Harze sammeln und verwenden

Harze von Bäumen sind eine wunderbare Sache und man kann schöne Dinge mit ihnen machen – und seiner Gesundheit etwas Gutes tun!

Kleine Geschenke von großen Bäumen: Das Harz

Ich bin zum Harzsammeln gekommen, als ich nach Jahren des Spazierengehens im gleichen Stadtwald einen Mammutbaum entdeckte, an dessen Rinde sich kleine, feine Ströme trockenen Harzes zeigten. Ich nahm einige Stückchen mit, verräucherte sie und war begeistert von dem wahnsinnig tollen Duft. Weihrauchkaufen gehört nun also für mich zur Vergangenheit, zumal man mit Harzen einheimischer Bäume auch naturheilkundlich viel tun kann. Seitdem achte ich mehr auf Bäume und ihre Rinde und sammle nun auch tolles Tannenharz selbst, das man auch nirgendwo kaufen kann. Aber Harze sammeln zu können ist auch immer ein Glücksfall, denn man muss schon genau hinschauen – umso wertvoller ist es für mich, wenn ich irgendwo ein paar golden glänzende Harztropfen finde.

harze einheimisch sammeln resin wildcrafted

Wo und wie man Harz von Bäumen sammeln kann

Harze treten durch Harzkanäle an die Oberfläche der Baumstämme und haben dort vor allem eine Schutz- und Heilungsfunktion. Wird der Baum äußerlich verletzt oder seine Rinde durch Krankheiten/Pilze o.ä. bedroht, übernimmt das Harz hier eine Reparatur-Funktion und versiegelt Wunden, Risse oder sonstige Verletzungen.

Da die Bäume allerdings das Harz an Verletzungen zum eigenen Schutz brauchen, sollte man nicht an ihrer Rinde kratzen oder das Harz mit spitzen Gegenständen abschaben oder herausbrechen. Harz an Wundversiegelungen sollte man also dort belassen, denn auch kleine offene Stellen an der Rinde von Bäumen können diesen gefährden, da hier Pilze und Bakterien eintreten und den Baum töten können. Ich nehme daher nur älteres Harz, das schon fest geworden und leicht lösbar ist, ohne dass dabei Rinde verletzt wird. Ich nehme ab und zu ein paar Harzperlchen mit und stocke so nach und nach meinen kleinen Vorrat auf 🙂

Am ehesten wird man übrigens an Stämmen von Nadelbäumen/Koniferen fündig – aber auch an Baumstümpfen von frisch gefällten Bäumen kann eine größere Menge Harz austreten. Vor allem Fichten- und Kiefernharz ist oft zu finden (und auch unter der Bezeichnung „Waldweihrauch“ ab und zu käuflich zu erwerben), aber auch Lärchen- und Tannenharz sind weitere bewährte Sorten. Oder eben, mit ganz viel Glück:

harz mammutbaum

Mammutbaumharz

Tipps zum Sammeln und Lagern:

  • Gesammeltes Harz in Papiertütchen oder Blättern eingewickelt transportieren
  • Sich auf verklebte Hände einstellen (mit Öl zu reinigen)
  • den Baum nicht verletzen
  • Die gesammelten Harze offen lagern, da sich Schimmel bilden kann, wenn man sie zu früh luftdicht verschließt (wenn noch Feuchtigkeit im Material ist)

Eigenschaften von Harz

Harz ist nicht wasserlöslich – daher kann man es auch nicht ab“waschen“ und in Wasser verdünnen. Allerdings ist Harz fettlöslich und verflüssigt sich bei Wärme. Man kann seine Festigkeit in heißem Öl ändern und ebenso seine Wirkstoffe somit lösen. Hat man frisches Harz gesammelt und klebrige Finger, lassen sich diese reinigen, indem man sie mit Öl einreibt und dann wäscht. Daher bitte auch bei Kleidung und Stoffen vorsichtig sein, denn klebriges Harz ist wirklich zäh. Fest wird Harz, wenn sich nach und nach seine flüchtigen Bestandteile/Säuren lösen – älteres Baumharz ist also schon komplett verfestigt und klebt nicht mehr. Außerdem ist Harz brennbar, weswegen z.B. früher auch fossiles Harz (Bernstein) angezündet und als Kerzenersatz verwendet wurde.

harz wildsammlung

Verwendung von Harzen als Räucherwerk

Der erste und einfachste Weg, Harze anzuwenden, ist das Verräuchern. Wem das Verräuchern auf Holzkohle zu „rauchig“ ist, kann Harze auch auf einem Sieb über einer Kerze verräuchern oder mit Alufolie und einem Stövchen improvisieren. Frisch gesammeltes Harz duftet schon so am Stück phantastisch, und beim Verräuchern lösen sich noch mehr aromatische Inhaltsstoffe und erfüllen den Raum nicht nur mit Duft, sondern auch mit reinigenden Energien. Da Harze antibakteriell und desinfizierend wirken, wurden früher Krankenzimmer mit Harzräucherungen gereinigt!

mb2

Man kann Harze sehr gut pur verräuchern, sie aber auch mit anderen Pflanzenteilen mischen. Fein gemörsert und mit weiteren entsprechenden Träger- und Bindestoffen wie z.B. Bluttragant kann man auch Räucherkegel herstellen. Das ist eines meiner nächsten Projekte!

Verwendung von Harzen als Salbe

Meine erste Erfahrung mit dem Einsatz von Harzen bei körperlichen Beschwerden hatte ich während meines Abiturs. Ich war total verspannt vom vielen Lernen und dann kreuzte ein Boswelia-Balsam (Weihrauch-Salbe) meinen Weg und rettete meinen Rücken 🙂 Es war so wohltuend, diese Salbe auf meiner Nackenmuskulatur zu verteilen, denn sie wurde davon richtig durchgewärmt und die Muskeln gelockert. Und der Geruch tat ebenso gut!

Harz wildsammlung

Auch die Harze unserer einheimischen Bäume lassen sich hervorragend zu wirksamen Salben verarbeiten und ihr Einsatzgebiet ist vielfältig:

  • Früher wurde „Pechsalbe“ z.B. gegen Wunden und Verletzungen der Haut verwendet (denn auch der Baum heilt ja seine schützende Außenhaut damit!) oder um Splitter aus der Haut zu treiben.
  • Auch als durchwärmender Erkältungsbalsam sind einige Harze mit ihren ätherischen Ölen sehr gut geeignet, da sie die Bronchien stärken und von Husten befreien können.
  • Die wärmende, „ziehenden“ Eigenschaft der Harze kann man sich auch bei rheumatischen/arthritischen Beschwerden zunutze machen, um z.B. Gelenkschmerzen zu verringern.

Solche Balsame mit Harz lassen sich sehr leicht herstellen – und sie sind durch die besonderen Inhaltsstoffe des Harzes auch recht lange haltbar, da Harze konservierende Eigenschaften haben.

Und so geht´s:

Das Harz lässt sich in heißem Öl im Wasserbad lösen und verflüssigen, sodass es auch von etwaigen Verunreinigungen wie Rindenstücken oder Nadeln gereinigt/gefiltert werden kann

  • Das warme Öl mit dem flüssigen Harz verrührt man nach Rezept mit einem Anteil konsistenzgebender Wachse (Bienenwachs oder pflanzliche Wachse wie Carnaubawachs)
  • Man kann noch ein ökologisches Konservierungsmittel hinzugeben (BioKons z.B.), aber das muss nicht unbedingt sein, wenn man kleine Mengen herstellt.
  • Den Balsam dann luft- und lichtdicht in entsprechenden Behältern verschließen und nicht zu warm lagern
  • Bitte darauf achten, dass die verwendeten Gegenstände in Mitleidenschaft gezogen werden, da mit zurückbleibenden Harzschichten zu rechnen ist

Hier findet ihr meine genauere Beschreibung für eine pflanzliche, selbstgemachte Harzsalbe

vegan salbe selbstgemacht harzbalsam

Essbares Harz

Ja, Harz ist essbar 🙂 und es wurde und wird als „Kaugummi“ und auch zur Zahnpflege eingesetzt – es desinfiziert die Mundflora und hält Zähne weiß und Zahnfleisch kräftig und gesund. Die einheimischen Harze, die ich probiert habe, waren bisher sehr geschmacksneutral, was ich ganz schön fand, denn meine erste Begegnung mit essbarem Weihrauch war nicht sehr delikat 😉 – Er war so bitter und scharf und kratzig-staubig im Mund, dass ich dieses Hobby damals nicht weiter vertieft habe 🙂

harz wildsammlung einheimisch

…es kommt doch eine Menge Interessantes rund um unsere Harze zusammen, oder? Also ich bin begeistert und werde demnächst dann mal einen Harzbalsam anrühren und dann berichten!

 

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22 Kommentare zu “Harze sammeln und verwenden

  1. …und damit weiß ich, wonach ich das nächste Mal im Wald Ausschau halte 😉

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  2. Wiedermal soooo ein schöner Beitrag. Wir sammeln auch bei jedem Spaziergang. Wenn man das Harz zum Räuchern verwenden möchte, dann sollte es entweder wirklich schon älter sein oder man lagert das frische Harz ein Jahr. Dann hat man viel mehr vom Duft. Als Abkürzung kann man es auch kleine Kügelchen für einige Zeit einfrieren. Danach ist es auch aufgetaut sehr viel fester und verbrennt dann auf der Kohle / dem Sieb sehr viel langsamer und aromatischer.
    Liebe Grüße
    Meike

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    • Oh wie lieb, dankeschön 🙂 – auch für die Zusatztipps! Ich bin auch schon sehr gespannt, wie der Duft nach einer Weile sein wird – jetzt ist es meistens noch sehr lieblich und sanft, aber trotzdem schon sehr kraftvoll. Das mit dem Einfrieren ist auch super! Ich habe hier auch noch einiges frisches Harz entdeckt, dass ich dann bei ordentlich Frost sammeln wollte, in der Hoffnung, dass ich es dann gut transportieren kann 🙂

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  3. Winnie sagt:

    Wahnsinn, … dieses Harz … dass man das so benutzen kann, wahnsinn. Sehr spannend!

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  4. Antara sagt:

    Ich verräuchere gerade mein erstes selbst gesammeltes Harz, vielen Dank für die Anregung.
    Auf den Harzbalsam bin ich auch schon gespannt, gerne mit Rezept zum nachkochen;-)

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    • Huhu 🙂 Na das ist ja schön, das freut mich!! Mustest Du lange suchen, bis Du fündig geworden bist?
      Den Harzbalsam habe ich gerade fertig, hat super funktioniert 🙂 ! Das Rezept ist in Arbeit, und man braucht auch wirklich nicht viel.
      Bis dann und liebe Grüße und ein schönes Vollmond-Räuchern 🙂

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  5. Antara sagt:

    nein die Harzbäume standen direkt am Wegesrand, ich habe fast eine halbe Taschentücherpackung voll sammle können,.

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  6. […] Fichtenbalsam, Tannencreme: Ich hatte ja letztens bereits über das Sammeln und Verwenden von Baumharzen gesprochen und dort auch den leicht herzustellenden Harzbalsam erwähnt. Und genau diesen habe ich […]

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  7. leberwurst sagt:

    Harz lässt sich auch ganz leicht mit Soda (Natriumcarbonat) entfernen, du wirst staunen. 🙂
    Gibts in jeder Drogerie oder manchmal auch im Supermarkt bei den Waschmitteln, das halbe Kilo kostet ca. 1 Euro.

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  8. Beppo sagt:

    Mit großem Interesse habe ich den Artikel gelesen und finde ihn ganz toll. Ich habe auch im August für meine Naturkosmetik nach Harz Ausschau gehalten und bin auch fündig geworden. Wir haben Bäume mit riesigen Wunden entdeckt und viel gesammelt, teilweise sehr hartes Harz. Nach der Verarbeitung im Wasserbad und anschließend für die Reinigung durch ein feines Sieb ist es jedoch bräunlich und sehr hart geworden. Ich bin mir nun unsicher, ob das so sein soll/kann …?
    Und den Tipp mit dem Soda zum Reinigen find ich ganz toll und werde ich auch ausprobieren. Das Zeug klebt ohne Ende 😉

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  9. […] Waldweihrauch für die Kraft der Natur […]

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  10. […] schöne Rauhnachts-Räucher-Mischung und mit heimischen Harzen räuchern von der Frau […]

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  11. Bibi sagt:

    Harze sind aufgrund ihrer Inhaltsstoffe auch bestens geeignet – in Kombination mit anderen Heilkräutern – zur Behandlung von Psoriasis. Damit habe ich Erfolg in kürzester Zeit. LG

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  12. Meike sagt:

    Herzlichen Dank für die vielen Infos! 🙂 Toller Artikel. Ich bestellte vor Jahren auch mal das „Waldweihrauch“, bis ich später dann darauf kam, es selbst zu sammeln. Ich liebe es, damit zu räuchern… Viele Grüße von Meike 🙂

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  13. […] Inhaltsstoffen,  genommen – man kann aber auch andere Weihrauchsorten oder einheimisches Harz nehmen oder es ganz […]

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