Reise in die Vergangenheit: Die Magie des Herdfeuers

Vor der Industrialiserung war das Herdfeuer der zentrale Ort, an dem sich das Leben in Haus und Hof abspielte. Das Herdfeuer war nicht nur der Platz zum Kochen, es war auch die Feuerstelle, mit der Haus und Hof geheizt wurden und Treffpunkt, an dem man sich versammelte. Bei meinen Besuchen in Museumsdörfern haben mich die Feuerstellen immer besonders fasziniert, da sie wirklich buchstäblich das Zentrum des Wohnens im Landleben waren. Über ihnen hingen gusseiserne Teekessel und Kochtöpfe und der Ruß der Jahrhunderte sammelte sich rundherum und an den Wänden. Außerdem begegnen mir immer wieder interessante Bräuche und Aberglauben rund um das Herdfeuer. Einige davon möchte ich euch heute einmal vorstellen, denn traurig aber wahr: Heute ist das zentrale Herdfeuer größtenteils durch den Fernseher ersetzt worden, um den sich alles dreht und sammelt… Umso schöner also mal ein Ausflug in vergangene Zeiten, aus denen wir mit Sicherheit immer wieder lernen können.

Das Herdfeuer der Vergangenheit

Jahrhundertealte Feuerstelle

Jahrhundertealte Feuerstelle

An Feuerstellen wie diesen bündelte sich das ländliche Leben. Sie dienten nicht nur als Kochplatz, sondern waren gleichzeitig Ofen für Mensch und Tier und abendlicher Treffpunkt, wenn die harte Arbeit getan und der Tag vergangen war. Hier konnte man sich wärmen, beisammen sitzen und heißen Tee oder Punsch trinken. Und: Es war neben einigen Kerzen die einzige starke Lichtquelle in der Dunkelheit.

Die Rückwand war meist mit einer unterschiedlich verzierten Takenplatte verkleidet. Diese gusseisernen Platten waren zum einen dekorativ, dienten aber vor allem dem Feuerschutz und der Wärmeregulierung. Im dahinterliegenden Raum konnte so die Wärme weitergeleitet oder abgeschirmt werden. Sie waren mit verschiedenen Bildern und Reliefs geschmückt, die durch das Flackern des Feuers lebendig wurden. Man kennt solche Taken- und Kaminplatten seit dem 15. Jahrhundert. Vor dem Leben in festen Häusern befand sich die Feuerstelle draußen, und abgelöst wurde das offene Feuer auch im Haus dann ab Ende des 18. Jahrhunderts durch erste abgeschlossene Herdöfen. In vorchristlicher Zeit wurden sogar die Toten nahe der Feuerstelle begraben, da sie eben nicht nur lebenswichtig war, sondern auch das Zentrum des Zusammenlebens darstellte. Und aufgrund der Wichtigkeit und Bedeutung des Herdfeuers hatte dieses auch seine eigenen Patroninnen und Beschützerinnen.

Herdfeuer vor 200-300 Jahren

Herdfeuer vor 200-300 Jahren

Die Hüterinnen der Flamme

Das Feuer war nicht nur überlebenswichtig, man musste auch immer in seiner Nähe sein, damit es nicht zu einem Brand kommt. Man war also zum einen auf das Feuer angewiesen und von ihm abhängig, zum anderen musste man auch achtsam mit ihm umgehen, da es auch eine zerstörerische Kraft hat. Das wertvolle, machtvolle Herdfeuer wurde respektvoll verehrt und ihm wurden besondere Göttinnenfiguren zugeordnet, um dem Feuer zu danken und es gleichzeitig gnädig zu stimmen.

Hestia, Vesta & Brighid

Hüterinnen der Flamme

Hüterinnen der Flamme

Diese drei alten heidnischen Göttinen sind zentrale Figuren im europäischen Raum und mächtige Hüterinnen des Herdfeuers in alten Zeiten.

Brighid ist eine meiner Lieblingsgöttinnen: Sie ist eine keltische Göttin und steht in Verbindung mit Dichtkunst, Schmieden (am Feuer), Heilung und Erneuerung. Ihr Fest ist Anfang Februar, ihr Kleid weiß und ihr Wirken erstreckt sich auf heilige Quellen und das lebensspendende Feuer. Ihr Symbol ist der Kessel, und dieser ist untrennbar mit dem Herdfeuer verknüpft.

Hestia ist eine griechische Figur, die als Göttin des Herdes verehrt wurde – und als Feuergöttin auch gefürchtet. Wenn das Feuer besonders laut knisterte, meinte man, Hestia lachen zu hören.

Vesta ist eine der ältesten Göttinnen überhaupt. Ihr Reich ist ebenfalls das Feuer und sie entspringt der römischen Mythologie. Sie wird nicht als menschliches Wesen dargestellt – sie ist das Feuer selbst.

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All diese Göttinnen symbolisieren und hüten das lebenswichtige Element Feuer, das wärmt, beschützt, erhellt und dennoch auch zerstören kann. Ihnen zu Ehren wurden Opfergaben verbrannt und Feiertage abgehalten. Bräuche, Kulte und Magie des Herdfeuers blieben über Jahrtausende bestehen. Auch in der jüngeren Vergangenheit gibt es eine Vielzahl alter Bräuche, die von der großen Bedeutung des Herdfeuers erzählen.

Brauchtum, Aberglauben und Magie rund um das Herdfeuer

Begeben wir uns nun für einen Moment in ein altes Bauernhaus auf dem Land, lauschen wir dem Knisten des Feuers, wärmen unsere Hände und trinken einen heißen Tee, während die Familienälteste aus ihrem Wissensschatz berichtet, was es mit dem guten Leben zwischen Mensch und Herdfeuer auf sich hat…

Nimm Platz

Komm herein und nimm Platz…

♠ Feuer verjüngt und reinigt uns: Mit der Flamme der Osterkerze oder des Osterfeuers wurde im Frühjahr das Herdfeuer neu entfacht

♠ Mit dem Feuer begrüßen wir das neue Jahr und bewahren seinen Segen: Zu Mittwinter, der Wintersonnenwende, wird der Julscheit ins Feuer gelegt und seine Asche das ganze Jahr über als glückbringend aufbewahrt. Mit dem letzten Rest des Holzes wird im nächsten Jahr das Julfeuer entzündet.

♠ Und nicht nur an besonderen Tagen: Nie durfte das Feuer ausgehen. Es war wertvoll und sicherte das Leben.

♠ Vor Gewitter schütze dich, indem du Palmbuschen (gesegnetes Gebinde aus getrockneten Hölzern) im Herdfeuer verbrennst!

♠ Von den alten Germanen ist bekannt: Sie hatten die Feuerstelle schon immer im Hause.

Und hier ein ausführliche Beschreibung, die ich über Facebook von Anja Meyer erhalten habe:

Dazu aus dem Lüneburgischen: wenn früher ein Hof verkauft wurde musste der neue Besitzer als erstes den Kesselhaken über dem Herd berühren wenn er das Haus betrat, erst danach gehörte der Hof wirklich ihm.

Und auch alle Rechtsgeschäfte und Pakte wie Verlobungen oder das Mieten von Dienstboten waren nach Ansicht der Leute nur gültig, wenn sie am Herd „by brennenden Füer“ abgeschlossen wurden.

Der Kesselhaken als handlichster Teil des Herdes galt sogar als eine Art Besitzurkunde. Brannte z. B. ein Hof versuchte der Bauer nach Mensch und Vieh sofort den Kesselhaken zu bergen.

Aus dem Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens (Bächthold-Stäubli):

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  • Man erblickte im Herdfeuer einen segenspendenden Dämon oder Gott, betete es in Gefahren an und jedesmal, ehe man das Haus verließ, brachte man ihm Opfer. Seine beständige Erhaltung oder seine feierliche Erneuerung galten als kultisches Gesetz.
  • In Schlesien segnete man, eher man das Haus verlässt, das Herdfeuer mit dem Kreuzzeichen.
  • Es gilt als Sünde, das Herdfeuer zu verunreinigen. Auch darf es nicht aus dem Hause getragen werden.
  • Zu bestimmten Zeiten bringt man ihm Opfer in Form von Speiseresten, Milch, Mehl, extra Gebackenem oder Geld dar.
  • Auch z.B. in den Rauhnächten werden das Herdfeuer und „die armen Seelen“ mit Speiseopfern geweiht.
  • Um sich vor Blitzeinschlag zu schützen, löscht man entweder das Feuer oder wirft geweihte Kräuter oder Palmbuschen hinein.
  • Zieht man in ein neues Haus, wird das neue Herdfeuer mit Glut des alten entfacht. Hierbei trägt die älteste Frau der Familie in einem ungebrauchten Topf die Glut ins neue Haus, entfacht das Feuer und bittet den Hausgeist mit folgenden Worten um seinen Segen: „Bitte, Väterchen, folgen Sie in das neue Haus“. Der Topf wird dann zerschlagen.
  • Wird ein neues Familienmitglied in die Hausgemeinschaft aufgenommen, muss es andächtig das Herdfeuer drei Mal umschreiten.
  • Das Herdfeuer ist ein Geisterort ersten Ranges: Feuerdämonen, Ahnenseelen und Hausgeister wohnen in ihm.
  • Am Herdfeuer kündigen sich Geister durch Klopfen und Knistern an, und unter ihm befindet sich der Eingang ins Zwergenreich.
  • Die „armen Seelen“ wärmen sich am Feuer, weswegen man sie öfter als Geister dort sitzen sieht.
  • War das Herdfeuer nicht ordentlich gereinigt, erhielt derjenige, der ihm am nähesten stand, vom Hausgeist eine schallende Ohrfeige.
  • Auch für jede Menge Zauber und Weissagungen war das Herdfeuer der passendste Ort.

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Was uns diese Reise in die Vergangenheit lehren kann

Ich persönlich ziehe aus solchen kleinen Reisen in die Vergangenheit mehrere Lehren. Zum einen macht es mich etwas demütig, weil wir heute in einem solchen Überfluss leben, dass wir uns dessen gar nicht richtig bewusst sein. Nahezu alles ist immer verfügbar und selbstverständlich. Zu erkennen, wie ehrfürchtig unsere Vorfahren mit dem Nötigsten umgingen, weil sie von ihm abhängig waren, und wie beseelt ihre Umwelt war, kann auch unser heutiges Leben bereichern. Mehr Dankbarkeit und ein liebevoller Umgang mit selbstverständlichen „Kleinigkeiten“ macht mich persönlich glücklich, denn mir wird bewusst, wie gut ich es habe. Und es kann auch helfen, sich mehr aufs Wesentliche zu besinnen. Die Erkenntnis, dass Menschen heutzutage sich zuhause so gut wie ausschließlich vor dem Fernseher gemeinsam einfinden, ist schon etwas erschreckend. Aber das lässt sich ja zum Glück ändern, und dafür braucht es kein offenes Feuer im Wohnzimmer. Ein Blick in sich selbst und in die kleinen Wunder der Welt um uns herum reicht.

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Hofladen-Eintopf: Kunterbunt und voll gesund (vegan)

Ich bin schon seit Wochen sooo müde und da hab ich mir gedacht, es wird mal wieder Zeit für mehr frisches Obst und Gemüse. Mit frisch gepflückten Äpfeln hantiere ich ja gerade jeden Tag, aber so richtig lecker frisch gekocht, das gab es schon länger nicht mehr. Im Sommer ist mir nicht so nach richtigen warmen Mahlzeiten. Aber jetzt wo der Herbst kommt: Ab in den Hofladen und alles zusammensuchen, was bunt und lecker aussieht 🙂 !

Kunterbunter Hofladen-Eintopf (vegan)

Aus dem Hofladen: Regional, Bio & frisch

Aus dem Hofladen: Regional, Bio & frisch

Dieser Eintopf ist etwas untypisch, denn er hat auch Gemüse drin, das sonst eher in den Salat wandert (z.B. die leckeren rotschwarzen Tomaten oben auf dem Bild). Aber genau das macht den Unterschied! Er schmeckt sehr abwechslungsreich und fast wie Minestrone. Und komplett ohne fertige Gemüsebrühe, denn diesen Geschmack krieg ich nicht mehr runter. Man kann diesen Eintopf gut auf Vorrat kochen, denn am nächsten Tag schmeckt er noch besser! Und das Tolle: Alle Zutaten sind aus biologischem Anbau, regional und saisonal. Für alles zusammen habe ich 8 Euro gezahlt, da kann man sich nicht beschweren, finde ich.

Zutaten für 3-4 Portionen:

  • 2 Süßkartoffeln
  • 4 Mohrrüben
  • 1 mittlere Schmorgurke
  • 1 Fenchelgemüse
  • 1 rote Zwiebel
  • 5-6 Tomaten
  • 1 Limette
  • 1 Stück Ingwer (2-3 cm)
  • 1 Bund Lauchzwiebeln
  • 1 ordentliche Handvoll grüne Bohnen
  • 1 Bund frische Petersilie
  • Gewürze nach Wahl

Zubereitung:

Ca. 3/4 Liter Wasser zum Kochen bringen und nach und nach das ganze Gemüse hineinschnippeln (mit Mohrrübem Kartoffeln und Bohnen anfangen). Dann den Saft der Limette oder Zitrone dazugeben, das Stück Ingwer mitkochen und alles mindestens 30 Minuten köcheln lassen. Die Zwiebel in kleinen Stücken und etwas Öl anbraten und dazugeben. Am Ende die kleingeschnittene Petersilie und ordentlich Gewürze nach Wahl (Salz, Pfeffer, Kräuter etc.) dazugeben.

Ich habe mit Kornblumensalz, Pfeffer, Tschubritza-Gewürz und Glücksengel-Gewürz von Sonnentor gewürzt.

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Variationen:

Sehr gut dazupassen würden angebratene Räuchertofu-Würfel oder die superleckere Tofu-Terrine von Taifun. Und natürlich sind alle Arten von Kartoffeln und weiterem Gemüse möglich! Wichtig für den Geschmack sind aber die Tomaten, die Zitrone, der Ingwer und die Gurke! Wer es sehr tomatig mag, kann auch noch getrocknete Tomaten mit hineinschneiden.

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Guten Appetit 🙂 – und sucht unbedingt nach Hofläden in Eurer Nähe, es lohnt sich!!

Interessantes über den Altweibersommer

Der September ist der Mai des Herbstes (alte Bauernregel)

…nach einem kurzen, kalten Regenintermezzo ist er nun noch einmal da: Der schöne Altweibersommer mit tiefstehender, heller Sonne, frischer Luft und um die 20 Grad. Wenn Sommer und Herbst kurz Hand in Hand gehen, haben wir ihn: Den Altweibersommer. Man erkennt ihn passenderweise auch daran, dass einem unterwegs Spinnenweben ins Gesicht fliegen 😉 Da ich diese kleine Zwischenzeit sehr mag und sowieso fasziniert von solchen Übergängen bin, habe ich mich mal ein wenig intensiver damit beschäftigt und einiges Interessantes über Natur, Bräuche und unsere Vergangenheit gelernt!

So zeigt sich der Altweibersommer

Der Altweibersommer ist eine Zwischen-Zeit. Daher wurde ihm früher viel Beachtung geschenkt, wie ich weiter unten noch erzählen werde. Eine gute „Anzeigepflanze“ ist die Fette Henne: Den Sommer über ist sie grün, doch wenn der Sommer sich dem Ende neigt, verrät sie dies, indem sie sich rötlich einfärbt (wie auf dem folgenden Bild rechts zu sehen).

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Das klassische Merkmal des Altweibersommers ist der „Rückfall“ des beginnenden Herbstes in den Sommer. Meteorologisch zeigt es über lange Zeiten, dass Mitte/Ende September angenehme, stabile Hochdrucklagen noch einmal für sonniges Wetter sorgen, auch wenn der Sommer stetig auf dem Rückzug ist – und mit ihm das Licht. Umso wertvoller also diese geschenkten Sonnenstunden, weshalb diese besondere Zeit seit vielen Jahrhunderten in den Bauernregeln ihren Platz hatte.

Woher der Altweibersommer seinen Namen hat

Der Name „Altweibersommer“ ist ca. seit dem 17. Jahrhundert bekannt (andere Quellen datieren später). Bisher teilte man das Jahr in Sommer und Winter, dann kamen der „Junge Weibersommer“ im Frühling sowie der „Altweibersommer“ im Herbst dazu. Aber auch andere Namen hatte er, so z.B. Frauensommer, Mädchensommer, Mettensommer, Nachsommer, Witwensommer, Allerheiligensommer. 

Die Bezeichnung „Altweiber“ geht auf eben jene Spinnfäden zurück, die einem zu dieser Jahreszeit gerne mal ins Gesicht fliegen. Sie stammen von den obligatorischen Spätsommergästen an Fenstern, Hecken und Ecken: Die Baldachinspinnen, deren Flugfaden durch die Lüfte schwebt. Ihr hellglänzender Faden erinnert an das silbrige Haar alter Frauen. Auch im osteuropäischen Raum heißt dieser Spätsommer „Weibersommer“.

Frauen und Spinnfäden hängen aber auch noch auf eine andere Weise zusammen: Weiben ist unser heutiges Weben, also das Verspinnen von Fäden zu Garn. Und damit gelangen wir auch schon noch tiefer in die Vergangenheit: In die nordische Mythologie.

Der Schicksalsfaden der Nornen und die Zeit der Übergänge

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Die Nornen sind die 3 Schicksalsgöttinnen der nordischen Mythologie. Ihre Namen sind Urd, Werdandi und Skuld – sie sind die Jungfrau, die Frau und das alte Weib. Ihr Werk ist das Spinnen der Schicksalsfäden am Weltenbaum und in ihnen spiegelt sich die Dreifaltigkeit von Werden, Sein und Vergehen. Mich fasziniert diese Sicht auf den ewigen Zyklus des Lebens sehr, denn er meint mehr als nur Leben, Sein und Sterben. Mit ihm ist auch der ewige Kreislauf innerhalb des Lebens gemeint, denn alles ist immer ein Prozess der Veränderung. Wir selbst verändern uns, und auch die die Umstände unseres Lebens tun es immer und immer wieder. Dieser stetige Wandel begleitet uns und lässt uns unser einzigartiges Leben entwickeln – mit all den Facetten von Werden, Sein und Vergehen, die immer auch mit- und nebeneinander bestehen.

Auch spannend: Der September wurde früher auch Scheiding genannt – die Scheide zwischen Sommer (Wärme) und Herbst (Kälte).

Der Altweibersommer in der Natur

Der Altweibersommer ist eine Zwischen-Zeit in genau solch einem Prozess: der Sommer ist noch da, verabschiedet sich aber langsam. Der Herbst betritt die Bühne und vermischt sich mit dem Spätsommer. Die Natur ist noch voller Kraft und Farben, hat aber schon einen herbstlichen Anstrich. Viele Pflanzen sind verblüht und die Vorräte werden schnell noch gesammelt und befüllt, bevor die Landschaft fast leergefegt wird. Die nun stärker auftretenden Temperaturschwankungen stoßen die bunte Verfärbung der Blätter von Bäumen an.

So wunderschön sieht diese gemeinsame Zeit der beiden Jahreszeiten aus:

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Brauchtum und Mystisches im Altweibersommer

♠ Die Frauendreißiger enden Mitte September: Dies ist eine besondere Zeitspanne von 30 Tagen ab der Kräuterweihe am 15.8., die nach altem Glauben sehr günstig zum Sammeln von Heilpflanzen war, da diese in jener Zeit besonders heilkräftig seien. Danach war das Sammeln von Heilpflanzen tabu.

♠ Die Schwendtage: Schwendtage sind in den alten Überlieferungen „ungünstige“ oder „verworfene“ Tage, an denen man besser nichts beginnt und viele Dinge auch nicht tut. Die Bekanntesten sind wohl die 12 Rauhnächte. Im September haben wir gleich 8 davon: vom 21.-28.9. solle man nichts Neues beginnnen, sondern das Vorhandene ordnen. Beste Zeit also für Haus- und Hofputz – ebenso fürs Ausrümpeln und Loslassen von Ballast und unnützem Kram.

Die Herbsttagundnachtgleiche (meist um den 21./22.9. herum) markiert einen besonderen Feiertag: An diesem Tag sind Tag und Nacht gleich lang – und gleichzeitig beginnt nun die dunkle Jahreszeit, da ab jetzt die Nächte länger als die Tage sind. Es ist also ein Schwellenfest, gleichzeitig auch der letzte Erntedank. Zeit für schöne Altäre mit allem Bunten, was uns die Natur (noch) schenkt!

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Und hier noch ein altes Gedicht über diese kleine aber feine Jahreszeit:

Der September ist der auserlesene Monat der zweiten Blüte,
der Monat der reifenden Rebe.
Außerdem ist er der Monat, in dem sich die Erde wieder öffnet,
so daß wir „einsetzen“ können, was bis zum Frühjahr Wurzel fassen soll:
Wieder eine Gelegenheit für uns Gärtner, die Blumenzüchter abzulaufen,
uns ihre Kulturen anzugucken und Schätze für das kommende Frühjahr auszusuchen.
Karel Capek (1890-1928)

Ich liebe und genieße den Altweibersommer sehr! Ich tanke nochmal Sonne und freue mich über alles, was blüht, sammle aber auch schon fleißig erste Bucheckern, reife Äpfel und glänzende Kastanien. Und gegen Dunkelheit und Kälte helfen gute Bücher, leckerer Tee und ein schönes Stück eine schöne Tafel Schokolade 😉

Teatime

Teatime

Äpfel haltbar machen: Lecker Apfelmus

Es ist wieder soweit: Die Äpfel werden langsam reif und die ersten Bäume können geplündert werden 🙂 Ich habe zwar leider keinen eigenen Garten, aber letztens in meiner Nachbarschaft einen verlassenen Garten entdeckt, in dem Apfel- und Birnbäume stehen. Also habe ich eine kleine Apfelernte zelebriert und die ersten reifen Äpfel in diesem Jahr aufgesammelt und gepflückt. Da ich Äpfel als Obst nicht so gerne mag, verwende ich sie meistens zum Einkochen und mache Misch-Kompott oder Apfelmus draus.

erste Apfelernte 2015

erste Apfelernte 2015

Apfelmus haltbar einkochen

apfelmus einkochen

  1. Äpfel waschen, schälen, entkernen und kleinschneiden (Kerngehäuse vollständig rausschneiden, sonst piekst es beim Essen 🙂 )
  2. Apfelstücke in einen großen Topf geben, Wasser dazugeben (dürfen nicht bedeckt sein) und nach Geschmack einen ordentlichen Schwung Zucker + Zimt
  3. Alles aufkochen und etwas köcheln lassen, nach ca. 10-15 Minuten nach Bedarf pürieren oder stückig lassen
  4. Kochend heiß in saubere (!) Schraubgläser füllen, Deckel drauf und auf den Kopf stellen
  5. Nach einer Weile umdrehen. Fertig. Durch die Hitze und das Umdrehen hat sich ein Vakuum gebildet, dass zusammen mit dem Zucker für Haltbarkeit sorgt. Ich habe es ohne Kühlung ohne Probleme 1 Jahr später gegessen.

apfelmus selbermachen

Das einzig Aufwendige daran ist das Kleinschneiden der Äpfel, vor allem wenn es so kleinen gepflückte sind 🙂 Aber hinterher freut man sich und es war die Arbeit wert. Auch ein schönes Weihnachtsgeschenk!

Gespräch mit einem Imker

Heute morgen, als ich mit meinem Hund spazieren war, traf ich in meiner Nachbarschaft einen älteren Mann im Bademantel ( 🙂 ), der gerade Bienenwaben säuberte und in den Müll warf. Ich habe ihn neugierig gefragt, ob er Imker ist und was er da macht. Er erzählte mir, dass er leider gerade die Waben reinigte, da sie voller „Totbrut“ waren: Die Brut von diesem Sommer ist erfroren und gestorben. Honig hat er diesen Jahr leider keinen. Wir haben uns länger unterhalten und er hat mir einiges Interessantes erzählt.

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nicht „seine“ Bienenstöcke, aber ebenfalls aus der näheren Umgebung

Gespräch mit einem Imker

Der Hobby-Imker, mein bisher unbekannter Nachbar ;), hat in seinem Garten einen Bienenstock und dazu hat er hier um die Ecke im Botanischen Garten ganz viele Bienenstöcke stehen. Er sagte, das Jahr fing schon schlimm an: Der Sturm im April warf die Bienenstöcke um und fast alle dieser Völker sind erfroren, weil er leider genau zu diesem Zeitpunkt ein paar Tage nicht da war und die Stöcke erst zu spät hätte reparieren können. Ansonsten hätte er diese Völker retten können.

Honigbiene

Honigbiene

Die zweite Katastrophe: Die jungen Königinnen sind gestorben oder gar nicht erst geschlüpft. Und die Brut von älteren Königinnen (Bienenköniginnen leben mehrere Jahre) ist anfällig und schwach; diese Völker kommen meistens nicht durch. Er kann sich das selber nicht erklären. Somit also kein Honig in diesem Jahr, aber das war es gar nicht, worum es ihm ging. Ich habe gespürt, wie sehr er diese Tiere, „seine“ Völker, liebt, und dass er alles tut, um sie durchzubringen. Und er hat mich drum gebeten, ob er mir im nächsten Frühling mal alles zeigen kann im Botanischen Garten, weil er das so gerne anderen Menschen näherbringt. Natürlich bin ich dabei! Auf mein einziges Bedenken hin, dass ich Angst habe, die Bienen könnten mich stechen, sagte er lachend: „Die Angst habe ich auch, und es tut höllisch weh. Aber wenn man ein paar Mal gestochen wurde, reagiert der Körper nicht mehr so stark darauf.“

Blumen-Guerilla

Dann habe ich ihm erzählt, dass ich große Bienenfreundin bin und immer wieder Samenbomben bastle, verteile, verschenke und Bienenblumensamen ausstreue. Er hat verschwörerisch gegrinst und gesagt: „Ja, das mach ich auch! Hier und da werf ich immer mal was hin!“ – Und er berichtete mir, dass die Bienen in die Städte ziehen, weil es auf dem Land zu wenig Nahrung gibt – wegen der vielen Monokulturen. „Die Landwirte geben das nicht gerne zu; sie denken, sie müssen die Natur auf diese Weise ausbeuten. Sie hören das nicht gerne!“ Also hat auch er mich wieder darin bestätigt, dass jeder und an jedem Ort einen kleinen Beitrag leisten kann. Wie genau, erfährst du unten in der Linksammlung.

Honig für Veganer?

Worin die Begegnung mit diesem Mann mich auch wieder bestärkt hat: Gute Imker verdienen gute Unterstützung. Auch von mir als Veganerin. Wir alle sind auf die Bienen angewiesen – ohne ihre Arbeit haben wir keine Lebensmittel. Und genau deswegen unterstütze ich Bienen ebenso wie kleine, regionale Imker, die ihre Arbeit mit Liebe und Verantwortung machen. Dieser Imker sagte mir zum Abschied, dass er inständig hofft, seine Bienen irgendwie über den Winter bekommen zu können. Und die oben geschilderten Zustände haben mir gezeigt, dass Imker aktiv etwas dafür tun können, die Überlebenschance der Bienen zu erhöhen. Und das finde ich mehr als unterstützenswert. Mal schauen, wie mein Ausflug zu den Bienenstöcken nächstes Jahr wird 🙂

Honig von regionalen, kleinen Imkereien

Honig von regionalen, kleinen Imkereien

Linksammlung: Wissenswertes & Tipps:

Orangenminze und eine Weisheit im Vorbeigehen

Manchmal sind es ja die kleinen Töne, die einen aufhorchen lassen und überraschen und zum Denken bringen.

In meinem Haus wohnt eine alte Frau, die ich fast jeden Tag treffe. Sobald mein Hund sie sieht, sprintet er los, weil er fast immer ein Leckerlie bei ihr bekommt. Heute sind wir also zusammen zurück zum Haus geschlendert, als wir sie beim Spazierengehen getroffen haben. Als ich die Haustür für uns aufschließen wollte, saß da ganz in der Nähe des Türschlosses eine dicke, fette Herbstspinne – ja, diese „schönen“ großen Spätsommerboten mit wildem Muster und Kreuz auf dem Rücken. Als ich angeekelt lachen und schimpfen musste, winkte die alte Frau nur ab und sagte:

Wissen Sie, bei uns früher in der Schule, da hatten wir Spinnen, die waren fünfmal so groß wie diese da! Aber ich hab immer gesagt:

weisheit seele

Ja… Wer weiß, welch alte Seele da sitzt! Sie hat nicht Unrecht… Meine Spinnenphobie beseitig das zwar nicht, aber es ist doch ein wunderschöner Satz, der vor allem völlig unerwartet kam von dieser Frau, mit der ich sonst nur über unsere Hunde oder das Wetter spreche.

Und weil dieser Satz so unerwartet und schön war, wollte ich ihn mit euch teilen 🙂 ebenso wie eine kleine Neuentdeckung in Form einer Tasse Tee, die ich gerade zum ersten Mal trinke:

Orangenminze – die besondere Schwester der Pfefferminze

Feierabend-Teechen

Feierabend-Teechen

Die Orangenminze habe ich aus dem wunderschönen Kräutergarten Pommerland und ich wollte sie eigentlich „nur“ zum Mischen für andere Tees benutzen. Als ich aber ihren ganz besonderen Duft mitbekommen habe, war mein Interesse geweckt. Und sie hat es in sich!

Der Duft ist ganz blumig und sanft – der Geschmack hingegen kräftig und angenehm!

Sie schmeckt überhaupt nicht nach Minze, denn sie hat kein Menthol. Sie schmeck am Anfang recht aromatisch und frisch, hat aber einen herben Nachgeschmack und diese „Trockenheit“ von schwarzem Tee (den ich sehr gerne trinke). Ich bin begeistert 🙂

Und ihre Wirkung kann sich ebenfalls sehen lassen:

Sie beruhigt das Denken, stärkt das Herz, ist antibakteriell und lindert Krämpfe. Dazu ist sie keimtötend.

Also ich kann meine neue Freundin, die Orangenminze, nur empfehlen 🙂 Für Tees nicht zuviel verwenden, damit die herbe Note nicht überhand nimmt. Der tolle orangenblumige Duft wäre auch eine Idee für Kräuterbeutel oder Duftsäckchen und Schlafkissen!