Osterwasser, Osterbrot und das Fest des Frühlings: Alte Bräuche und Magie zu Ostern

Ostern ist ein Fest des Frühlings und des Lebens – und voller Zauber und Magie. Es gibt jede Menge alte Bräuche, Orakel und Überlieferungen zu diesem Fest. Seine Grundlage findet man im Jahreskreis: Die Frühlingstagungnachtgleiche (um den 20./21.3. herum) markiert den Wendepunkt, ab dem die Tage wieder länger als die Nächte sind und damit der Frühling Einzug hält und die Zeit des Lichts ihrem Höhepunkt (Mittsommer) entgegenläuft. Es ist ein Fest des Wachsens, der Reinigung, der Fruchtbarkeit und der Lebenskraft. Dies spiegelt sich in vielen alten Aufzeichnungen, aus denen ich mal einiges zusammengetragen habe:

Die Natur erwacht mit voller Kraft aus dem Winterschlaf

Die Natur erwacht mit voller Kraft aus dem Winterschlaf

Heilendes Osterwasser

Wasser, das an Ostern geschöpft/geholt wurde, wurde seit Jahrhunderten (wenn nicht noch länger) große heilende Kraft nachgesagt. Man soll es vorzugsweise am Ostermorgen (Ostersonntag) noch vor Sonnenaufgang holen (aus einem Bach, einer Quelle, einem Fluss) oder sich an einem Brunnen damit waschen. Dadurch sollte man Gesundheit, Jugendlichkeit und Schönheit erlangen. Wichtig ist bei diesem Brauch (wie bei vielen solcher heiligen Sammelrituale), auf dem weg dahin mit niemandem zu sprechen, früh loszugehen und auch auf Ansprache nichts zu entgegnen („Plapperwasser“ verliert jegliche Kraft, so hieß es – nur „Stilles Wasser ist heilkräftig). Sogar die Tiere wurden vielerorts vor Sonnenaufgang durch Wasser getrieben, um es für das ganze Jahr vor Krankheiten zu schützen.

heiliges wasser osterwasser

Es war außerdem weit verbreitet, dieses Wasser in Krügen zu schöpfen und mit nach Hause zu nehmen, wo es als „Allerheilmittel“ aufbewahrt und in Notfällen verwendet wurde. Da es hieß, „wer zuerst kommt, hat das beste“, ging man früh los – gern auch schon kurz nach Mitternacht. Wichtig jedoch für jede Form des Wasserholens: Man muss vor Sonnenaufgang wieder zuhause sein. In vielen Gegenden haben sich ganze Wanderungen zu heiligen Quellen etabliert, bei denen diese dann mit Blumen geschmückt wurden. Und auch dem Tau der Osternacht wurde magische Wirkung zugesprochen: Mädchen breiteten über Nacht weiße Laken auf den Wiesen aus und wuschen sich am Morgen dann mit dem Wiesentau

Benutzt wurde das Osterwasser u.a. folgendermaßen: Gegen Sommersprossen, Kopfschmerzen, Augenkrankheiten, Hautprobleme und Fieber. Außerdem solle es jung und frisch machen und selbst im Hause versprengt die Räume vor Ungeziefer schützen. Bienenkörbe wurden zum Schutz damit besprengt und die Tiere damit getränkt, ebenso wurde es Kindern ins erste Bad gegossen.

Die Ostersonne

Ostern ist ein Sonnenfest. Zum wunderbaren Erscheinen der Ostersonne heißt in alten Schriften sinngemäß:

„Am Ostersonntag früh wird es von allen Seiten hell. Die Sonne hüpft und tanzt bei ihrem Aufgange. Vorher ist es, als ob ein schwarzer Flor auf ihr läge, und sie steht viel roter und blutiger als sonst. Sie macht drei Freudensprünge. Namentlich wenn man auf einen Berg geht, kann man das sehen. Oder man muss durch ein durchstochenes Papier oder ein seidenes Tuch sehen oder durch einen Zaun“. (Handwörterbuch des dt. Aberglaubens)

Auch heißt es, Engel würden an diesem Tage am Himmel tanzen und sich anhand leuchtender Farben zeigen.

Die Sonne hat nun die Oberhand

Die Sonne hat nun die Oberhand

Osterbrot und Ostergebäck

Rituelles Gebäck als Segens- und Glückssymbol sowie als Vorbote der erhofften kommenden Fülle des Sommers sind ein elementarer Bestandteil des Osterfestes und auch heute noch liegen in Bäckereien Osterlämmer-Kuchen. Sehr verbreitet waren gebackene Brezeln und Kränze, gern auch mit Sonnen-, Kreuz und Tiersymbolen verziert. Solche Gebildebrote wurden geweiht und als Talisman aufbewahrt.

Sehr entscheidend für dieses besondere Backen ist der Gründonnerstag: Gründonnerstagsbrote sollen einen besondere Kraft haben und wurden teilweise auch über Nacht ins Freie gelegt (hier kommt sehr klar der naturreligiöse Ursprung durch). In sehr vielen Gegenden wurden am Gründonnerstag kleine Brote oder Brötchen gebacken und gesegnet oder als Spende verteilt. Ebenso bekannt und beliebt war der Gründonnerstagskuchen – ein mit Honig bestrichener Brotkuchen. Mit diesem wurden auch die Tiere gefüttert, um sie vor Vergiftung zu schützen. Und auch mit siebener- oder neunerlei Kräutern zubereitete Pfannkuchen sind eine alte Tradition.

Osterbrot

Das Osterbrot wurde an Gründonnerstag geweiht – und teilweise stieg man zusammen auf einen Berg, um sie bei Sonnenaufgang zu verspeisen. Hier kommt sehr deutlich das Motiv des Aufnehmens der Sonnenkraft und der Nahrung durch die Gaben der Natur durch. Und nicht nur zum Anziehen von Ernteerfolg und Segen wurde Osterbrot verwendet, es diente auch als Amulett gegen böse Kräfte und wurde für Abwehrzauber aufbewahrt und eingesetzt (bspw. unter der Türschwelle vergraben). Außerdem ist überliefert, dass auch Brot-Opferungen verbreitet waren: So wurde beispielsweise der Knecht geschickt, um vor Sonnenaufgang einen mit Honig bestrichenen Brotbissen in den Brunnen und die frische Saat zu werfen, um beides zu schützen.

Osterfeuer und Osterei

Wohl nichts ist auch heute noch in Bezug auf Ostern so sehr bekannt wie Ostereier und Osterfeuer. Ganz klar: Das Osterei ist ein Fruchtbarkeitssymbol und steht für das Werden, Entstehen und Gebären neuen Lebens, das mit diesem Fest gefeiert wird. Das Ei als Sinnbild von Fruchtbarkeit und Lebenskraft prägte dieses Fest seit jeher. Und durch das gegenseitige Beschenken mit Ostereiern verbreitet man deren Segen und Kraft.

Die Osterfeuer reichen ebenfalls weit bis in die heidnische Zeit zurück. Sie wurden auf Feldern und auf Bergen und Anhöhen am Ostersonnabend entzündet. Diese Feuer hatten einen reinigenden und abwehrenden Zweck: Es wurden Strohpuppen in ihm verbrannt oder Tierknochen oder Kornsymbole hineingeworfen. Der Sprung übers Feuer sollte vor Krankheit schützen und die Felder wurden mit brennenden Strohbündeln belaufen, um Fruchtbarkeit auf sie zu übertragen. Außerdem sollte das Abhalten dieser Feuer vor Feuer schützen. Das Herdfeuer im Haus wurde vorher erloschen – es wurde mit der Flamme des Osterfeuers neu entfacht. Außedem wurden verkohlte Holzstücke dieses Feuers als Glücksbringer mitgenommen (und im nächsten Jahr dann dem neuen Osterfeuer übergeben).

An dieser Stelle aber noch ein ganz profaner Hinweis: Bitte bei Osterfeuern stets auf die Natur achten ♥

osterfeuer

Weitere Osterbräuche

  • Da das Osterfest die dunkle Winterzeit endgültig beendete, kleidete man sich zu diesem Fest besonders schön, putzte die Kinder heraus und an Ostern geborene Kinder waren Glückskinder.
  • Das Barfußlaufen war von nun „erlaubt“, da die Erde nun wieder geweiht sei.
  • Der letzte Rest des Winters wurde z.B. durch das Zerschlagen von Töpfen vertrieben.
  • Haus und Hof wurden mit grünen Frühlingszweigen geschmückt oder Osterbäume wurden aufgestellt.
  • Auch grüne Knospen, erste Getreidesprossen oder frisches, junges Gras wurden gesammelt und als Gesundheitszauber verwendet.
  • In Westfalen zog man zu alten Bäumen und tanzte um sie herum.
  • Schalen geweihter Eier wurden unter Obstbäumen vergraben oder diese mit Weihwasser besprengt.
  • Ebenfalls ein Fruchtbarkeitszauber ist das „Peitschen“ mit Birkenzweigen, an denen schon kleine Knospen sind.
  • Auch dem Wald wurde Gutes getan: „In Niederbayern trägt man einen Teil der geweihten Speisen in den Wald für den Fuchs“.
  • Außerdem ist die Osterzeit Geisterzeit: Wiedergänger gingen um, Schatz- und Schlüsseljungfrauen zeigten sich, versunkene Glocken läuteten und man ersuchte sich Schutz durch das Abfeuern von Schüssen im Dunkeln.
  • Das Wetter wurde gespannt beobachtet: Regnet es am Ostersonntag, so solle es sechs Sonntage hintereinander weiterregnen.

Ostern

Wie man sieht, ist das Osterfest außerordentlich stark mit Fruchtbarkeit, Licht und Segen verbunden und über die Jahrtausende haben sich hier ganz deutlich die heidnischen/naturreligiösen Elemente erhalten. Die Auferstehung der christlichen Jesusfigur kann analog der ab jetzt dominierenden Sonne gesehen werden, da diese nun über die Dunkelheit gesiegt und die Führung übernommen hat. Bis zur Herbsttagundnachtgleiche sind nun die Tage länger als die Nacht und Sonne, Wachstum und Fülle bestimmen das Leben.

Man kann diesen Beginn des Frühlings zum eigenen Erwecken nutzen und mit gesammelter Kraft neue Vorhaben umsetzen, aktiv werden und Sonne in sein Leben lassen. Die Lebensgeister der Natur um uns herum erwachen unaufhörlich, die Vögel bauen Nester, die ersten Blumen blühen und Wald und Wiesen erwachen.

Eine schöne Tradition ist die Suppe aus neunerlei Grün: Dahinter steckt der Brauch, die ersten 9 frischen Kräuter zu pflücken, die einem begegnen und daraus eine gesunde Suppe oder ein gutes Essen zu machen.

In diesem Sinne: Guten Appetit und jede Menge Sonne im Herzen!
primeln

Die Bildrechte liegen alle bei mir.

 

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5 Kommentare zu “Osterwasser, Osterbrot und das Fest des Frühlings: Alte Bräuche und Magie zu Ostern

  1. berlienchen sagt:

    Wieder einmal ein wundervoller Beitrag! Ein paar Erinnerungen kamen beim Lesen auf. Auch ich war als Jugendliche unterwegs, um Osterwasser zu suchen. Ich war mit einer Freundin sehr früh verabredet, der es dann aber wohl doch zu früh war, so dass ich allein gegangen bin. Ich kann mich allerdings nicht mehr erinnern, ob ich in dem Jahr dann weniger krank war… Aber es hat Spaß gemacht.
    Die Suppe oder das Essen mit den neun frischen Kräutern klingt interessant. Stell ich doch gerade fest, dass ich die Natur dahingehend dieses Jahr noch gar nicht beobachtet habe! Das gilt es nachzuholen 🙂

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  2. […] Heute nun ist Gründonnerstag. Darauf folgt morgen der Karfreitag und dann sind wir auch schon fast mittendrin in den Osterfeiertagen. Frau Birkenbaum hat einen zauberhaften Beitrag zu den Ostertagen auf ihrem Blog veröffentlicht. Es geht um Rituale und Bräuche rund um das bevorstehende Fest. Ich fand die Informationen wieder mega spannend und wenn du wissen willst, was Frau Birkenbaum genau über heilendes Osterwasser, Osterbrot und Ostereier geschrieben hat, dann lies hier. […]

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  3. […] der März nun mit der Frühlingstagundnachtgleiche den Beginn des Frühling brachte, nimmt dieser im April nun Fahrt auf. Der Name April […]

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  4. […] auch an Ostern, so soll am 1. Mai geschöpftes Wasser eine besondere Segenskraft haben und stark heilkräftig […]

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  5. […] Heute möchte ich euch von meinem wunderschönen Ostern mit vielen alten Bräuchen in der Natur berichten: Ich habe Osterwasser vor Sonnenaufgang geholt, Eier nach altem Brauch verziert, Essen für die Tiere in den Wald gebracht, meine Heilsteine gereinigt und die Natur beobachtet. Ostern ist ein Fest der Natur, des erwachenden Lichts, der Heilung und der Fülle – hier erfahrt ihr mehr über alte Bräuche und ihre Hintergründe. […]

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