Altes Wissen: Der Zauber der Erle

Seit Urzeiten ist die Erle für die Menschen ein ganz besonderer Baum: Als „Die Erlenfrau“ ist sie seit Jahrtausenden bekannt und es ranken sich viele Mythen um diesen zauberkräftigen Baum – und das bereits seit der Eisenzeit und somit länger als 3000 Jahre. Ihr Holz, das sich durch Wasser-/Luftkontakt rot färbt, wurde als blutend bezeichnet und der Baum daher als weiblicher Hexenbaum bekannt. Und sie wächst auch gern in der Nähe von Gewässern oder auf feuchtem Boden. Ich möchte euch diesen spannenden Baum des Wassers, des Untergrunds und der Magie heute einmal ausführlicher vorstellen ♥

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Die zauberkräftige Erlenfrau

Der Baum der Schwelle

Erlen fühlen sich am wohlsten an Übergangen und Schwellen zwischen Wasser und Land: Sie leben in beiden Welten und man findet sie auch genau dort: An moorigen Stellen, an Bächen und Flüssen, an Seen und Teichen und an Orten mit versiegten Wasserstellen, die unterirdisch noch vorhanden sind. Sie stehen dabei gern „mit einem Bein“ im Wasser und mit dem anderen in der Erde – genau dazwischen eben.

Solche Schwellen und Übergänge sind für die Menschen seit jeher Orte der Anderswelt und ihrer Wesen, an denen „die Schleier dünn“ sind und der Übergang leichter. Daher ist die Erle genau das: Ein Wesen, das mit der anderen Seite in Kontakt steht und bringen kann.

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Erle im Winter

Die Erlenfrau

Der Begriff „Erlenfrau“ weist auf die große Bedeutung als weiblicher Baum hin. Dies erklärt sich vor allem durch ihr blutrotes Holz, das das Blut des Lebens und Weiblichkeit symbolisiert. Wie lange diese Wahrnehmung durch die Menschen schon besteht, wird durch einem faszinierenden, uralten Fund im westlichen Schottland deutlich: Dort wurde eine aus Erlenholz geschnitzte weibliche Figur gefunden, die wahrscheinlich als Opfergabe oder Ritualobjekt genutzt wurde. Die Datierung liegt mehrere hundert Jahre vor unserer Zeitrechnung. In der irischen Mythologie wird sie „Bran, dem Gesegneten“ zugeschrieben, dessen Seelentier der Rabe ist- ebenso wie die Göttin Morrigu durch Raben symbolisiert wurde: Morrigu ist „die Große Mutter“, die weise Alte oder die Geisterkönigin. Bei den Kelten war die Erle „die blutende Mutter“ und eine große Heilerin. Sie wurde von den Kelten zum Stillen von Blutungen, zum Bemalen der Gesichter in der Schlacht und als Helferin bei schweren Geburten eingesetzt. In der nordischen Mythologie wurde der erste Mann (Askr) aus Eschenholz, die erste Frau (Embla) aus Erle geschaffen.

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Das blutrote Holz der Erle

Der Totenbaum

Wie schon deutlich wurde, vereint die Erle viele Eigenschaften und Zuschreibungen, die ihr ein dunkles Wesen nachsagen ließen. Da sie gern an feuchten Stellen und Mooren wächst und das Moor als der Wohnort der Seelen Verstorbener galt, war auch die Erle ein Geister- und Totenbaum. Im Mecklenburgischen hieß es über jemanden, der gestorben war: „Er ist beim lieben Herrgott im Erlenbruch!“ – dort, wo die Geister spukten.

Es heißt, der Teufel ebenso wie gute und böse Geister säßen gern auf Erlenstümpfen. Außerdem berichten alte Überlieferungen von nächtlichen Feuern, die die Erlenfrau im Moor erleuchten.

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Erle am Ufer

 Alte Bräuche und Überlieferungen zur Erle

  • Es heißt, wenn eine Erle geschlagen wird, fühlt sie die Schmerzen wie ein Mensch, wehklagt und vergießt Tränen.
  • Auch in den Alpen ist die Erle ein Aufenthaltsort des Bösen, ebenso aber wichtiges Zauberutensil
  • Die Erlenfrau wurde nachts im Mondschein dabei beobachtet, wie sie sich die Haare kämmt. Auf ihren Scheitel streicht sie Honig von den Blättern.
  • Eine alte Redewendung macht deutlich, wie die Erle mit Hexen abschätzig in Verbindung gebracht wurde: „Rotes Haar und Erlenloden wachsen nicht auf gutem Boden!“
  • In Pommern erklärte man die rote Farbe der Erle als vom Teufel abgefärbt
  • „Leichten“, verrufenen Mädchen wurde im Rheingebiet kein Maienzweig, sondern ein Erlenzweig an die Tür gehängt
  • In Polen heißt es, der Teufel verspüre nur bei Schlägen mit Erlenholz Schmerzen
  • Wanderer fürchteten im Moor „das Erlenweib“
  • Im Volksmund wurde sie u.a. Frau Else, Ellenfru, Else, Eller, Elder aber auch Walperbaum (wegen ihrer Verwendung in der Walpurgisnacht) genannt
  • Die Vitalität und der Zustand junger Erlenblätter im Frühjahr wurde als Orakel für das neue Jahr ausgewertet. Und je mehr Fruchtstände sich zeigten, umso reicher würde die zu erwartende Ernte ausfallen
  • Laut einer norddeutschen Sage wurden böse Menschen in Erlen gebannt
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Schon ihre Rinde erzählt viele Geschichten…

Alte Erlen-Zauber

  • Die Erle war ein beliebter Baum für Schutz- und Gegenzauber (da sie ja als mit Hexen und dem Teufel verbunden gilt): So wurde zum Beispiel beim Aussäen ein Talisman aus Erlenholz mit sich getragen, um die Saat zu schützen
  • Die Erle waren im Alpenraum auch zum Wettermachen bekannt, und zwar sollen durch das Schütteln der Zweige Gewitter hervorgerufen werden können
  • Durch Ringe aus Erlenholz wurde Saat und Futter gestreut, um die Ernte und die Tiere zu schützen
  • In Thüringen wurden an Karfreitag Erlenzweige gepflückt und damit als Kranz oder Kreuz das Haus geschmückt
  • Sie ist Teil des zauberkräftigen „Neunerlei Holzes“
  • Ihr Holz wurde als Zauber zur Heilung von Krankheiten verwendet, indem man einen Stift des Holzes aus dem Stamm bohrte und es dann dem Kranken auflegte.
  • Jungen wurden mit einem Erlenzweig über der Wiege geschützt
  • Ein alter Schutzzauber aus Finnland besagt, dass drei mit einem roten Faden zusammengebunde Erlenzweige vor dem bösen Blick schützen
  • Auch als Räucherholz wurde sie zum Schutz genutzt
  • In Thüringen wurden zur Walpurgisnacht in Haus und Hof Erlenzweige zum Schutz vor bösen Hexen aufgehängt
  • In althochdeutscher Zeit wurde Verwandtschaft rituell beendet oder Menschen ausgestoßen, indem man vor Gericht und auf dem Kopf Erlenzweige zerbrach
  • Die innere Rinde wurde als Heilmittel gegen Zaubertränke gekocht
  • Erlenzweige wurden für einen beschützten Schlaf ohe Alpträume unters Kopfkissen gelegt
  • Da die Erle ein sehr widerstandsfähiges und feuerfestes Holz ist, wenn sie einmal nass war, wurde sie auch als Amulett gegen Brände verwendet
  • Nicht nur Haselnuss, auch die Zweige der Erle wurden für Wünschelruten zum Auffinden von Schätzen benutzt
  • In Schlesien wurde an Karfreitag zum Schutz von Haus und Hof ein geweihter Erlenkranz am Giebel befestigt
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Anmut und Zauberkraft

Die Erle als Heilerin in Volksmedizin und Naturheilkunde

Schon in der Antike wurde die Erle bei Krämpfen verwendet, indem ein Tee aus ihrer Ringe verabreicht wurde. Später wurde sie wegen ihrer blutstillenden und blutreinigenden Wirkung bekannt. Im Mittelalter wurden Abkochungen der Blätter äußerlich zur Wundheilung benutzt und ihre im Frühjahr klebrigen Blätter wurden auf schlecht heilenden Wunden angebracht. Auch bei Zahnschmerzen und Erkrankungen im Mund wurde sie verwendet. Die zusammen mit Alaun aufgekochte Rinde diente als Spülung zur Stärkung der Mundschleimhäute und des Zahnfleischs. Außerdem wurden ihre Pflanzenteile zum Gerben und zur Herstellung von Tinte verwendet. Ein erwärmtes, mit trockenen Erlenblättern gefülltes Kissen soll bei rheumatischen Beschwerden und Rückenschmerzen helfen.

Der hohe Gerb- und Bitterstoffgehalt ihrer Rinde und Blätter lässt sie auch heute noch ein nicht unbedeutendes Element der Naturheilkunde sein. Vor allem der in der Rinde sehr hohe Gehalt an Tanninen (bis zu 20%) lässt sie da interessant werden. Die Abkochung der Rinde kann als Gurgellösung bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum verwendet werden. Die heilenden Eigenschaften der Erle sind kühlend, zusammenziehend und blutstillend. Auch zur Fiebersenkung wurde sie eingesetzt.

Auch in der Küche kann man die Erle verwenden: Ihre jungen Blätter (März bis Mai) kann man frisch in Speisen verarbeiten oder getrocknet in Gewürzmischungen, in Kräutersalz und für Brote nutzen.

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Auch als Heilpflanze interessant!

Mit den magischen Kräften der Erle arbeiten

Die Erle ist ein Baum, der mit Weisheit, innerer Kraft und der dunklen Seite in Verbindung steht. Wenn man sich auf sie einlassen kann, kann sie einem in verborgene Bereiche des Lebens und der eigenen Emotionen und Intuition leiten.

Sie ist ein sehr widerstandsfähiger, starker Baum, der zäh und kraftvoll ist. Genau mit dieser Energie kann man sich durch ihr Wesen und ihr Holz verbinden. Gleichzeitig bringt sie eine große Qualität als Schützerin mit sich.

Als Vermittlerin zwischen den Welten kann sich auch zur Divination, beim Orakeln und zum Meditieren oder bei Traumreisen eingesetzt werden. Sie ist dabei Brücke und Schutz in einem. Und auch für die Themen Weiblichkeit, Alter, Übergang und In-die-Tiefe-Gehen ist sie der passende Baum.

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Gesammeltes Erlenholz

Im keltischen Ogham-System (eine Art Baum-Orakel) bedeutet die Erle Folgendes:

Sie steht für Schutz, Mut und das Besiegen von Zweifeln und Ängsten. Sie ist ein göttlicher Baum und verbindet diese und die jenseitige Welt. Sie trägt alle Elemente in sich. Im keltischen Jahreskreis ist sie dem vierten Mond (Mitte März – Mitte April) zugeordnet. Sie ist der Baum der Göttin, schützt das Herz und steht mit unseren Emotionen in Verbindung. Sie hilft uns dabei, Verdrängtes erkennen und unsere innere Weisheit umsetzen zu können. Die Erle unterstützt uns auf allen drei Ebenen von Körper, Geist und Seele, ist ein schützendes Schild, das uns stark und dennoch gefühlvoll und intuitiv sein lässt. Sie ist ein Baum, der uns beim Lösen innerer Konflikte begleiten kann.

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Wer mehr lesen möchte, findet hier noch ein paar schöne Texte:

© Die Urheberrrechte an allen Bildern liegen wie immer bei mir, da ich nur eigene Bilder verwende (wenn nicht gekennzeichnet)
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8 Kommentare zu “Altes Wissen: Der Zauber der Erle

  1. Winnie sagt:

    Ich bin allergisch gegen die Blütendolden der Erle, … ein Zeichen???

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  2. Hab Dank für diesen wunderbaren, ausführlichen Bericht zur vielseitigen Kraft Erle!

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  3. Gesche sagt:

    Darf ich da Goethes Ballade vom Erlkönig noch ergänzen? Ein wahrer Zauberbaum! Danke für den wunderbaren Artikel!

    Gefällt 1 Person

  4. […] Frau Birkenbaum – Über den  Zauber der Erle […]

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  5. […] den Kelten hieß es, die  erste Frau sei eine Eberesche, der erste Mann eine Erle gewesen. Beide Bäume repräsentieren das Thema Blut/die Farbe Rot als Symbol der Lebenskraft: Die […]

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  6. […] sich das Holz der Lärche ebenso wie das der Erle bei Feuchtigkeit rot färbt, galt auch die Lärche als Schutzbaum gegen Feuer. So empfiehlt ein […]

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