Warum Totholz so wichtig für Tiere und Pflanzen ist: Ein Plädoyer für Naturbelassenheit

Wir Menschen sind schon komisch – wir säbeln den Rasen ab, frisieren Sträucher, fällen Bäume, die irgendwo irgendwem im Weg sind, sortieren sogar die Natur ordentlich und „hübsch“ und am Ende streuen wir Kunstdünger drüber, damit unsere Pflanzen wachsen. Damit verschließen wir uns nicht nur der Schönheit und faszinierenden Logik der Natur, wir zerstören sie auch, indem wir unzähligen Lebewesen, Organismen und Prozessen ihre Grundlage nehmen.

Schönheit ist nicht vergänglich - in der Natur

Natürliche Schönheit ist nicht vergänglich – sie wandelt sich nur

Warum wir also dringend mehr Naturbelassenheit brauchen:

In der Natur ist für alles gesorgt. Nicht immer für alle, aber es gibt nichts, was „übrig“ bleibt oder unnütz und wertlos ist. So gut wie alles in der Natur hat einen Sinn und eine Bedeutung im großen Ganzen.

Das Herbstlaub schützt Pflanzen und nährt den Boden, Bienen und Fledermäuse bestäuben auf Nahrungssuche Pflanzen, Bäume verbessern die Bodenqualität, Würmer und Kleinstlebewesen kompostieren „Abfälle“, die es in der Natur aber nicht gibt:

In der Natur gibt es keine Abfälle

In der Natur gibt es keine Abfälle

„Totholz“ zum Beispiel ist alles andere als „tot“ – im Gegenteil: Die Reste von alten Bäumen und Ästen bieten einer Vielzahl fürs Ökosystem wichtiger Tiere, Pflanzen und Organismen einen Lebensraum – von Specht und Fledermaus bis hin zu Holzwürmern, Moosen und Flechten.

Das ist das Wunderbare an der Natur: Aus allem (und irgendwann auch aus jedem 😉 ) wird etwas „gemacht“, entsteht etwas Neues, indem es einer anderen Spezies zum Leben dient. Deswegen – und weil gerade Tag des Waldes war, möchte ich euch kurz mitnehmen zu einer kleinen Reise in die Welt des Totholzes!

Totholz Wald magie

Die Bedeutung von Totholz für ein gesundes Wald- und Gartenökosystem

Hier ein paar Fakten, die ich wirklich bemerkenswert finde:

  • Es gibt stehendes Totholz (abgestorbene Bäume), liegendes Totholz (Äste und umgefallene Bäume) und Wurzeltotholz (die Reste von Bäumen)
  • Es gibt drei Zersetzungsstufen (stehend/frisch – leicht zersetzt – liegend/Reste), die jeweils das Vorkommen verschiedener Lebewesen anzieht/bedingt
  • ein Fünftel der gesamten Waldfauna kann ohne Totholz nicht überleben
  • die Hälfte aller einheimischen Fledermausarten sucht regelmäßig Baumhöhlen auf!
  • mehr als der Hälfte aller Käferarten sind bedroht – weit über 1000 haben jedoch in Totholz ihren Lebensraum
  • für bestimmte Insektenarten ist eine Distanz ab 50m zum nächsten Totholz eine unüberwindbare Entfernung und daher ein Todesurteil
  • Käfer sind die Pioniere des Holzabbaus, da sie mit dem Zerfressen/Zersetzen beginnen
  • diverse höhlenbrütende Vögel sind auf tote Bäume angewiesen, denn dies ist ihr einziger Lebensraum
...und wunderschön anzusehen ist es auch!

…und wunderschön anzusehen ist es auch!

Folgende Tierarten, Pflanzen und Organismen beherbergt, nährt und schützt Totholz:

♥ Vögel:

Vor allem Spechte sind weithin bekannt. Sie hämmern Löcher in Bäume und ziehen in diesen Bruthöhlen ihren Nachwuchs groß, sammeln Nahrung unter der Rinde alter Bäume und sind vor allem auf stehendes Holz angewiesen. Auch einige Meisensorten bauen ihre Höhlen in weichem Totholz. Ca. ein Drittel aller Spechthöhlen befindet sich in Totholzstämmen.

♥ Säugetiere:

Wie oben schon erwähnt, sind Baumhöhlen für unsere einheimischen Fledermausarten eine der wichtigsten Unterkünfte, nicht nur für den Winterschlaf. Und der Bestand an Fledermäusen ist nicht nur durch den Mangel an geeigneten Quartieren, sondern auch aufgrund der Lebensgefahr durch Windräder sehr bedroht – und sie sind nicht nur wegen der Vertilgung von Insekten, sondern auch aufgrund ihrer Funktion als Pflanzenbestäuber unverzichtbar für unser Ökosystem!

hier hat sich wohl ein Dachs am Buffett bedient :)

hier hat sich wohl ein Dachs am Buffett bedient 🙂

Am Boden liegendes Totholz bietet auch Kleinsäugern wie Mäusen, Mardern und ählichen Tieren Lebensraum und Nahrung. Und auch dies ist wiederum wichtig für den natürlichen Kreislauf, da Mäuse z.B. durch ihre Ausscheidungen erst das Verbreiten von Pilzsporen ermöglichen.

Amphibien und Schnecken:

Nicht nur Schnecken, auch Salamander, Kröten, Frösche, Lurche und Molche finden in Totholz am Boden Winterquartiere und feuchte Tagesverstecke – und gleichzeitig suchen sie hier nach Nahrung.

🙂 Und einige wollen sogar hoch hinaus:

Das Quartier einer kleinen Schnecke in einem Astloch

Das Quartier einer kleinen Schnecke in einem Astloch

♥ Insekten & Co:

Totholz ist unverzichtbar für unzählige Käfer und Bodentiere wie Würmer, Spinnen, Milben und Asseln – und gleichzeitig sind diese für die Zersetzung des Holzes verantwortlich und liefern ebenso den größeren Mitbewohnern jede Menge Nahrung. Und auch Wildbienen finden hier Unterschlupf. Außerdem ist Totholz der große Kindergarten der Käfer: Es ist der Wirt ihrer Larven und bietet Lebensraum und Nahrung.

♥ Pilze, Flechten, Algen, Moose:

Unmengen an Pilzen, Flechten, Schwämmen, Algen und Moosen begegnen uns im und auf dem Totholz. Sie lassen nicht nur den Wald noch schöner aussehen, sie sorgen ebenfalls für die Zersetzung des Holzes und bieten anderen Organismen Nahrung.

Mein kleiner Zwerg

Mein kleiner Zwerg

Totholz ist Leben pur… nicht nur im Wald!

Die Zersetzung von Holz ist ein mehr als komplexer Prozess und der Lebensraum Totholz ein so vielschichtiger, dass seine Bedeutung für den Wald und seine Bewohner – und im Endeffekt auch das Ökosystem und die Natur jenseits der Grenzen des Waldes – nicht hoch genug eingestuft werden kann. Totholz ist eines der grundlegenden Elemente eines ausgewogenen Biotops und Lebensgrundlage tausender Arten und Lebensformen. Der größte Profit für das Ökosystem ist Artenvielfalt – Totholz ist ökologisch äußerst wertvoll und unabdinglich für die Vielschichtigkeit der natürlichen Kreisläufe.

Totholz ist Leben! Ein sauberer und ordentlicher Wald büßt an Leben ein, wenn ihm das Totholz fehlt.

Wer einen Garten hat, kann diese Form des Lebens unterstützen und Bienen, Igeln, Moosen, Insekten usw. Leben und Nahrung bieten! Ein Naturgarten bspw. mit Totholzzäumen, Baumstapeln, altem Wurzelwerk und Reisighaufen liefert einen großen Beitrag für die Natur – und damit auch für uns ♥

Links mit weiterführenden Informationen:

Ich bin keine Biologin und dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – aber ich hoffe, etwas Begeisterung und Interesse für diese wunderbare Facette des Lebens um uns herum geweckt zu haben, denn wir alle sind von ihm abhängig und können eine Menge zurück geben.

totholz

Bildnachweis: Alle Fotos sind von mir
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7 Kommentare zu “Warum Totholz so wichtig für Tiere und Pflanzen ist: Ein Plädoyer für Naturbelassenheit

  1. Dewa Waworka sagt:

    …ich freue mich immer sehr darüber, wenn Menschen so intensiv mit unserer Lebens-Basis der Natur in positiver Beziehung stehen… PS.: Ist Birkenbaum Ihr wirklicher Nachname?

    Herzliche Grüße,
    Dewa Waworka (Mann)

    Gefällt 1 Person

    • Huhu und danke 🙂 Ja ich finde das sehr wichtig und es tut auf allen Ebenen gut – einem selbst und dem, was man tut 🙂
      Birkenbaum ist leider nicht mein Name, ich wünscht aber, es wäre so 🙂
      Liebe Grüße zurück!

      Gefällt mir

  2. berlienchen sagt:

    Toller Beitrag! Deine Bilder sind super! Der kleine Pilz ist mein Liebling! Es ist wirklich eigenartig, dass wir derzeit ähnliche Dinge bewundern. Mich zieht es auch immer wieder an Stellen mit kleinen Biotopen, um zu sehen, wie sie sich verändert haben. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Leben auch in scheinbar Totem zu finden ist. Mich faszinieren gerade Flechten und Moose sehr. So oft geht man mit großen schnellen Schritten durch das Leben. Mir ist es in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, auch nach Kleinigkeiten ausschau zu halten, einfach weil in Ihnen so viel Schönheit stecken kann.
    Manchmal muss man sich auch umsehen, um zu sehen 🙂

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  3. … und ist mein (Schreber)Garten noch so klein,
    ein Totholzhaufen, der muss sein.

    So ist es auch, in meinem Garten gibt es einen Totholzhaufen.
    Holz, welches zu groß für den Kompost ist, kommt auf den Totholzhaufen. Ihn gibt es schon viele Jahre.
    Es ist erstaunlich, wie er sich im Laufe der Zeit verändert hat,
    Manche Holzstücke sind fast zersetzt, andere haben sich im Laufe der Zeit kaum verändert. Pflanzen haben den Totholzhaufen erobert und dürfen dort wachsen.
    Was sich selbst angesiedelt hat, darf auch bleiben.
    Die Natur will es so.

    Vielen Dank für deinen wieder sehr informativen Beitrag.

    Liebe Grüße und ein schönes Osterfest!

    Birgit

    Gefällt 1 Person

  4. […] der Waldkauz gewählt wurde. Er ist auf alte Bäume mit Höhlen angewiesen, aber  das so wichtige Alt- und Totholz wird immer seltener, da einseitige Forst- und Landwirtschaft leider unsere Landschaften […]

    Gefällt mir

  5. dagehtwas sagt:

    🙂 danke für den Beitrag! Super wichtiges Thema! Und danke für die Literaturtipps. Das Buch „Lebensraum Totholz“ werd ich mir besorgen. Kennst du das Buch „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben? Das wüde dir gefallen!

    Gefällt 1 Person

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