Herbst-Tagundnachtgleiche (Mabon): Alte Rituale und Bräuche

…morgen (23.9.2015) ist wieder eines meiner Lieblingsfeste im Jahreskreis: Mabon, die Herbst-Tagundnachtgleiche. Wie der Name sagt, sind an diesem besonderen Datum Tag und Nacht genau gleich lang. Danach beginnt die dunkle Jahreshälfte, in der die Nächte länger als die Tage sind. Da früher die Natur im Leben und Bewusstsein der Menschen eine ganz andere und viel zentralere Rolle gespielt hat, wurden solche markanten Punkte im Jahreslauf mit verschiedensten Bräuchen und Ritualen gefeiert. Einige habe ich mal zusammengetragen, um ein bisschen Inspiration für diesen besonderen Tag zu geben.

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Die Bedeutung des Mabon-Festes: Harmonie, Licht und Erntedank

Die Herbst-Tagundnachtgleiche ist eines der 4 Sonnenfeste im Jahr und wurde in der keltischen Kultur nach dem walisischen Gott Mabon (Sohn des Lichts) benannt. Diese Bezeichnung ist bis heute geläufig geblieben. Aber unabhängig vom Namen des Festes ist es -frei von irgendwelchen Glaubenssystemen oder Überlieferungen – ein Fest, dessen Inhalt und Bedeutung die Natur selbst schreibt: Tag und Nacht, Licht und Dunkelheit sind an diesem Tag in vollkommenem Gleichklang, es herrscht eine Ausgewogenheit der Kräfte und alles Leben ruht für einen kurzen Moment in perfekter Harmonie. Daher ist Harmonie einer der Hauptaspekte dieses Festes.

Der zweite besondere Anlass des Feierns ist das Ende der Erntezeit. Mabon ist das letzte Erntedankfest des Jahres, denn bald sind die letzten Früchte gesammelt und verarbeitet, die landwirtschaftliche Arbeit neigt sich dem Ende. Gleichzeitig zeigt sich die Natur zu dieser Jahreszeit noch einmal in voller Fülle und beschenkt uns mit reifem Obst, letzten Kräutern, verschiedensten Beeren, Pilzen und Eicheln, Kastanien, Bucheckern usw. Der Sommer verabschiedet sich nun endgültig und der Herbst betritt die Bühne. Die Bäume werden bunt, die Vorräte gefüllt. Auch die Tierwelt schlägt nochmal ordentlich zu und bereitet sich auf den Winter vor. Zu danken für das, was man sich erarbeitet und was einem gegeben wurde, macht dieses Fest aus.

Und zu guter Letzt ist es auch ein Fest des Wandels, da ab dem kommenden Tag das Halbjahr des Lichts von der dunklen Jahreshälfte abgelöst wird. Von nun an sind die Nächte länger als die Tage und es geht auf den Winter zu. Die Sonne tritt ihren Rückzug an und auch die Tier- und Pflanzenwelt zieht sich und ihre Kräfte zurück. Es ist nun ein guter Zeitpunkt, Wurzeln und Samen zu sammeln. Die Kräuterernte ist nun aber so gut wie beendet.

Gedanken zum Feiern der Herbst-Tagundnachtgleiche

  • Wo kann ich in meinem Leben und meiner Umwelt mehr Harmonie schaffen?
  • Was wurde mir gegeben, wofür bin ich dankbar, was fehlt mir wirklich?
  • Wie kann ich mir selbst Gutes tun und meine inneren Bedürfnisse entfalten?
  • Abschiednehmen, Loslassen, sich-frei-machen
  • Das bewusste Genießen von Stille und das Zurückbesinnen auf sich selbst und sein Innenleben
auch in der Dunkelheit brennt ein Licht

auch in der Dunkelheit brennt ein Licht

Ideen zur Herbst-Tagundnachtgleiche

Ich liebe es, einen herbstlichen Mabon-Altar aufzubauen mit jeder Menge Kastanien, Eicheln, Bucheckern, Ebereschenbeeren, Weißdorn- und Schlehenbeeren und kleinen bunten Kürbissen und letzten Blümchen. Alle kräftigen Farben der Natur und was sie einem vor die Füße legt, sind willkommen. Ich zünde Kerzen und waldiges Räucherwerk an und koche eine leckere heiße Kürbissuppe mit viel Ingwer und Zitrone oder ein anderes gesundes, kraftspendendes Festtagsessen mit frischem Gemüse der Saison. Gleichzeitig ist es auch ein guter Zeitpunkt, sich Projekte für den Winter zu überlegen (bei mir ist es zum Beispiel mehr Nähen, Samenbomben für den Frühling machen, Räucherwerk mischen, Tinkturen machen und mehr zu Fotografieren). Ebenfalls eine passende Idee wäre es, von nun an ein Tagebuch oder ein Traumtagebuch zu beginnen, um sich mehr mit sich und seinem Inneren und dem Unterbewusstsein zu befassen – also auch eine Reise nach Innen anzutreten, wie die Natur es tut.

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Eine magische Zeit

Die Tagundnachtgleichen sind ganz besondere astronomische Konstellationen und Zeitpunkte, da an ihnen die Welt kurz stillzustehen scheint. Beide Pole (hell und dunkel, Tag und Nacht) stehen kurzzeitig in absoluter Harmonie zueinander, bevor das Kräfteverhältnis sich dann wieder verschiebt. Solche Übergänge und Zwischen-Zeiten waren seit Jahrtausenden als besonders kraftvolle, teilweise aber auch unheimliche Momente bekannt. Es heißt, an ihnen sind die Schleier zwischen den Welten dünner und durchlässiger, weshalb diesen Momenten eine besondere mystische Qualität zugesprochen wird. Und gerade solche Zeitpunkte sind daher besonders zum Orakeln geeignet, da die verschiedenen Welten weniger stark voneinander getrennt sind und eine Schwelle übertreten wird…

Da nun die dunkle Jahreshälfte beginnt, ist auch Schutz ein Thema und es können entsprechende Amulette, Zauber oder Kräutermischungen dazu hergestellt werden. Gleichzeitig ist es ein perfekter Zeitpunkt, Altes loszulassen und sich von Ballast zu befreien, weswegen es auch ein Fest der Reinigung und Er-Leicherung sein kann.

Alter Glauben und Bräuche zum Herbst

  • Im Herbst beginnt die Geisterzeit und Herbstfeste waren auch Feste der Geistervertreibung, denn Herbst und Winter waren gefürchtet.
  • Der Herbst ist die Zeit der Irrlichter, der Geister und der wilden Jagd. Auch die Gabe des zweiten Gesichts tritt in diesem Halbjahr verstärkt auf.
  • Da die Ernte- und Vorratskammern voll waren, war der Herbst ein beliebter Zeitpunkt zum Heiraten.
  • Blüht ein Obstbaum (v.a. Apfelbaum) im Herbst, so kündigt er den Tod eines Familienmitglieds an
  • Den Göttern und Göttinnen wurden Dankopfer dargebracht
  • Bei den Kelten und Germanen wurde die letzte Ähre des Feldes stehengelassen oder feierlich zu einer weiblichen Figur gebunden
  • Im christlichen Glauben wurde ca. 6 Tage später ein „eigenes“ Fest für den Herbstanfang eingerichtet: Der Michaelstag. Auch die darauf folgenden Volksfeste und Kirmesfeiern gehen daraus hervor (früher war im Herbst die Zeit, in der die Hofhelfer ausbezahlt, die Tiere verkauft und die Erträge daher ausgebeben und Feste begangen wurden).
  • Im Allgäu wird der Almabtrieb feierlich begangen und die Kühe werden zum Dank und als Schutz und Segen festlich bunt geschmückt.
  • Im traditionellen, christlich geprägten Volksglauben wurde mit Ende der Frauendreißiger (15.9.) das Sammeln von Heilkräutern beendet.
  • Nach Ende der Ernte wurden Erntefeuer entzündet, um die getanzt und über die gesprungen wurde.
  • Die besten Früchte der Ernte wurden den Göttern und den Ahnen und der Mutter Erde geopfert.
  • Es wurden Kränze aus Blumen und Kräutern und Kronen oder Frauenfiguren aus Getreideähren gebunden.

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Ich wünsche euch eine wunderbare Herbst-Tagundnachtgleiche!

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9 Kommentare zu “Herbst-Tagundnachtgleiche (Mabon): Alte Rituale und Bräuche

  1. berlienchen sagt:

    Ein schöner Beitrag! Und wieder habe ich einiges gelesen, was ich noch nicht wusste. Tatsächlich spielt sich in der dunkleren Jahreszeit ja das Leben mehr im Haus ab, als draussen. Ich persönlich mach dann auch mehr Handarbeiten und freu mich auch schon drauf. Ich werd in nächster Zeit meine „Weihnachtsprojekte“ starten. Aber noch genieße ich die milden Temperaturen und die sich wandelnde Natur mit ihren sanfter werdenden Farben.

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    • Dankeschön 🙂 Ich mag den Gedanken auch, wieder mehr bei sich und zuhause zu sein. Früher gab es ja gar keine Alternative und es wurde dann genäht, gesponnen und gewebt 🙂 Was sind denn deine Weihnachtsprojekte??

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      • berlienchen sagt:

        Seit ein paar Jahren mach ich für die Familie Kalender (Bastelkalender) mit hauptsächlich eigenen Fotos, die ich über das Jahr aufgenommen habe. Dann hab ich ein paar Häkelein geplant. Ich hatte von meinem Mann ein Buch mit kleinen Häckelfiguren bekommen, die will ich ausprobieren. Momentan überlege ich, ob Nähen mit der Nähmaschine etwas für mich wäre, da mit der Hand nähen ja doch zeitaufweniger ist… Ich hätte da ein paar Ideen für´s Kinderzimmer, hab auch schon angefangen, aber wie gesagt, der Zeitfaktor stört mich.
        Ach und ab und an gönn ich mir auch einen ruhigen Abend mit Tee und einem Buch 🙂 DDafür ist irgendwie im Sommer keine Zeit, eigentlich auch seltsam.

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      • Oh schön, das klingt toll 🙂 Häkeln kann ich leider nicht, aber es gibt so tolle Figuren, da werden sich deine Kinder bestimmt riesig freuen (wenn sie noch im richtigen Alter sind? Aber eigentlich bzw. hoffentlich ist man für sowas ja nie zu alt!). Gegen das Nähen mit der Maschine sträube ich mich irgendwie auch seit Ewigkeiten, keine Ahnung warum… Ich nähe zwar nicht oft, aber auch ab und zu Kuscheltiere und Kissen und Säckchen aus altem Leinen. Irgendwie mag ich das Handgenähte einfach mehr und finde es mit einer Maschine irgendwie befremdlich… Allerdings wäre man damit eindeutig produktiver… Aber ich denke, das wird bei mir noch eine Weile dauern 🙂 Ich wünsche dir auf jeden Fall viele schöne Abende mit Tee und Büchern! Liebe Grüße *Franziska*

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  2. Gabi sagt:

    Vielen Dank für diese tollen Informationen!
    Ich hab mich gleich mal als Verfolger eingetragen.
    Liebe Grüße und eine magische Zeit
    Gabi

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  3. […] gesehen werden, da diese nun über die Dunkelheit gesiegt und die Führung übernommen hat. Bis zur Herbsttagundnachtgleiche sind nun die Tage länger als die Nacht und Sonne, Wachstum und Fülle bestimmen das […]

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