Essbare Wildpflanzen im Frühjahr

Der Frühling bringt jede Menge leckerer und gesundes Kräuter, Blüten und junger Blätter mit sich, die man wunderbar essen oder in Getränken verwenden kann. Einen Teil davon möchte ich euch heute mal zeigen – vielleicht macht es ja Appetit 🙂

Leckere Wildkräuter im Frühling

Ich habe dieses Jahr zwei wundervolle neue Entdeckungen gemacht und damit zwei neue Lieblingsblüten gefunden: Wiesenschaumkraut und Feldahorn (dazu gleich mehr). Und das ist das Tolle: Wir sind umgeben von essbaren Pflanzen, kennen aber meist nur einige davon. Das ist aber gleichzeitig die gute Nachricht, denn so können wir immer wieder dazu lernen und Neues entdecken. Und gar nicht unbedingt das Essen dieser Kräuter allein ist das Schöne – es ist das Gesamtpaket: Erst ein schöner Spaziergang, bei dem man die Augen offen hält, dann die Freude, etwas zu finden und schließlich der Genuss, sein Essen oder Trinken wunderschön damit zu gestalten – herrlich! Und nicht zuletzt sind diese Pflanzen auch noch kleine Kraftpakete für unsere Gesundheit.

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Wichtige Infos zum Sammeln und Verwenden: Natur und Gesundheit gehen vor!

  • Bitte nur Kräuter sammeln und verzehren, die man eindeutig bestimmen kann und auch wirklich verwenden möchte
  • Nur Pflanzen sammeln, die nicht unter Naturschutz stehen
  • Auf mögliche Schadstoffe der Umgebung achten und Folgendes ausschließen: Gespritzte Felder in der Nähe? Abwasserkanäle? Chemisch gedüngte Gartenböden? Sonstige Verunreinigungen?
  • Nur wenig sammeln und der Natur den Vorrang lassen. Gerade im Frühjahr sind Hummelköniginnen und Bienen sowie weitere Insekten und Fledermäuse auf Frühblüher angewiesen, da sie sonst verhungern, daher bitte nur in Maßen sammeln (Ich halte mich da ungefähr an die 1/20-Regel: Nie mehr als ein Zwanzigstel entnehmen)
  • In Maßen verzehren. Oft sind Stoffe in den Pflanzen enthalten, die den Organismus belasten oder die Gesundheit gefährden können (z.B. Oxalsäure beim Waldsauerklee, Histamingehalt der Brennnessel, Pyrrolizidinalkaloide beim Huflattich), wenn man sie in zu großer Menge oder zu häufig verzehrt
  • Blütezeiten variieren je nach Region und Wetterlage

So, und nun ein paar der Kräuter, die in den letzten Tagen und Wochen meinen Speiseplan bereichert haben 🙂

Wiesenschaumkraut (Achtung: steht in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg Vorpommern auf der Roten Liste!)

Dieses kleine aber feine Blümchen mit den blasslila Blüten steht gern auf Wiesen und an Gewässern und bildet an vielen Orten ganze Teppiche. Die Blüten schmecken super lecker – man muss sie aber mit dem Kelch essen, denn dort steckt der Geschmack, der eine Mischung aus Senf, Kapuzinerkresse und Zucker ist 🙂 Ich pflücke mir momentan jeden Morgen beim ersten Spaziergang ein paar Blütchen:

Wiesenschaumkraut im Morgentau

Wiesenschaumkraut im Morgentau

Feldahornblüten

Momentan liegen ganze Teppiche der Blüten unter den Feldahorn-Bäumen und das Aufheben lohnt sich: Sie schmecken phänomenal lecker – so ungefähr wie junger Mais direkt aus dem Kolben gepult 🙂 Ganz herrlich süß und aromatisch, kein bisschen scharf.

Feldahornblütenstand

Feldahornblütenstand

Giersch

Der Giersch ist ein Klassiker, denn er wächst scheinbar überall – was so manchen Gärtner oder Hausbesitzer ärgert, allerdings kann man ihn ganz dankbar als kostenloses Nahrungsmittel bezeichnen, denn er schmeckt total lecker und eignet sich gut für Salate und Brote! Der Geschmack erinnert an Petersilie mit leichter Schärfe, und viele verwenden ihnen sogar ähnlich wie Spinat und dünsten ihn. Gutes Erkennungsmerkmal ist der 3-eckige Stiel.

Giersch

Giersch

Gundermann

Der Gundermann ist ein lieber alter Freund von mir und ich liebe dieses kleine, ausdauernde und wunderschöne Gewächs sehr! Und auch sein Geschmack hat es in sich: Er schmeckt sehr intensiv würzig und man riecht es schon, wenn man ein Blättchen leicht zerreibt. Gundermann ist dazu auch eine uralte Heilpflanze und vor allem ein guter Schleimlöser (Gund = Schleim in der altertümlichen Bezeichnung).

Gundermann mit Blüte

Gundermann mit Blüte

Waldsauerklee

Eine weitere Pflanze, deren Geschmack ich abgöttisch liebe: Der zarte zitronige, leicht saure Waldsauerklee. Aber bitte nur in Maßen essen.

waldsauerklee

Waldsauerklee

Löwenzahn und Gänseblümchen

Diese beiden kennt sicher jeder, und auch diese „Allerweltspflanzen“ sind nicht nur lecker, sondern auch gesund. Gänseblümchen kann man direkt so essen, in Salaten und auf Broten verwenden oder Gelee und Sirup damit kochen. Junge, nicht zu bittere Blätter der Löwenzahnpflanze sind ebenfalls eine Art wilder Spinat und können gut als Salat gegessen werden. Die Blüten des Löwenzahn eignen sich hervorragend für den leckeren Löwenzahnhonig!

Löwenzahn

Löwenzahn

Junge Blätter von Bäumen

Ja, auch junge Blätter von Bäumen können essbar und lecker sein. Ich habe dieses Jahr vor allem junge Weißdornblättchen gern genascht, weil sie butterweich und zart sind. Auch junge Buchenblätter nehme ich gern als Deko auf meine Brote. Jedoch werden viele Blätter recht bitter, je weiter sie wachsen, daher am besten selbst probieren (nachdem man sich erkundigt hat, welche Blätter essbar und bekömmlich sind).

Frisches Körnerbrot, veganer Frischkäse und Waldsauerklee, Gundermann, Buche und Weißdorn

Frisches Körnerbrot, veganer Frischkäse und Waldsauerklee, Gundermann, Birke und Weißdorn

Verwendung essbarer Wildpflanzen

Wie schon erwähnt, gibt es viele Möglichkeiten, essbare Wildpflanzen zu verwenden. Ich esse oft einfach unterwegs mal ein Blättchen oder eine Blüte, denn so nimmt man den Geschmack auch gut auf. Oft dekoriere ich auch meine Frischkäsebrote damit, da geht der Geschmack dann aber eher unter – aber es sieht natürlich total schön aus 🙂 Und auch mit Salaten kann man sich austoben, ebenso kann man natürlich alles auch in Smoothies mischen, wenn es geschmacklich passt. Ich habe letztens noch eine andere Möglichkeit ausprobiert und mir einen frischen Aufguss aus Wildkräutern gemacht (Unter dem Namen „Wiesendudler“ findet man da viele leckere Rezepte im Netz, ich wurde in einer Kräutergruppe darauf aufmerksam gemacht):

Wiesendudler mit Gundermann, Giersch, Waldsauerklee, Spitzahornblüten, jungen Buchen- und Birkenblättern, Weißdorn und kleinen Tannentrieben

Wiesendudler mit Gundermann, Giersch, Waldsauerklee, Spitzahornblüten, jungen Buchen- und Birkenblättern, Weißdorn und kleinen Tannentrieben

Wiesendudler, Zubereitung: Einige frische Blätter- und Blüten mit kochendem Wasser aufgießen, ca. 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und mit frischer Zitrone und etwas Zucker oder Apfelsaft je nach Geschmack abschmecken

Wiesendudler, Zubereitung: Einige frische Blätter- und Blüten mit kochendem Wasser aufgießen, ca. 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und mit frischer Zitrone und etwas Zucker oder Apfelsaft je nach Geschmack abschmecken

So, das waren meine derzeitigen Lieblingskräuter 🙂 Alle Tipps wie immer ohne Haftung, Anwendung auf eigene Gefahr. Viel Spaß beim Probieren und Sammeln! Und wer noch einen reinigend Frühlingstee braucht, findet hier ein Rezept und ein paar Tipps!

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16 Kommentare zu “Essbare Wildpflanzen im Frühjahr

  1. Das ist ja eine tolle Übersicht! Dankeschön. Bei mir gibt es morgen Waldmeisterlimonade!

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  2. berlienchen sagt:

    Wieder ein sehr schöner Beitrag! Mein Mann brachte vor einiger Zeit einen Smothymaker mit nach Hause. So soll ein wenig mehr Abwechslung auf den Speiseplan… Na ja und Vitamine und co.
    Ich war gestern tatsächlich auf Kräutersuche und habe mir Löwenzahn und Girsch für einen Smothy mitgenommen. Girsch hatte ich vorher noch nicht probiert, umso erstaunter war ich über den guten Geschmack. Ich hab noch Gurke zu getan und ein paar Gewürze. Lecker und von nun an sicher öfter auf dem „Speiseplan“.

    Liebe Grüße aus Berlin!

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    • Ach witzig, da laufen wir ja wieder parallel, wie mit dem Totholz letztens 🙂 🙂 Und ja, den Giersch habe ich auch erst dieses Jahr wirklich entdeckt und könnte den jeden Tag essen, echt toll!! Und ich bin ja hier auch in der Stadt und such mir so meine Eckchen, wo ich gut was mitnehmen kann, und das klappt auch gut! Dann weiter guten Appetit und schonmal ein schönes Wochenende!

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  3. schöne Ideen, besonders auch der Wiesendudler, das werde ich auch mal ausprobieren. Gestern haben wir entdeckt, das auf unserem Grundstück ganz hinten im „Waldstückchen“ ein Ahorn wächst. Ich war mir nicht ganz sicher, aber auch durch Deine Fotos bin ich mir jetzt sicher, dass es ein Feldahorn ist 🙂 Dann werde ich gleich im Garten zum Wildkräutersammeln auch dort vorbeigehen …

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    • Viel Erfolg und guten Appetit! 🙂 Ich hab die Blüten auch erst dieses Jahr entdeckt und könnte alle Bäume leerfuttern 😉 Allerdings hatte ich jetzt auch schon welche, die ziemlich bitter waren, kann also sein dass sie den Geschmack verändern, je länger sie blühen

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      • bin ja heute morgen gleich hin und musste feststellen, das der Baum so hoch ist, dass ich nur an einen Ast kam, hier waren die Blüten schon etwas verblüht, ging aber noch. Nächstes Jahr bin ich schneller!! Aber in den Smothie kamen sie trotzdem 🙂

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      • Ach Mist, ja ich hab auch etwas getrödelt mit dem Beitrag. Als ich letztens auch endlich mal einen Baum gefunden hab, wo ich so dran kam, hab ich mir erwartungsfroh direkt ein ganzes Blütendings in den Mund geschoben und das dann schnell bereut, weil es leider nicht mehr so lecker war 😉 Aber das Warten auf den nächsten Frühling lohnt sich, ganz jung und frisch schmecken sie wirklich so süß wie junger Mais

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      • ich schreibe es in meinen Gartenkalender 🙂

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  4. Mirjam sagt:

    Feldahornblüten! Auf die Idee bin ich noch nicht gekommen. Die habe ich in letzter Zeit zwar oft fotografiert, aber daran, dass man sie essen kann, habe ich gar nicht gedacht. Wird ausprobiert 🙂

    Klar, gerade an Hummeln & Co. sollte man beim Ernten auch denken. Heuer habe ich das Gefühl, dass sie durch das kühl Wetter recht sparsam fliegen. Nicht einmal in den Rapsfeldern summt es so richtig.

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    • 🙂 Guten Appetit! Allerdings hatte ich jetzt auch schon welche, die ziemlich bitter waren, kann also sein dass sie den Geschmack verändern, je länger sie blühen.
      Hier bei uns ist es gerade richtig warm und ich konnte heute eine Erdhummelkönigin beim Suchen nach einem geeigneten Platz für den Nestbau beobachten, das war toll ❤ Sie hat immer wieder kleine Löcher gegraben

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  5. Sehr interessant! Ich möchte gar nicht wissen, was uns in unserem Garten an essbarem Grünzeug durch die Lappen geht, weil wir einfach zu wenig darüber wissen! Da hilft dein Beitrag wirklich weiter 😀

    Liebe Grüße!

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    • 🙂 Ja, das gleiche denke ich mir auch so oft; denn ganz oft sind es Pflänzchen, die man jahrelang nicht wahrgenommen oder ignoriert hat. Aber gerade das ist dann immer so toll, weil es immer spannend bleibt. Liebe Grüße zurück in den Garten!

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  6. madameflamusse sagt:

    Ich war kürzlich ganz fasziniert vom Wiesenschaumkraut, fand Ihn wunderschön, hab viele Fotos gemacht aber nichts abgemacht weil es nur so wenige Pflanzen und nur an einer Stelle waren (kein Gewässer) und was war, eine Woche später, da hatte dort jemand Rasen gemäht und alles war weg *heul*

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    • Ach menno 😦 Wie schade drum… Ich mach es übrigens so, dass ich immer nur eine oder zwei kleine Blüten abmache, dann bleibt die Pflanze stehen. Denn hier bei mir wächst die auch nicht in Hülle und Fülle. Und ja, sie ist echt wunderschön ❤ Ich bin all die Jahre dran vorbeigelaufen, aber nun hab ich sie auch endlich entdeckt

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