Bye bye, Synthetik! Warum ich nur noch natürliche Kleidung trage

Meinen Körper in Synthetik zu packen war für mich bisher kein Problem und erschreckender Weise Normalität – und das lag daran, dass mir gar nicht bewusst und präsent war, wie viele Nachteile synthetische Fasern haben und wie widersprüchlich ihre Nutzung ist, wenn man eigentlich gesund und natürlich leben möchte.

Für manche Erkenntnisse braucht man eben manchmal etwas. Nachdem ich nun schon viele Jahre rein pflanzlich lebe, vieles selbst mache und immer nachhaltiger und natürlicher lebe, kam mir auf einmal ein Gedanke, den ich vorher komischer Weise nie hatte: Meine Kräuter usw. verpacke ich penibel und leidenschaftlich „richtig“ in Behältern aus Glas, Keramik und anderen ökologischen Materialien. Weil sie es verdient haben und weil sie sich so besser halten und gesund bleiben. Warum aber nicht meinen Körper?

Warum meine bisherige Kleidung meist synthetisch war

Das hat eigentlich nur einen Grund: Bequemlichkeit und mangelndes Interesse oder Bewusstsein. Da Shopping nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung ist, fiel der Kleidungskauf meist selten, schnell und einfach aus. Ich habe gekauft, was ich brauchte, bezahlt, was ich für angemessen hielt und getragen, was ich hatte. So einfach, so gut 🙂 Aber eben voller Synthetikstoffe, wie ich nun gemerkt habe. Dass dies viele Nachteile hat, wurde mir nach einiger Recherche klar:

Warum synthetische Fasern unangenehm und ungesund sein können

1. Komfort und Hygiene

In den meisten synthetischen Stoffen schwitzt man mehr oder Gerüche entwickeln sich schneller, was mir eine Freundin, die Halbmarathon-Joggerin ist, bestätigte. Und für mich fühlen sie sich auch weniger atmungsaktiv, weich und bequem an. Ich habe unbewusst immer zuerst oder am liebsten zu den Sachen in meinem Kleiderschrank gegriffen, die einen hohen Baumwollanteil haben. Sie sind weicher, gemütlicher und luftiger. Beim Waschen sind synthetische Fasern schneller trocken – sie nehmen weniger Wasser auf als natürliche Materialien.

2. Nachhaltigkeit und Umwelt

Synthetische Fasern werden meist aus Erdöl hergestellt oder Gemischen verschiedener Materialien. Sie sind in der Regel nicht oder nur sehr langsam und nicht vollständig ökologisch abbaubar. Noch sind sie eine günstige Alternative, jedoch werden auch die Erdölvorräte knapp. Ein Kompromiss sind Stoffe aus recyceltem Kunststoff.

So, wie es „Fast Food“ gibt, gibt es auch „Fast Fashion“: Günstig produzierte Waren, die kurzlebig genutzt, ständig konsumiert und regelmäßig ausgetauscht werden.

3. Schäden für Mensch und Natur in der Herstellung und Pflege

Nicht nur unter der Entsorgung synthetischer Stoffe leidet die Natur, auch unter der Herstellung – und ebenfalls die Länder, in denen unsere Produkte günstig produziert werden: Die Fabrikmitarbeiter sind bei der Herstellung unzähligen giftigen Dämpfen und Flüssigkeiten ausgesetzt – die Natur dieser Länder ebenfalls, da meist keine Abwasseraufbereitung wie nach unseren Standards stattfindet. Das Resultat sind großflächig verseuchte Flüsse und Seen.

Und durch das Waschen gelangen auch bei uns eine große Menge chemischer Stoffe ins Abwasser:

4. Gesundheitsgefahren durch verwendete Chemikalien

Gift- und Schadstoffe sowie verschiedenste Chemikalien sind Teil der Synthetikstoffherstellung und -behandlung. Weichmacher, Beschichtungen und Farb- und Bleichmittel sind nur ein Teil davon – insgesamt sind es viele hunderte Stoffe, die in unserer Bekleidung landen. Eine Kennzeichnungspflicht gibt es nicht und es werden nur Stichproben untersucht.

„Sicher ist: Ein Drittel aller Chemikalien weltweit landet in der Kleidung – die meisten davon sind allerdings nie für den Hautkontakt vorgesehen gewesen.“ (Buch von Kirsten Brodde: „Saubere Sachen“ von 2009)

pol

Bildquelle: pixabay

Eine genaue Beschreibung der vielen Schadstoffe kann ich nicht leisten, aber einige Links möchte ich hier gern hinterlegen:

Giftige Inhaltsstoffe sind übrigens in billigen wie in hochpreisigen Kleidungsstücken zu finden – ein hoher Preis schützt also nicht. Ihre Auswirkungen sind vielfältig: Sie können Allergien und Haut- und Atemwegsreizungen auslösen, Schwermetalle können sich im Körper ablagern und bei vielen Chemikalien besteht auch eine Krebsgefahr.

Und: Nur weil Sachen aus Baumwolle sind, heißt das nicht, dass sie „naturbelassen“ und schadstofffrei sind. Baumwolle ist ein Massenprodukt und wird exzessiv chemisch behandelt. Auf der sicheren Seite ist man hier leider nur mit Bio- oder als schadstofffrei zertifizierter Baumwolle.

Wenn man, so wie ich leider immer, synthetische oder behandelte Kleidung vor dem Tragen nicht wäscht, erhöht sich der Kontakt mit diesen Stoffen, außerdem dünsten sie auch in die Atemluft aus.

Mein Neustart: Kleidung aus natürlichen Materialien ohne chemische Gefahrenstoffe

Da ich nie so der Shopping-Typ war, konnte ich mir einen Rundumschlag als Neuanfang erlauben und habe mich neu eingekleidet mit den wichtigsten Basics wie Wäsche, Strümpfe und Oberteile. Diese habe ich danach ausgewählt, dass sie bezahlbar und optisch schön, aber aus Bio-Baumwolle und Leinen hergestellt wurden. Bei diesen Anziehsachen stand teilweise ausdrücklich dabei, dass man sie direkt tragen kann, ohne sie vorher zu waschen. Mit etwas Recherche habe ich tatsächlich preiswerte Hersteller mit guter Qualität und europäischer Herstellung gefunden.

bm

Basics aus Biobaumwolle. Der kleine Anteil an Elasthanfasern ist mit Baumwolle ummantelt.

Für Beruf und Alltag habe ich mich nach und nach mit verschiedenen Kleidungsstücken ausgestattet. Hier habe ich darauf geachtet, ausgewählte Stücke zu kaufen und nicht „eine Flut an Dies und Das“. Da ich Leinenstoffe unglaublich toll finde, habe ich darauf meinen Fokus gelegt (es gibt auch weiches Leinen, dass sich wie kuschelige Baumwolle anfühlt).

bm3

Einfache, gemütliche und schöne Anziehsachen für Beruf und Freizeit. Weniger ist mehr 🙂

bm2

Leinen ist atmungsaktiv und fühlt sich traumhaft leicht und angenehm auf der Haut an.

Die Vielfalt der Naturfasern

Nicht nur Leinen und Baumwolle sind gute natürliche Faserstoffe. Aufgrund der steigenden Knappheit von Baumwolle und der Suche nach nachhaltigen neuen Alternativen werden immer neue pflanzliche Fasern und ihre Nutzbarmachung entdeckt. Es können mittlerweile Stoffe aus u.a. diese Pflanzen hergestellt werden:

  • Holz
  • Soja
  • Banane
  • Rose
  • Hanf
  • Bambus
  • Maisabfälle

Warum „weniger mehr ist“

Meinen Kleiderschrank werde ich radikal entrümpeln und die aussortierten Sachen spenden oder ins Recycling geben.

Es ist schon witzig, wie viele Klamotten ihr Leben im Schrank fristen, weil man sich irgendwie nicht von ihnen trennt. Ich habe beschlossen, keine weiteren 10 Jahre zu warten, ob ich vielleicht nochmal hineinpasse oder es mir irgendwann wieder gefällt 😉

Zwar habe ich nun für einige besondere neue Kleidungsstücke mehr Geld ausgegeben, als ich es vorher getan habe, allerdings verbinde ich mit ihnen auch mehr und trage sie daher bewusster, lieber und damit auch länger. Dies kommt zu all den Vorteilen natürlicher Fasern hinzu.

Das Ergebnis: Mehr Platz, weniger Entscheidungsprobleme und große Freude über die angenehmen Stoffe auf meiner Haut. Und ich bin so froh, endlich diese längst überfällige Erkenntnis gehabt zu haben ❤

Advertisements

28 Kommentare zu “Bye bye, Synthetik! Warum ich nur noch natürliche Kleidung trage

  1. Interessanter Beitrag Frau Birkenbaum 🙂 Baumwolle, Wolle, Leinen sind tolle Stoffe und ich ziehe die auch vor, aber bei Sportbekleidung schwöre ich auf atmungsaktive Kleidung, die den Schweiß nach außen transportiert und den Körper trocken hält. Gerade beim Rad fahren ist das auch wichtig und vor allem im Fitnesscenter. Baumwolle klebt ekelhaft am Körper und trocknet nicht. Wer da Baumwolle trägt zeigt sich mit riesigen Schweißflecken.Beim Wandern sind solche atmungsaktive Materialien auch angebracht.

    Ein nicht zu unterschätzender Punkt ist auch der Preis. Leinen, Walkstoffe aus Wole z.B. für Winterjacken sind sehr teuer. Nicht jeder kann sich das leisten. Aber wenn man nachhaltig leben will, muss man diesen Preis wohl bezahlen. Ich achte z.B. auch darauf, wo die Kleidung hergestellt wird. Wer ein Baumwollshirt von Trigema kauft oder überhaupt Kleidung bei TRIGEMA der tut auch was für hiesige Arbeitsplätze.

    Schönes Wochenende! LG, Sigrid

    Gefällt 3 Personen

  2. Vetch sagt:

    Sehr vernünftig – und inspirierend. Ich hab immer noch 1. zu viele Klamotten aus Mistmaterial und 2. zu viele Klamotten.
    Hier&jetzt, nach dem Lesen deines Beitrags, habe ich beschlossen, dass ich ab sofort nur noch Bio-Klamotten kaufe. Wenn ich was Neues brauche, wird es bio. Punkt.

    Gefällt 1 Person

    • Willkommen im Club 🙂 Genauso gings mir auch als mir das auf einmal klargeworden ist. Seltsam, wie das manchmal so ist. Habe immer fleißig Wasser in Glasflaschen geschlepppt, aber mich selbst in Plastik gepackt 🙂 Es fühlt sich auf jeden Fall richtig gut an, das zu ändern. Ganz liebe Grüße! *Franziska*

      Gefällt 1 Person

  3. Lebe Franziska, weil du weiter vorne gesagt hast, dass die Mode bei Hess Natur nicht so prickelnd ist, habe ich mal bei Waschbär geschaut, weil ich deren SAchen auch schon immer toll fand. Und die haben etwas NEUES: https://www.waschbaer.de/shop/enna-style/city-summer
    Den ENNA STYLE. Auf den ersten Blick wirklich tolle Klamotten und auch die Schuhe sehen klasse aus. Vielleicht konnte ich dir einen Tipp geben. Viel Spaß und schönes WE, Sigrid

    Gefällt 1 Person

  4. madameflamusse sagt:

    Schön das du umsteigst, und du hast total Recht, lieber ein paar wenige, aber gute Sachen

    Gefällt 1 Person

  5. Gratulation zu diesem Schritt, Franziska. Ich habe einen ähnlichen Prozess erlebt und mir hat damals das Buch von Harald Jordan „Kleidung – wie sie schützt und stärkt“ buchstäblich die Augen geöffnet.

    Gefällt 1 Person

  6. katblum sagt:

    Danke fuer den interessanten Beitrag! Als bekennende Wollliebhaberin will ich gerne noch die extrem positiven Eigenschaften von Wolle betonen, so viel angenehmer zu tragen als Goretex. Ich trage auch um Winter eigentlich nur Wollwalk und Wollpullis und fühle mich sehr wohl darin. Liebe Grüße Kathrin

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Kathrin, dankeschön! Ich persönlich nutze Wolle nicht, da ich keine tierischen Produkte verwende und auch von „dem kleinen Schäfer nebenan“, dessen Schafe schön auf dem Deich grasen, leider nur Trauriges gehört und erfahren habe – von industrieller Wollproduktion im Ausland ganz abgesehen, wo die Tiere noch mehr ausgebeutet werden und leiden. Liebe Grüße, Franziska

      Gefällt 1 Person

  7. HannoverblickOst sagt:

    Ich habe für mich Merino entdeckt. Z.B Icebreaker aus Neuseeland. Diese Wäsche ist unglaublich! Sehr gut zum wandern, zum Sport und für den Alltag. Sie nimmt wenig Schweiß auf und reduziert das Waschen ungemein. LG Simone

    Gefällt mir

  8. HannoverblickOst sagt:

    Hier noch mal der entsprechende Link
    http://eu.icebreaker.com/de/our-story/philosophy.html

    Gefällt mir

  9. dagehtwas sagt:

    Du schreibst: “Mit etwas Recherche habe ich tatsächlich preiswerte Hersteller mit guter Qualität und europäischer Herstellung gefunden.“
    Kannst du die Hersteller nennen? Oder hier lieber nicht? Würd mich interessieren, wen du da gefunden hast!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s