Altes Wissen: Die Eibe, der Zauberbaum

Eiben sind ganz besondere Bäume, da sie ein sehr faszinierendes Wesen haben und sich jede Menge alte Bräuche, Zauber und Legenden um sie ranken. Einige davon möchte ich euch vorstellen ♥

Die Eibe – ein magischer Baum seit Jahrtausenden

Seine glatte, künstlerische Rinde, sein festes Holz, die glänzenden Nadeln, die glutroten Beeren und nicht zuletzt seine giftige Eigenschaft machen die Eibe zu einem ganz besonderen Baum, der ein ebenso besonderes Wesen hat. In Irland zählt er zu „den magischen 5“ Bäumen zusammen mit Eiche, Weißdorn, Holunder, Eberesche. Die immergrünen Bäume sind zart und stark zugleich und sind uns vor allem von Friedhöfen bekannt, wo sie seit Jahrhunderten zu den klassischen Pflanzen gehören. Und dass sie dort nicht zu Unrecht einen guten Platz hat, beweist ihr Alter: Dies kann vierstellig werden!

Sie hat viele interessante Besonderheiten:

  • sie wächst sehr gemächlich: nur 1-3 cm pro Jahr
  • im Gegensatz zu anderen Nadelbäumen kommt sie mit Schatten gut klar
  • sie blüht, sie entwickelt Beeren und sie ist immergrün
  • es gibt männliche und weibliche Bäume
  • ihr Holz ist eines der härtesten in Europa
  • sie kann weit über 1000 Jahre alt werden
  • sie ist potentiell tödlich giftig (bis auf die roten Beeren – deren Kern ist jedoch auch giftig)
  • Wildwachsende Eiben stehen unter Naturschutz
  • „Ötzi“, der vor einigen tausend Jahren in den Alpen verunglückte, trug einen Pfeil aus Eibenholz bei sich

Schon die alten Ägypter und die Römer schätzten die Eibe – und auch im Mittelalter in Europa war sie sehr beliebt, und zwar so sehr, dass sie dort schon zwischenzeitlich geschützt werden musste, um nicht ausgerottet zu werden!

Ihr festes Holz war (und ist bis heute) ein beliebtes Baumaterial für Bögen. Der Name „Eibe“ heißt im Althochdeutschen „Iwa“ – und dies  bedeutet gleichzeitig „Bogen“.

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Eibenblüten

Die Eibe: Zauberbaum und Symbol des ewigen Lebens

Am präsentesten sind in alten Überlieferungen die der Eibe zugeschriebenen Kräfte als zauberabwehrend und Hexen- oder Zauberbaum: Es hieß, wo die Eibe sei, da könne kein Zauber Kraft haben. Eibenzweige wurden daher als Schutzamulette getragen oder platziert. Gleichzeitig gilt die Eibe aufgrund ihres zähen Holzes und Wesens, ihres langen Lebens und der immergrünen Nadeln als Baum des Lebens und der Ewigkeit – dies ist auch auf ihre leuchtendroten Beeren zurückzuführen, die die Farbe des Blutes und damit dem Saft des Lebens entsprechen.

Der Schutz- und Totenbaum

Bei den Kelten wurde die Eibe als Baum der Toten verehrt. Sie trägt Leben und Tod in sich, weshalb sie auch bei den Kelten im Totenkult eine bedeutende Rolle spielte. Jedoch hat sie dabei vor allem schützende Eigenschaften, da sie Dämonen, Geister und Unheil abwenden sollte. Und auch in der Antike war das Ufer in der Unterwelt von Eiben gesäumt – dem Baum des Jenseits. Die Kelten verwandten das Gift der Eibe, um ihre Pfeilspitzen damit zu präparieren. Im Altertum galt die Eibe als „Baum des Schreckens und der Trauer, wohl schon ihrer düsteren Erscheinung wegen, und die Schriftsteller jener Zeit berichten nicht selten in stark übertreibender Weise über die schädlichen Einflüsse und Wirkungen des Baumes, dessen Schatten sogar schon dem in ihm Ruhenden verderblich werden könne“.

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Mittler zwischen den Welten

Alte Überlieferungen rund um die Eibe

Die Eibe begleitet die Menschen seit Urzeiten. Hier eine kleine Reise in die Vergangenheit und in altes Wissen:

  • Sie wurde Iwenbaum oder Iwenböm genannt (in Anlehnung an die Namensherkunft)
  • Die Bögen der Germanen waren aus Ulmen- oder Eibenholz geschnitzt
  • Rund um Burgen wurden Eiben gepflanzt, um genug Holz für Bögen zu haben
  • Viele archäologische Artefakte bis nach Skandinavien belegen die häufige Verwendung von Eibenholz für Gebrauchsgegenstände wie Becher und Besteck. Die Verwendung geht wahrscheinlich bis in die Jungsteinzeit zurück.
  • Auch in Schlesien wurden Eiben-Eimer mit Bronzebeschlägen aus vorhistorischer Zeit gefunden
  • Plinius warnte, dass ein Schlaf unter einem Eibenbaum den Tod bringen solle wegen ihrer giftigen Ausdünstungen
  • Im Altertum hieß es, die Fackeln der Furien der Unterwelt seien aus Eibenholz gefertigt
  • Die eleusischen Priester sollen sich mit Eibenzweigen bekreuzigt haben und die Göttin Demeter soll mit ihnen geschmückt worden sein
  • Die Griechen steckten den Toten bei der Beerdigung Eibenzweige ins Haar
  • In der Edda, der heiligen Schrift der Germanen, ist der Markt der Götterstadt Asgard mit Eiben bepflanzt
  • In der bayerischen Überlieferung der „Hexenküche, die von Truden und Holzweiblein bewohnt ist, wächst die Eibe
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Geduldig, stark und sanft zugleich

 Zauber, Bräuche und Magie der Eibe in alten Überlieferungen

In alten Überlieferungen lassen sich viele Bräuche, Zauber und Mythen rund um diesen faszinierenden Baum finden. Hier ein kleiner Einblick:

  • Die Verwendung als Heil- bzw. Abwehrmittel von Krankheiten ist überliefert, bspw. durch das Eindrücken eines gebackenen Heilbrotes mit Eibenholz
  • Auch als Amulett gegen den Biss böser Tiere wurde sie verwendet – ebenso wurden aber auch „Nutztiere“ mit Eibenzaubern behandelt im Krankheitsfall
  • Mäuse sollten mit Eibenrauch ausgeräuchert und Tollwut mit ihrem Mehl geheilt werden
  • Ein Stück Eibenholz mit Hautkontakt getragen soll vor Verhexung schützen
  • Zwerge wurden in Thüringen vertrieben, indem man Eibenzweige in ihre Behausungen legte
  • Auch in Ställen, Kammern, Kellern, Stuben und Küchen wurden gekreuzte Eibenzweige platziert, um Zwergen und Hexen den Eintritt zu verwehren
  • Im Spessart hieß es: „Vor den Eiben kann kein Zauber bleiben!“
  • In Spanien wurden Eibenzweige als Amulette gegen Blitzeinschlag verwendet
  • Aufzeichnungen aus dem 10. Jahrhundert beschreiben, dass Eibenkränze und Zweige bei heidnischen Opferfesten im heiligen Hain verwendet wurden
  • In Brandenburg und Sachsen ist die Eibe auch als Weihnachtsbaum und -schmuck verwendet worden
  • In Ostpreußen verachteten die Katholiken diesen Brauch, da die Eibe Unglück ins Haus brächte
  • Auch in Gotland gab es diesen Brauch: „Die Leute haben eine artige Manier, ihre Wände mit Taxzweigen (=Eibe) von dem Fussboden an bis in die Höhe zu bedecken, welche mit diesen weichen Nadelnaufs schönste grün tapeziert waren.“ (Carl von Linné, 1741)
  • U.a. in Nordrhein-Westfalen wurden zu Weihnachten Reiterfiguren gebacken, die mit kleinen Eibenzweigen verziert wurden
  • Auch als Grab- und Beerdigungsschmuck und Beigabe hat die Eibe eine lange Tradition
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(Neuzeitliches) Schutzamulett aus 5000 Jahre alter, im Moor konservierter Eibe

Wie man sieht, ist die Geschichte von Mensch und Eibe eine gemeinsame – mit vielen Facetten. Auch die Kunst hat sie beschäftigt:

Ein alter Reim über die Zauberkraft der Eibe (Julius Rodenberg, Ein Herbst in Wales 1858)

Willst zum Eibenforst du gehn, Sieh nicht um dich, bleib nicht stehn!

Hut‘ den Puss auch vor den Ringen, Wo die Feen im Grase springen!

Die Magie der Eibe nutzen

Im keltischen Ogham-System (eine Art magischer Baumkalender und Divinationssystem) steht die Eibe für die Wintersonnenwende und damit genau jenen Scheitelpunkt zwischen Sonne und Licht, Tod und Leben, der das Wesen der Eibe ausmacht.

Man kann die Energie dieses Baumes nutzen, um sich gegen negative Energien zu schützen und Weisheit und Einblicke in Verborgenes zu erlangen. Aber auch für den Kreislauf des Lebens und die Kraft der Ahnen ist sie eine gute Verbündete und Begleiterin.

Sie ist ein Baum, der Übergänge und den Weg ins Dunkle zeigen kann, dort aber beschützend und stark zur Seite steht. Mit der Eibe kann man sich auf die Reise an die Substanz und das wahre innere Wesen begeben – und sich in ihren vielen spannenden Wesenszügen Inspiration und Rat holen.

♥ ♥ ♦ ♥ ♥

Aber Vorsicht: Da nahezu alle Pflanzenteile giftig und ein innerliches Aufnehmen lebensgefährlich sind, bitte nie die Eibe einnehmen, den Staub einatmen, sie räuchern oder den Pflanzensaft berühren.

Und: Die Eibe benötigt auch unseren Schutz! Sie steht unter Naturschutz und hat es in der freien Natur u.a. aufgrund von Wildverbiss schwer. Eine wildwachsende Eibe ist daher ein ganz besonderer Schatz.

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Mit der Eibe in die Tiefe gehen

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4 Kommentare zu “Altes Wissen: Die Eibe, der Zauberbaum

  1. Caroline sagt:

    Ein klassischer „Schwellenhüter“ eben… 🙂

    Es ist schade, dass es in unseren Wäldern kaum mehr große Eiben gibt, aber immerhin gibt es wieder recht viele, wenn auch noch jüngere Bäume.
    Ich hab‘ mal stundenlang nach einen richtigen Eibeholz für einen Räucherfächer-Griff gesucht, eine sehr intensive Erfahrung!

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  2. […] über Altes Wissen: Die Eibe, der Zauberbaum — Frau Birkenbaum […]

    Gefällt 1 Person

  3. Nicole sagt:

    In der Schweiz gibt es bei Heimiswil die sog. 1’000-jährige Eibe. In Wirklichkeit ist sie „erst“ ca. 450 Jahre alt. Beeindruckend ist sie wegen ihrer mächtigen Kronen und dem Stammumfang von 6,80 Metern! Lässt sich mit einer tollen Rundwanderung verbinden: https://einfachnachhaltig.net/2017/10/15/die-eibe-von-heimiswil/ Liebe Grüsse, Nicole

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