reinigung auch im Inneren des Hauses fortzusetzen. Gegen negativ oder zu spannungsvoll aufgeladene Luft, bspw. nach einem Gewitter, hilft übrigens das Räucher mit Königskerze. Sie ist auch Teil meiner Hausreinigungs-Mischung und eine gute Reinigungs- und Entladepflanze.

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Weitere Bräuche und alte Schutzzauber gegen Gewitter

„Schau nicht aus dem Fenster, sonst lockst du den Blitz noch herbei!“ – solche und andere Regeln und verschiedenste Vorkehrungen zum Schutz vor Unwettern gab es. Einige habe ich hier zusammengetragen (im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens sind es ganze 10 Seiten überlieferter Bräuche!):

  • Wenn es in der Ferne donnert, dann jagt der Teufel die Guten. Kommt aber ein heller Blitz, dann sind die Engel hinter dem Teufel her.
  • In Schlesien wurden Gewitterwolken „Schwarzer Kater“ genannt, in der Schweiz „Schwarzer Mann“
  • Gewitterreiche Jahre waren gefürchtet, und dennoch auch gut, denn sie sorgten für fruchtbare Felder.
  • Zieht ein Gewitter während wichtiger Anlässe wie Geburt, Hochzeit oder Begräbnissen auf, so sind diese von besonderer Art. Wird ein Kind inmitten eines Gewitters geboren, erwartet es ein mühevolles Leben.
  • Das Herdfeuer musste in vielen Regionen gelöscht werden, damit es kein Feuer im Hause anzieht. Widerum heißt es auch vielerorts, dass dort der Blitz nicht einschlägt, wo das Herdfeuer brennt.
  • Gewitter werden von Hexen über die Felder gejagt, weswegen bei Gewitter die Glocken geläutet wurden. Der Küster, der diese Arbeit verrichtete, wurde dafür extra mit einem Entgelt bedacht, das Wetterkorn, Wettergarbe, Glockengarbe oder Donnerhocke hieß.
  • Auch brennende Palmzweige auf dem Herd/im Herdfeuer sollten Schaden abwehren.
  • In Friesland wurde grünes Holz mit starker Rauchentwicklung verbrannt, bspw. Hasel, Weide, frische Blumen , Birken- und Eichenzweige.
  • Da das Gewitter das Eisen fürchtete, wurde fast allerorts Sense oder Beil kreuzweise vor die Haustür gestellt.
  • Außerdem gab es Himmelsbriefe zum Schutz: Dies waren mit Schutzgebeten beschriebene Papiere, die als Amulette dienten.
  • Dem Gewitterregen wurde eine segenspendende Wirkung zugeschrieben, ebenso dem Blitzbaumholz. Kleinen Kindern wurde Gewitterregen zu Trinken gegeben, damit sie schneller und leichter sprechen lernen.
  • Ein Schutzzauber für das Korn, aus Ostpreußen: Schneide im Frühling einen Haselstrauch und mache damit beim ersten Gewitter ein Kreuz über jeden Getreidehaufen.
  • Der Haselstrauch gilt als gewitterabwehrend. Schon in vorchristlicher Zeit war der Haselstrauch dem Gott Donar geweiht, von dem der Donner seinen Namen hat…
  • Zum Schutz vor Rückenschmerzen werfe man sich beim ersten Gewitter auf den Boden und wälze sich auf der Erde.
  • Späne von vom Blitz getroffenen Holz schützen vor allerlei Schmerzen und verleihen Amuletten mehr Kraft.
  • Teile vom Kräuterbuschen werden ins Herdfeuer geworfen, um sich vor Blitzeinschlag zu schützen.
  • Auf dem Hof wurden besondere Pflanzen zum Schutz vor Unwettern gepflanzt, z.B. Hasel- und Nussbäume, Hauswurz und schwarzer Holunder.

Das ist nur ein kleiner Einblick… Aber man bekommt doch eine ganz gute Vorstellung davon, wie lebenswichtig früher die Sicherheit gegenüber den Mächten der Natur war. Ich finde, das dürfen wir auch heute nicht vergessen.

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Auf dem Flohmarkt und im Gruselhaus…

Gerade liegen mehrere Stunden Flohmarkt, ein Besuch auf dem Bauernmarkt und ein recht seltsames Erlebnis hinter mir… Ich möchte kurz davon berichten, denn das Überraschende und Unerwartete wartet doch öfter auf uns, als man denkt… 🙂

Aber zuerst kurz meine gefundenen Schätze:

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Am Tollsten ist der große Holzspiegel, den ich für 3€ bekommen habe… Aber auch ein 160 Jahre altes Märchen (1854 von einer Frau (!) geschrieben, auf das ich sehr gespannt bin: Es heißt „Die Irrlichter“ und spielt im Harz. Die Ausgabe, die ich zufällig entdeckt habe, ist von 1881 – ich werde also gleich ein 134 Jahre altes Buch lesen… ♥ toll, oder?

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Und wo wir nun schon beim Mystisch-Gespenstisch- und Alten sind: Dann wurde es komisch…!

Das unerwartete Gruselhaus

Wir entdeckten an der Hauptstraße ein unscheinbares Schild bei einem noch unscheinbareren Hauseingang, auf dem stand, das dort heute eine Haushaltsauflösung sei. Wir gingen also hinein, und kaum hatten wir das Haus betreten, waren wir mindestens 60 Jahre in der Zeit zurück gewandert.

Mit einem Mal standen wir mitten in einer verschachtelten, verwinkelten Wohnung, die aussah, als wäre in ihr seit etlichen Jahrzehnten die Zeit stehen geblieben. Mitten in einer modernen Stadt, mitten in einer Hauptverkehrsstraße standen wir in einem Haus, das im Innern eine andere Zeitrechnung hatte.

Die Tapeten hätten aus dem Museum stammen können, die ärmliche, einfache Küche ebenfalls. Wir fanden alte Durchreichen, kleine Kämmerchen, steile Treppen und verwinkelte Flure und eine Wohnung, die kein Ende nahm. Das Badezimmer sah aus, als wäre es seit mehr als 50 Jahren nicht betreten worden. Eine alte Nähmaschine, in die Jahre gekommenes Zeichenmaterial und Nähzubehör, sogar eine große alte Werkstatt mit alten Fässern entdeckten wir. Es war ganz und gar gruselig und dennoch irgendwie spannend und interessant. Die Zimmer, Flure, Etagen und Eckchen konnte ich nicht  zählen, und genauso wenig konnte ich glauben, im Jahr 2015 zu sein… Weil ich so geplättet war und aus dem Staunen nicht heraus kam, habe ich leider auch keine Fotos gemacht, bis auf dieses, als wir wieder herunter gingen.

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Ich bin etwas traurig, dass ich nicht jede Menge Fotos gemacht habe, aber es war auch so seltsam und eigenartig in diesem Haus, dass ich mich nicht wundern würde, wenn es morgen gar nicht mehr da wäre 🙂 Etwas Untypischeres habe ich hier in dieser Stadt und in unserer Zeitrechnung noch nie erlebt. Die Oma im Schaukelstuhl saß förmlich noch dort und las ihre Zeitung von 1928…

Zurück in der Realität folgte dann noch eine kurze weniger mitnehmende Zeitreise in einen Antiquitätenladen, wo ich nicht nur ein tolles Spinnrad bewundert, sondern eine sehr kuriose Biedermeier-Dose entdeckt habe:

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Die dramatisch-ehrliche Inschrift:

 ♥ Soll ich dich nicht haben, ♥

♥ mag man mich begraben. ♥

🙂

Auf dem Bauernmarkt sind wir dann wieder in der farbenfrohen Gegenwart angekommen und ich habe den wunderschönsten Blumenstrauß überhaupt mit nach Hause genommen:

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Ich wünsche euch ein schönes und erlebnisreiches Wochenende! Und wem jetzt auch nach etwas Staub und alten Zeiten ist: Morgen ist den ganzen Sonntag Märchentag auf 3Sat!

Reise in die Vergangenheit: Die Magie des Herdfeuers

Vor der Industrialiserung war das Herdfeuer der zentrale Ort, an dem sich das Leben in Haus und Hof abspielte. Das Herdfeuer war nicht nur der Platz zum Kochen, es war auch die Feuerstelle, mit der Haus und Hof geheizt wurden und Treffpunkt, an dem man sich versammelte. Bei meinen Besuchen in Museumsdörfern haben mich die Feuerstellen immer besonders fasziniert, da sie wirklich buchstäblich das Zentrum des Wohnens im Landleben waren. Über ihnen hingen gusseiserne Teekessel und Kochtöpfe und der Ruß der Jahrhunderte sammelte sich rundherum und an den Wänden. Außerdem begegnen mir immer wieder interessante Bräuche und Aberglauben rund um das Herdfeuer. Einige davon möchte ich euch heute einmal vorstellen, denn traurig aber wahr: Heute ist das zentrale Herdfeuer größtenteils durch den Fernseher ersetzt worden, um den sich alles dreht und sammelt… Umso schöner also mal ein Ausflug in vergangene Zeiten, aus denen wir mit Sicherheit immer wieder lernen können.

Das Herdfeuer der Vergangenheit

Jahrhundertealte Feuerstelle

Jahrhundertealte Feuerstelle

An Feuerstellen wie diesen bündelte sich das ländliche Leben. Sie dienten nicht nur als Kochplatz, sondern waren gleichzeitig Ofen für Mensch und Tier und abendlicher Treffpunkt, wenn die harte Arbeit getan und der Tag vergangen war. Hier konnte man sich wärmen, beisammen sitzen und heißen Tee oder Punsch trinken. Und: Es war neben einigen Kerzen die einzige starke Lichtquelle in der Dunkelheit.

Die Rückwand war meist mit einer unterschiedlich verzierten Takenplatte verkleidet. Diese gusseisernen Platten waren zum einen dekorativ, dienten aber vor allem dem Feuerschutz und der Wärmeregulierung. Im dahinterliegenden Raum konnte so die Wärme weitergeleitet oder abgeschirmt werden. Sie waren mit verschiedenen Bildern und Reliefs geschmückt, die durch das Flackern des Feuers lebendig wurden. Man kennt solche Taken- und Kaminplatten seit dem 15. Jahrhundert. Vor dem Leben in festen Häusern befand sich die Feuerstelle draußen, und abgelöst wurde das offene Feuer auch im Haus dann ab Ende des 18. Jahrhunderts durch erste abgeschlossene Herdöfen. In vorchristlicher Zeit wurden sogar die Toten nahe der Feuerstelle begraben, da sie eben nicht nur lebenswichtig war, sondern auch das Zentrum des Zusammenlebens darstellte. Und aufgrund der Wichtigkeit und Bedeutung des Herdfeuers hatte dieses auch seine eigenen Patroninnen und Beschützerinnen.

Herdfeuer vor 200-300 Jahren

Herdfeuer vor 200-300 Jahren

Die Hüterinnen der Flamme

Das Feuer war nicht nur überlebenswichtig, man musste auch immer in seiner Nähe sein, damit es nicht zu einem Brand kommt. Man war also zum einen auf das Feuer angewiesen und von ihm abhängig, zum anderen musste man auch achtsam mit ihm umgehen, da es auch eine zerstörerische Kraft hat. Das wertvolle, machtvolle Herdfeuer wurde respektvoll verehrt und ihm wurden besondere Göttinnenfiguren zugeordnet, um dem Feuer zu danken und es gleichzeitig gnädig zu stimmen.

Hestia, Vesta & Brighid

Hüterinnen der Flamme

Hüterinnen der Flamme

Diese drei alten heidnischen Göttinen sind zentrale Figuren im europäischen Raum und mächtige Hüterinnen des Herdfeuers in alten Zeiten.

Brighid ist eine meiner Lieblingsgöttinnen: Sie ist eine keltische Göttin und steht in Verbindung mit Dichtkunst, Schmieden (am Feuer), Heilung und Erneuerung. Ihr Fest ist Anfang Februar, ihr Kleid weiß und ihr Wirken erstreckt sich auf heilige Quellen und das lebensspendende Feuer. Ihr Symbol ist der Kessel, und dieser ist untrennbar mit dem Herdfeuer verknüpft.

Hestia ist eine griechische Figur, die als Göttin des Herdes verehrt wurde – und als Feuergöttin auch gefürchtet. Wenn das Feuer besonders laut knisterte, meinte man, Hestia lachen zu hören.

Vesta ist eine der ältesten Göttinnen überhaupt. Ihr Reich ist ebenfalls das Feuer und sie entspringt der römischen Mythologie. Sie wird nicht als menschliches Wesen dargestellt – sie ist das Feuer selbst.

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All diese Göttinnen symbolisieren und hüten das lebenswichtige Element Feuer, das wärmt, beschützt, erhellt und dennoch auch zerstören kann. Ihnen zu Ehren wurden Opfergaben verbrannt und Feiertage abgehalten. Bräuche, Kulte und Magie des Herdfeuers blieben über Jahrtausende bestehen. Auch in der jüngeren Vergangenheit gibt es eine Vielzahl alter Bräuche, die von der großen Bedeutung des Herdfeuers erzählen.

Brauchtum, Aberglauben und Magie rund um das Herdfeuer

Begeben wir uns nun für einen Moment in ein altes Bauernhaus auf dem Land, lauschen wir dem Knisten des Feuers, wärmen unsere Hände und trinken einen heißen Tee, während die Familienälteste aus ihrem Wissensschatz berichtet, was es mit dem guten Leben zwischen Mensch und Herdfeuer auf sich hat…

Nimm Platz

Komm herein und nimm Platz…

♠ Feuer verjüngt und reinigt uns: Mit der Flamme der Osterkerze oder des Osterfeuers wurde im Frühjahr das Herdfeuer neu entfacht

♠ Mit dem Feuer begrüßen wir das neue Jahr und bewahren seinen Segen: Zu Mittwinter, der Wintersonnenwende, wird der Julscheit ins Feuer gelegt und seine Asche das ganze Jahr über als glückbringend aufbewahrt. Mit dem letzten Rest des Holzes wird im nächsten Jahr das Julfeuer entzündet.

♠ Und nicht nur an besonderen Tagen: Nie durfte das Feuer ausgehen. Es war wertvoll und sicherte das Leben.

♠ Vor Gewitter schütze dich, indem du Palmbuschen (gesegnetes Gebinde aus getrockneten Hölzern) im Herdfeuer verbrennst!

♠ Von den alten Germanen ist bekannt: Sie hatten die Feuerstelle schon immer im Hause.

Und hier ein ausführliche Beschreibung, die ich über Facebook von Anja Meyer erhalten habe:

Dazu aus dem Lüneburgischen: wenn früher ein Hof verkauft wurde musste der neue Besitzer als erstes den Kesselhaken über dem Herd berühren wenn er das Haus betrat, erst danach gehörte der Hof wirklich ihm.

Und auch alle Rechtsgeschäfte und Pakte wie Verlobungen oder das Mieten von Dienstboten waren nach Ansicht der Leute nur gültig, wenn sie am Herd „by brennenden Füer“ abgeschlossen wurden.

Der Kesselhaken als handlichster Teil des Herdes galt sogar als eine Art Besitzurkunde. Brannte z. B. ein Hof versuchte der Bauer nach Mensch und Vieh sofort den Kesselhaken zu bergen.

Aus dem Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens (Bächthold-Stäubli):

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  • Man erblickte im Herdfeuer einen segenspendenden Dämon oder Gott, betete es in Gefahren an und jedesmal, ehe man das Haus verließ, brachte man ihm Opfer. Seine beständige Erhaltung oder seine feierliche Erneuerung galten als kultisches Gesetz.
  • In Schlesien segnete man, eher man das Haus verlässt, das Herdfeuer mit dem Kreuzzeichen.
  • Es gilt als Sünde, das Herdfeuer zu verunreinigen. Auch darf es nicht aus dem Hause getragen werden.
  • Zu bestimmten Zeiten bringt man ihm Opfer in Form von Speiseresten, Milch, Mehl, extra Gebackenem oder Geld dar.
  • Auch z.B. in den Rauhnächten werden das Herdfeuer und „die armen Seelen“ mit Speiseopfern geweiht.
  • Um sich vor Blitzeinschlag zu schützen, löscht man entweder das Feuer oder wirft geweihte Kräuter oder Palmbuschen hinein.
  • Zieht man in ein neues Haus, wird das neue Herdfeuer mit Glut des alten entfacht. Hierbei trägt die älteste Frau der Familie in einem ungebrauchten Topf die Glut ins neue Haus, entfacht das Feuer und bittet den Hausgeist mit folgenden Worten um seinen Segen: „Bitte, Väterchen, folgen Sie in das neue Haus“. Der Topf wird dann zerschlagen.
  • Wird ein neues Familienmitglied in die Hausgemeinschaft aufgenommen, muss es andächtig das Herdfeuer drei Mal umschreiten.
  • Das Herdfeuer ist ein Geisterort ersten Ranges: Feuerdämonen, Ahnenseelen und Hausgeister wohnen in ihm.
  • Am Herdfeuer kündigen sich Geister durch Klopfen und Knistern an, und unter ihm befindet sich der Eingang ins Zwergenreich.
  • Die „armen Seelen“ wärmen sich am Feuer, weswegen man sie öfter als Geister dort sitzen sieht.
  • War das Herdfeuer nicht ordentlich gereinigt, erhielt derjenige, der ihm am nähesten stand, vom Hausgeist eine schallende Ohrfeige.
  • Auch für jede Menge Zauber und Weissagungen war das Herdfeuer der passendste Ort.

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Was uns diese Reise in die Vergangenheit lehren kann

Ich persönlich ziehe aus solchen kleinen Reisen in die Vergangenheit mehrere Lehren. Zum einen macht es mich etwas demütig, weil wir heute in einem solchen Überfluss leben, dass wir uns dessen gar nicht richtig bewusst sein. Nahezu alles ist immer verfügbar und selbstverständlich. Zu erkennen, wie ehrfürchtig unsere Vorfahren mit dem Nötigsten umgingen, weil sie von ihm abhängig waren, und wie beseelt ihre Umwelt war, kann auch unser heutiges Leben bereichern. Mehr Dankbarkeit und ein liebevoller Umgang mit selbstverständlichen „Kleinigkeiten“ macht mich persönlich glücklich, denn mir wird bewusst, wie gut ich es habe. Und es kann auch helfen, sich mehr aufs Wesentliche zu besinnen. Die Erkenntnis, dass Menschen heutzutage sich zuhause so gut wie ausschließlich vor dem Fernseher gemeinsam einfinden, ist schon etwas erschreckend. Aber das lässt sich ja zum Glück ändern, und dafür braucht es kein offenes Feuer im Wohnzimmer. Ein Blick in sich selbst und in die kleinen Wunder der Welt um uns herum reicht.

Hofladen-Eintopf: Kunterbunt und voll gesund (vegan)

Ich bin schon seit Wochen sooo müde und da hab ich mir gedacht, es wird mal wieder Zeit für mehr frisches Obst und Gemüse. Mit frisch gepflückten Äpfeln hantiere ich ja gerade jeden Tag, aber so richtig lecker frisch gekocht, das gab es schon länger nicht mehr. Im Sommer ist mir nicht so nach richtigen warmen Mahlzeiten. Aber jetzt wo der Herbst kommt: Ab in den Hofladen und alles zusammensuchen, was bunt und lecker aussieht 🙂 !

Kunterbunter Hofladen-Eintopf (vegan)

Aus dem Hofladen: Regional, Bio & frisch

Aus dem Hofladen: Regional, Bio & frisch

Dieser Eintopf ist etwas untypisch, denn er hat auch Gemüse drin, das sonst eher in den Salat wandert (z.B. die leckeren rotschwarzen Tomaten oben auf dem Bild). Aber genau das macht den Unterschied! Er schmeckt sehr abwechslungsreich und fast wie Minestrone. Und komplett ohne fertige Gemüsebrühe, denn diesen Geschmack krieg ich nicht mehr runter. Man kann diesen Eintopf gut auf Vorrat kochen, denn am nächsten Tag schmeckt er noch besser! Und das Tolle: Alle Zutaten sind aus biologischem Anbau, regional und saisonal. Für alles zusammen habe ich 8 Euro gezahlt, da kann man sich nicht beschweren, finde ich.

Zutaten für 3-4 Portionen:

  • 2 Süßkartoffeln
  • 4 Mohrrüben
  • 1 mittlere Schmorgurke
  • 1 Fenchelgemüse
  • 1 rote Zwiebel
  • 5-6 Tomaten
  • 1 Limette
  • 1 Stück Ingwer (2-3 cm)
  • 1 Bund Lauchzwiebeln
  • 1 ordentliche Handvoll grüne Bohnen
  • 1 Bund frische Petersilie
  • Gewürze nach Wahl

Zubereitung:

Ca. 3/4 Liter Wasser zum Kochen bringen und nach und nach das ganze Gemüse hineinschnippeln (mit Mohrrübem Kartoffeln und Bohnen anfangen). Dann den Saft der Limette oder Zitrone dazugeben, das Stück Ingwer mitkochen und alles mindestens 30 Minuten köcheln lassen. Die Zwiebel in kleinen Stücken und etwas Öl anbraten und dazugeben. Am Ende die kleingeschnittene Petersilie und ordentlich Gewürze nach Wahl (Salz, Pfeffer, Kräuter etc.) dazugeben.

Ich habe mit Kornblumensalz, Pfeffer, Tschubritza-Gewürz und Glücksengel-Gewürz von Sonnentor gewürzt.

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Variationen:

Sehr gut dazupassen würden angebratene Räuchertofu-Würfel oder die superleckere Tofu-Terrine von Taifun. Und natürlich sind alle Arten von Kartoffeln und weiterem Gemüse möglich! Wichtig für den Geschmack sind aber die Tomaten, die Zitrone, der Ingwer und die Gurke! Wer es sehr tomatig mag, kann auch noch getrocknete Tomaten mit hineinschneiden.

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Guten Appetit 🙂 – und sucht unbedingt nach Hofläden in Eurer Nähe, es lohnt sich!!

Interessantes über den Altweibersommer

Der September ist der Mai des Herbstes (alte Bauernregel)

…nach einem kurzen, kalten Regenintermezzo ist er nun noch einmal da: Der schöne Altweibersommer mit tiefstehender, heller Sonne, frischer Luft und um die 20 Grad. Wenn Sommer und Herbst kurz Hand in Hand gehen, haben wir ihn: Den Altweibersommer. Man erkennt ihn passenderweise auch daran, dass einem unterwegs Spinnenweben ins Gesicht fliegen 😉 Da ich diese kleine Zwischenzeit sehr mag und sowieso fasziniert von solchen Übergängen bin, habe ich mich mal ein wenig intensiver damit beschäftigt und einiges Interessantes über Natur, Bräuche und unsere Vergangenheit gelernt!

So zeigt sich der Altweibersommer

Der Altweibersommer ist eine Zwischen-Zeit. Daher wurde ihm früher viel Beachtung geschenkt, wie ich weiter unten noch erzählen werde. Eine gute „Anzeigepflanze“ ist die Fette Henne: Den Sommer über ist sie grün, doch wenn der Sommer sich dem Ende neigt, verrät sie dies, indem sie sich rötlich einfärbt (wie auf dem folgenden Bild rechts zu sehen).

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Das klassische Merkmal des Altweibersommers ist der „Rückfall“ des beginnenden Herbstes in den Sommer. Meteorologisch zeigt es über lange Zeiten, dass Mitte/Ende September angenehme, stabile Hochdrucklagen noch einmal für sonniges Wetter sorgen, auch wenn der Sommer stetig auf dem Rückzug ist – und mit ihm das Licht. Umso wertvoller also diese geschenkten Sonnenstunden, weshalb diese besondere Zeit seit vielen Jahrhunderten in den Bauernregeln ihren Platz hatte.

Woher der Altweibersommer seinen Namen hat

Der Name „Altweibersommer“ ist ca. seit dem 17. Jahrhundert bekannt (andere Quellen datieren später). Bisher teilte man das Jahr in Sommer und Winter, dann kamen der „Junge Weibersommer“ im Frühling sowie der „Altweibersommer“ im Herbst dazu. Aber auch andere Namen hatte er, so z.B. Frauensommer, Mädchensommer, Mettensommer, Nachsommer, Witwensommer, Allerheiligensommer. 

Die Bezeichnung „Altweiber“ geht auf eben jene Spinnfäden zurück, die einem zu dieser Jahreszeit gerne mal ins Gesicht fliegen. Sie stammen von den obligatorischen Spätsommergästen an Fenstern, Hecken und Ecken: Die Baldachinspinnen, deren Flugfaden durch die Lüfte schwebt. Ihr hellglänzender Faden erinnert an das silbrige Haar alter Frauen. Auch im osteuropäischen Raum heißt dieser Spätsommer „Weibersommer“.

Frauen und Spinnfäden hängen aber auch noch auf eine andere Weise zusammen: Weiben ist unser heutiges Weben, also das Verspinnen von Fäden zu Garn. Und damit gelangen wir auch schon noch tiefer in die Vergangenheit: In die nordische Mythologie.

Der Schicksalsfaden der Nornen und die Zeit der Übergänge

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Die Nornen sind die 3 Schicksalsgöttinnen der nordischen Mythologie. Ihre Namen sind Urd, Werdandi und Skuld – sie sind die Jungfrau, die Frau und das alte Weib. Ihr Werk ist das Spinnen der Schicksalsfäden am Weltenbaum und in ihnen spiegelt sich die Dreifaltigkeit von Werden, Sein und Vergehen. Mich fasziniert diese Sicht auf den ewigen Zyklus des Lebens sehr, denn er meint mehr als nur Leben, Sein und Sterben. Mit ihm ist auch der ewige Kreislauf innerhalb des Lebens gemeint, denn alles ist immer ein Prozess der Veränderung. Wir selbst verändern uns, und auch die die Umstände unseres Lebens tun es immer und immer wieder. Dieser stetige Wandel begleitet uns und lässt uns unser einzigartiges Leben entwickeln – mit all den Facetten von Werden, Sein und Vergehen, die immer auch mit- und nebeneinander bestehen.

Auch spannend: Der September wurde früher auch Scheiding genannt – die Scheide zwischen Sommer (Wärme) und Herbst (Kälte).

Der Altweibersommer in der Natur

Der Altweibersommer ist eine Zwischen-Zeit in genau solch einem Prozess: der Sommer ist noch da, verabschiedet sich aber langsam. Der Herbst betritt die Bühne und vermischt sich mit dem Spätsommer. Die Natur ist noch voller Kraft und Farben, hat aber schon einen herbstlichen Anstrich. Viele Pflanzen sind verblüht und die Vorräte werden schnell noch gesammelt und befüllt, bevor die Landschaft fast leergefegt wird. Die nun stärker auftretenden Temperaturschwankungen stoßen die bunte Verfärbung der Blätter von Bäumen an.

So wunderschön sieht diese gemeinsame Zeit der beiden Jahreszeiten aus:

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Brauchtum und Mystisches im Altweibersommer

♠ Die Frauendreißiger enden Mitte September: Dies ist eine besondere Zeitspanne von 30 Tagen ab der Kräuterweihe am 15.8., die nach altem Glauben sehr günstig zum Sammeln von Heilpflanzen war, da diese in jener Zeit besonders heilkräftig seien. Danach war das Sammeln von Heilpflanzen tabu.

♠ Die Schwendtage: Schwendtage sind in den alten Überlieferungen „ungünstige“ oder „verworfene“ Tage, an denen man besser nichts beginnt und viele Dinge auch nicht tut. Die Bekanntesten sind wohl die 12 Rauhnächte. Im September haben wir gleich 8 davon: vom 21.-28.9. solle man nichts Neues beginnnen, sondern das Vorhandene ordnen. Beste Zeit also für Haus- und Hofputz – ebenso fürs Ausrümpeln und Loslassen von Ballast und unnützem Kram.

Die Herbsttagundnachtgleiche (meist um den 21./22.9. herum) markiert einen besonderen Feiertag: An diesem Tag sind Tag und Nacht gleich lang – und gleichzeitig beginnt nun die dunkle Jahreszeit, da ab jetzt die Nächte länger als die Tage sind. Es ist also ein Schwellenfest, gleichzeitig auch der letzte Erntedank. Zeit für schöne Altäre mit allem Bunten, was uns die Natur (noch) schenkt!

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Und hier noch ein altes Gedicht über diese kleine aber feine Jahreszeit:

Der September ist der auserlesene Monat der zweiten Blüte,
der Monat der reifenden Rebe.
Außerdem ist er der Monat, in dem sich die Erde wieder öffnet,
so daß wir „einsetzen“ können, was bis zum Frühjahr Wurzel fassen soll:
Wieder eine Gelegenheit für uns Gärtner, die Blumenzüchter abzulaufen,
uns ihre Kulturen anzugucken und Schätze für das kommende Frühjahr auszusuchen.
Karel Capek (1890-1928)

Ich liebe und genieße den Altweibersommer sehr! Ich tanke nochmal Sonne und freue mich über alles, was blüht, sammle aber auch schon fleißig erste Bucheckern, reife Äpfel und glänzende Kastanien. Und gegen Dunkelheit und Kälte helfen gute Bücher, leckerer Tee und ein schönes Stück eine schöne Tafel Schokolade 😉

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