König Drosselbart und das Elend der Zucht- und Hochzeitstauben

Dieses wunderschöne, liebe Wesen konnten wir Anfang der Woche aus einem Teich retten. Es ist eine gestrandete, verirrte Zuchttaube, wie sie oft nicht nur für „Taubensport“, sondern auch als Schmucktauben bei Hochzeiten eingesetzt werden.

Dies ist leider bei weitem kein Brauch, der für Liebe, Treue und Glück stehen kann – denn für viele dieser Tiere bedeutet es nicht nur Stress, sondern oft auch den Tod.

Hochzeitstauben sind Tierleid mit Ansage

Sie werden an fremden Orten ausgesetzt, vorher zusammengepfercht und müssen dann ihren Weg zurück finden. Dies gelingt bei weitem nicht allen Tauben. Sie verirren sich, stranden entkräftet unterwegs, verhungern, verletzen sich oder werden von Greifvögeln erbeutet und durch Unwetter, Hitze oder Kälte gefährdet – worauf sie nicht vorbereitet sind. Oftmals sind sie nicht einmal für die Rückkehr in ihr „Zuhause“ vorbereitet und können somit auch mit genug Glück gar nicht zurückkehren. Für die Züchter sind es keine nennenswerte Verluste – für sie sind es leicht ersetzbare „Einwegtauben“ – oder: Wegwerftiere.

Unser geretteter Taubenmann

Vorgestern sahen wir mittags eine weiße Taube an einer steilen Uferböschung am Wasserrand sitzen. Da es sehr heiß war, hofften wir, dass sie nur kurz Pause macht und sich stärkt. Als wir abends nach Feierabend wieder dort hinfuhren um nach ihr zu sehen, saß sie immer noch an genau derselben Stelle und hatte sich also mindestes 6 Stunden nicht vom Fleck bewegt. Und es setzte ein Unwetter ein. Also kauften wir schnell einen Kescher, ließen uns einen Karton geben und mein Freund zog seine Gummistiefel an und fing sie ein. Sie konnte gar keine Gegenwehr mehr leisten, weil sie so geschwächt war.

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In Sicherheit

Dann haben wir eine große Holztruhe zu einem kleinen Gehege umfunktioniert und sie mit Wasser, Körnern (hier eignet sich gut zB die 6-Körner-Mischung von DM) und einem Handtuchnest mit Wärmflasche versorgt. Am nächsten Tag wurde sie von einer vogelkundigen Tierärztin untersucht und mit den wichtigsten Medikamenten versorgt und ich habe ihr neues vorübergehendes Zuhause mit Grit (zur Verdauung), Hanfstreu und einer Nistschale aufgebessert.

Ihr Brustbein ist sehr spitz, ein Zeichen für Abmagerung. Sie frisst und pickt gern und knurrt ganz niedlich, wenn man sie hochhebt. Wir werden sie noch eine Weile aufpäppeln und ihr vielleicht sogar für immer eine Voliere im Garten bauen und ihr einen oder zwei Artgenossen dazuholen. In die Freiheit kann sie leider nicht, da ihre großen angezüchteten Puscheln an den Füßen eine Verletzungsgefahr sind und sich auch in sicherer Unterbringung immer wieder entzünden können.

Wir haben ihn Erich Drosselbart getauft und sind ganz verliebt in den hübschen, lieben Taubenmann, der gern in seinem Nestchen oder auf seinem Klotz sitzt. Noch ist es etwas langweilig für ihn, aber er kann sich nun erstmal erholen und dann sehen wir weiter.

`·.¸¸.·´´¯`··._.· Mehr Infos`·.¸¸.·´´¯`··._.

Hier einige Links zum Thema. Bitte nutzt diesen Brauch niemals und sensibilisiert auch den Familien- und Bekanntenkreis ♥

Wenn ihr eine solche oder andere Tauben oder Vögel in Not findet, bekommt ihr hier tolle Hilfe: Facebookgruppe für Wildvogel-Notfälle

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11 Kommentare zu “König Drosselbart und das Elend der Zucht- und Hochzeitstauben

  1. danke für den Hinweis zu dem Thema und dass ihr die Taube gerettet habt! Vielleicht müsste man mehr auf Alternativen zu Tauben, Schmetterlingen und Ballons aufmerksam machen?

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  2. Caroline sagt:

    Kann die Taube sprechen und hat dir erzählt, dass sie als SCHWARZ-weiße Taube von so einer Hochzeitsveranstaltung kommt? Ich sehe auf dem Foto nur eine Rassetaube, die aus sich verschiedenen Gründen verirrt haben kann. Sie kann genauso während dem normalen Freiflug durch einen Greifvogelangriff verstoßen worden sein, versehentlich aus der Voliere entwischt sein ohne vorher Freiflug gehabt zu haben, dann findet sie je nach Lage der Voliere nicht mehr nachhause und sie kommt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus Hobbyhaltung, da spezialisierte Züchter ihre Tiere beringen, ebenso solche, die „Taubensport“ betreiben oder Tauben ausstellen.
    Die Zucht von befiederten Klauen schränkt solche Tiere sicher ein und widerspricht dem Tierschutz – wo ist nun aber der Unterschied zu all den kläffenden Missgeburten, die man als Vergewaltigung an der Natur täglich auf Deutschlands Straßen bewundern kann, die „Mops“ oder „Bulldogge“ heißen oder so winzig und verkrüppelt sind, dass ihr Glubschaugen garnicht mehr in den Schädel passen?! Die Haltung solcher Kreaturen scheint zur Volkskrankheit ausgeartet zu sein!!! Ich finde, Tierschutz sollte mal exakt DORT anfangen, zumal die von dir verlinkten Berichte in sich widersprüchlich sind und die Seriösität von PETA wurde schon hundertfach beweisbar widerlegt. Das Prinzip der Hochzeitstaube oder Taube überhaupt ist immer noch dieses, dass sie in den Schlag zurückkommt und dafür trainiert werden kann, dies aber in den meisten Fällen auch von Natur aus schafft. Sonst würde dieses „Geschäft“ keinen Sinn machen. Ich bin kein Freund von Wettflügen und dergleichen, da muss man sich schon nach dem Sinn fragen und eine Hochzeit benötigt zweifelsfrei keine weißen Tauben. Aber ich hatte jahrelang aus Freude Tauben, die beim Auslass aus dem Schlag, und zwar alle, auch die Paare und besonders die Jungvögel, teilweise über Stunden verschwunden sind und die Gegend erkundet haben, dann aber alle zurückkamen und ich kannte viele andere Taubenhalter, vernünftige und leider auch Idioten, von denen aber wirklich KEINER Tauben aufwändig über Wochen aufgezogen hat, um sie dann vorsätzlich „auszusetzen“ und bewusst zu verlieren. Solche Behauptungen sind nur Propaganda und Volksverhetzung, die gewohnte von Seiten des Tierschutzes.

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    • Hallo Caroline, leider schießt du hier m.E. wieder übers Ziel hinaus; ich empfinde Deine Wortwahl und Argumentation als Angriff und unpassend für meinen Blog, der NICHT hetzt. Bitte versuch doch, weniger aggressiv und pauschal zu denken und reden; ich tue es auch, weil ich finde, dass das zu nichts führt. Dass dieses Tier hier definitiv eine Hochzeitstaube ist, habe ich weder behauptet, noch kannst du es widerlegen – ich wollte damit auf die allgemeinse Misere dieser und anderer Zuchttauben hinweisen, deren Schicksale ich täglich auf den Seiten und Berichten verschiedenster Taubenhilfen und Tierfreunden verfolge. Deine Feindbilder fielen mir nicht zum ersten Mal auf – vielleicht erinnerst du dich, und es ging nicht von mir aus. Mit meinem Beitrag habe ich auf mögliche Nachteile von Tieren zugunsten menschlicher Vergnügung aufmerksam gemacht und berichtet, wie ich einem in Not geratenen Tier helfen konnte. Das ist in meinen Augen nichts, weswegen man schimpfen sollte. Bitte versteh dies nicht als Vorwurf, es ist nur sehr verwundert gemeint.

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  3. Und PS. Mit deinen Behauptungen widerum verunglimpfst du die engagierte und ehrliche Arbeit diverser Tierfreunde und Tierschützer, die dies auf eigene Kosten und mit allem, was sie haben, tun.

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  4. Caroline sagt:

    Nun, offene Worte sind nie gern gesehen und ich möchte deinen Blog nicht mit einer Diskussion „zuspammen“.
    Auf mich wirkt es so, dass du aus einer ungewissen Sache eine konkrete Anschuldigung kreierst und das ist für gewisse Kreise einfach ganz typisch. Die echten und ehrlichen Tierschützer kommen ganz ohne diese Propaganda gegen gewisse Themen oder Personenkreise aus, da sie ihre Existenz nicht darüber rechtfertigen müssen, sondern in ihrer engagierten Arbeit aufgehen. Ich sehe da durchaus deutliche Differenzen!
    .
    Nur eines noch, da du mir meine „Feindbilder“ vorwirfst: Mach dir bitte auch mal Gedanken über DEINE Feindbilder!
    Du postest auf FB Fotos zum Beispiel zerstörter Hochsitze mit dem Untertitel, dass diese dir so am besten gefallen.
    Ist das denn also kein Feindbild???

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    • Nein, Jäger sind nicht meine Feinde. Ich freue mich aber über eine verloren gegangene Möglichkeit des Tötens von Tieren, Und man darf und muss immer verschiedene Meinungen haben können, aber auf den Ton kommt es an, und auf die Wortwahl. Und Deine finde ich leider nicht passend, das ist auch ein offenes Wort.

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  5. Caroline sagt:

    Ich habe mit offenen Worten auch überhaupt kein Problem.

    Mein Problem sind einfach diese Verallgemeinerungen und die Vehemenz mancher Richtungen, in der Öffentlichkeit ALLES schlechtmachen zu müssen, ohne hinzusehen und zu differenzieren und oft mit Falschaussagen. Wenn man das weiterhin immer und immer weiter zulässt, ohne mal etwas richtigzustellen… nun, man hat doch dieselben Rechte der Meinungsfreiheit?

    Ein nicht vorhandener Hochsitz ist allerdings keine verlorengegagene Möglichkeit des Tötens, da man für die Jagd Hochsitze nicht zwingend benötigt und es außerdem Gründe hatte, warum schon unsere Ahnen Wild beschwören mussten, um Jagderfolg zu haben. Da ist noch viel mehr als nur ein Hochsitz!

    Dann wünsche ich viel Erfolg mit der Taube bzw. den zukünftigen Tauben! Das „Knurren“ drückt übrigens Abwehr aus, wenn du die Taube anfasst und sie sich bedroht fühlt.
    Die Befiederung der Ständer kann der TA, wenn du es dir nicht selbst zutraust, doch kürzen und die hohlen Kiele genügend weit über dem Ansatz abschneiden, Federn sind totes Gewebe, also völlig schmerzfrei, dann ist das zumindest bis zur nächsten Mauser kein motorisches Hindernis mehr.

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    • Was Du als Problem bezeichnest, ist leider genau das, was Du selbst vor allem aussendest und artikulierst. Ich möchte hier keine aggressiven, negativen Kommentare, weil man Argumente auch anders austauschen kann. Also bitte versteh das.

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  6. Caroline sagt:

    Ich habe dir sachliche Argumente bezüglich deiner verlinkten Artikel und damit deiner Datrstellung vorgebracht, aus praktischer Erfahrung eines Jahrzehnts, die du mit aller Gewalt als meinerseits „aggressiv“, „negativ“ usw. darstellst, du kannst und willst da nicht auch mal hinsehen und nachdenken, ob etwas Wahren dran sein könnte. Für dich ist von vorn herein klar, wer der „schlechte Mensch“ ist, Kritik ist da immer unerwünscht und du drehst es in jedem deiner Kommentare exakt so hin. Das wirst du gleich wieder tun, ich weiß… Prima!
    Soviel zum Thema „Argumente“.

    Danke, ich habe diese Erfahrung jetzt das zweite Mal gemacht, die vernünftige Kommunikation zwischen manchen Weltbildern funktioniert einfach nicht, ich werde es in Zukunft auch nicht mehr versuchen und verabschiede mich hiermit zurück zur Realität der Natur, die mich täglich bereichert. Alles Gute weiterhin!

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