Morning Pages: eine besondere Art, den Tag zu beginnen

Klarheit, innere Ruhe und mehr Fokussierung: Das sind nur einige der möglichen Vorteile der Technik der „Morning Pages“. Populär machte sie Julia Cameron in ihrem Buch „Der Weg des Künstlers“, das seit vielen Jahren sehr beliebt ist.

Ein Bestandteil dieses mehrwöchige Programms zur Umsetzung der eigenen Kreativität ist dieses morgendliche Ritual, das ich sehr spannend und sinnvoll finde und daher hier einmal ausführlicher vorstellen möchte.

Morning Pages Inspiration

Das Auge isst mit – ein schönes Schreibbuch hilft dabei, es gern zu machen und zu genießen.

Morning Pages: Anleitung für die Schreibtechnik zum Start in den Tag

⇒Im Prinzip ist es ganz einfach – werde wach und schreibe 3 Seiten!

Konkret bedeutet es folgendes:

  1. Halte immer Schreibzeug parat- dies kann ein Schreibbuch, Schreibheft oder Schreibblock sein. Wichtig: digitales Schreiben vermeiden
  2. Noch bevor du mit den Aufgaben des Tages beginnst, schreibe 3 Seiten voll.
  3. Was du schreibst, ist egal – es ist nie geplant, in ein Schema gepackt oder an Vorgaben ausgerichtet.
  4. Und das Wichtigste: 

Schreibe um des Schreibens willen, schreibe die 3 Seiten in einem Zug und bewerte nichts!

Damit sind wir auch direkt beim ungewöhnlichsten Punkt angelangt: Die meisten von uns sind es gewohnt, dass alles einen Zweck erfüllt, ein Ziel haben muss oder wir etwas leisten/erfüllen sollen. Genau das ist hier nicht der Fall – hier geht es um das Dürfen:

  • Deine Gedanken dürfen fließen, sich im Kreis drehen, stagnieren, unsinnig sein oder was immer auch möglich ist.
  • Du darfst dich treiben lassen, Selbstgespräche zu Papier bringen, deinem Denken ein Ventil geben ohne etwas bestimmen oder „richtig“ machen zu müssen.
  • Du darfst jeden Tag neu entdecken, was dabei entsteht- und:
  • Du darfst darauf verzichten, es zu bewerten.

Dieser letzte Aspekt ist sehr wichtig, denn unser Leben ist oft sehr stark davon geprägt, wie wir uns selbst und das Leben bewerten oder denken, bewertet zu werden. Nicht immer helfen unsere gewohnten Gedankengänge dabei. Mit dieser Schreibtechnik lässt man Gedanken einfach raus.

Es ist, wie morgens kurz den Kopf zu durchlüften – das Fenster wird geöffnet. Die 3 Seiten sind das offene Fenster zwischen innen und außen. Der Wind ist das Schreiben und die Richtung bestimmt es selbst.

„Und dann?“ – was die Morning Pages bringen sollen 

Bei dieser täglichen Übung gibt es kein „und dann“ – das Schreiben ist der Selbstzweck. Das Geschriebene wird nicht analysiert, nicht ausgewertet, nicht beurteilt.

Niemand Anderes darf es lesen und du selbst solltest es auch nicht tun.

Der Grund dafür:

diese Technik hat mit dem Loslassen zu tun, mit dem Öffnen des Fensters. Es geht nur darum, dass etwas von innen nach außen und in Bewegung kommt. Mit dem Öffnen des Fensters, dem Schreiben, ist die Mission erfüllt und der gute Effekt erreicht.

Sich überwinden

Die beiden größten Herausforderungen sind für die meisten Menschen vermutlich das Sich-frei-machen und, es überhaupt zu machen. Gerade morgens sind Zeit und Energie oft knapp.

„Wenn du es eilig hast, setze dich hin“

Dieses bekannte Sprichwort hat eine sehr hilfreiche Botschaft und trifft auch auf diesen ungewöhnlichen Weg des morgendlichen Schreibens zu. Aber es lohnt sich:

  1. Das Schreiben entlastet von wiederkehrenden Gedanken und belastenden Emotionen,
  2. der Tag beginnt mit einer kurzen Phase von Ruhe, Selbstwahrnehmung und Fokussierung und
  3. wir treten kurz aber intensiv mit uns selbst in Kontakt.

Dieser Aspekt hat meiner Einschätzung nach das größte Potential, den Tag positiv zu beeinflussen. Wenn beim Schreiben beispielsweise Belastungen oder Wünsche ans Licht kommen, werden sie nicht so stark verdrängt sondern ins Bewusstsein geholt- und damit wahrgenommen, gewürdigt und integriert.

Verdrängte Emotionen können krank machen, ebenso Selbstkritik. Auch Unausgeglichenheit beeinträchtigt das Leben. Die Morning Pages können dazu beitragen, negative Gedanken aus dem Kopf zu entlassen – und auch wenn sie u.U. immer wieder zurück kehren: für diesen Moment sind sie raus.

Morning Pages übung

Die Gedanken fliegen lassen

Morning Pages = Achtsamkeit durch Schreiben

Jede Blockade, jeder Unmut und jedes Kopfschütteln sind Teil des Phänomens: Alles, was wir bewusst empfinden, ist ein Erfolg. Achtsamkeit heißt: wahrnehmen, was ist. Was so banal klingt, ist leider ein seltener Moment, da wir den größten Teil des Tages abgelenkt, beschäftigt oder im Autopilot-Modus sind.

Achtsamkeit ist etwas sehr Einfaches, aber oft nur schwer zu erleben.

Achtsamkeit ist frei von Erwartung, frei von Beurteilung und verfolgt kein darüber hinaus gehende Ziel. Achtsamkeit ist die Wahrnehmung, einen Fuß zu haben, in dem es leicht kribbelt, von Sonnenlicht umgeben zu sein und dem Wegen der Zweige im Wind zuzusehen. Achtsamkeit ist, einen Gedanken wahrzunehmen, ihn nicht zu bewerten und zu erkennen, wann etwas Anderes folgt – oder was nebenher passiert oder besteht.

Darum am Morgen

Die eben beschriebenen Beispiele achtsamer Wahrnehmung dessen, was ist und wie es ist sind genau das, was auch beim Schreiben ohne Aufgabe oder Ziel passiert: es kommt zu Papier, was gerade ansteht.

Am Morgen, so direkt wie möglich nach dem Aufwachen, ist unser Kopf noch nicht im Alltagstrott oder der hohen Bereitschaftshaltung wie beim Arbeiten oder anderen Tätigkeiten. Noch nicht ganz wach — dies ist ein Zustand, in dem das Unterbewusstsein weniger stark hinter rationales Denken oder die Dynamik des Tagesgeschehens zurücktritt.

Ideen und Inspiration zu den Morning Pages

Ich nehme für die morgendlichen drei Seiten am liebsten ein schlichtes Heft oder Buch, damit es nicht ablenkt. Ich finde es auch schön, Platz zum Zeichen und Verzieren zu haben – es kann sich beim Schreiben ergeben, dass besondere Impulse auftauchen oder Lust auf das Festhalten weiterer Ideen.

Generell ist das handschriftliche Festhalten zwar kaum noch zeitgemäß, aber gerade deswegen so besonders und bereichernd. Ich liebe es, auf diese Art Schönes, Wichtiges und Interessantes festzuhalten, es zu verzieren und Jahre später wieder in der Hand zu halten. Das regelmäßige Schreiben der Morning Pages hilft mir, dranzubleiben und es nicht aus den Augen zu verlieren, noch viel mehr festzuhalten und umzusetzen.

Das Schreiben mit der Hand ist Konzentration und Entspannung in einem und ich liebe es seit ich ein Kind war. Für meinen kleinen Shop habe ich einige ganz besondere Schreibsets zusammengestellt, um ein bisschen von dem Zauber weiterzugeben:

Enthalten sind von Hand marmorierte Holz-Federhalter mit Schreibfeder, handgemachte Eisengalluatinte nach historischem Rezept, ein wunderschönes Siegel und feiner Siegellack – erhältlich als kleines und großes Set und mit Liebe und Herzblut zusammengestellt und in einem handgemachten Leinenbeutel verpackt ♥

Zur Ruhe kommen, innehalten und sich unvoreingenommen mit einem leeren Stück Papier zu konfrontieren und allem, was vom Inneren an die Oberfläche kommt – das können wir mit dem Aufschreiben, Verzieren, Malen, Zeichnen und Wahrnehmen zelebrieren und uns immer wieder überraschen lassen. Und dabei passiert noch so viel mehr:

Ritual Challenge Morning Pages