Interessantes über den Altweibersommer

Der September ist der Mai des Herbstes (alte Bauernregel)

…nach einem kurzen, kalten Regenintermezzo ist er nun noch einmal da: Der schöne Altweibersommer mit tiefstehender, heller Sonne, frischer Luft und um die 20 Grad. Wenn Sommer und Herbst kurz Hand in Hand gehen, haben wir ihn: Den Altweibersommer. Man erkennt ihn passenderweise auch daran, dass einem unterwegs Spinnenweben ins Gesicht fliegen 😉 Da ich diese kleine Zwischenzeit sehr mag und sowieso fasziniert von solchen Übergängen bin, habe ich mich mal ein wenig intensiver damit beschäftigt und einiges Interessantes über Natur, Bräuche und unsere Vergangenheit gelernt!

So zeigt sich der Altweibersommer

Der Altweibersommer ist eine Zwischen-Zeit. Daher wurde ihm früher viel Beachtung geschenkt, wie ich weiter unten noch erzählen werde. Eine gute „Anzeigepflanze“ ist die Fette Henne: Den Sommer über ist sie grün, doch wenn der Sommer sich dem Ende neigt, verrät sie dies, indem sie sich rötlich einfärbt (wie auf dem folgenden Bild rechts zu sehen).

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Das klassische Merkmal des Altweibersommers ist der „Rückfall“ des beginnenden Herbstes in den Sommer. Meteorologisch zeigt es über lange Zeiten, dass Mitte/Ende September angenehme, stabile Hochdrucklagen noch einmal für sonniges Wetter sorgen, auch wenn der Sommer stetig auf dem Rückzug ist – und mit ihm das Licht. Umso wertvoller also diese geschenkten Sonnenstunden, weshalb diese besondere Zeit seit vielen Jahrhunderten in den Bauernregeln ihren Platz hatte.

Woher der Altweibersommer seinen Namen hat

Der Name „Altweibersommer“ ist ca. seit dem 17. Jahrhundert bekannt (andere Quellen datieren später). Bisher teilte man das Jahr in Sommer und Winter, dann kamen der „Junge Weibersommer“ im Frühling sowie der „Altweibersommer“ im Herbst dazu. Aber auch andere Namen hatte er, so z.B. Frauensommer, Mädchensommer, Mettensommer, Nachsommer, Witwensommer, Allerheiligensommer. 

Die Bezeichnung „Altweiber“ geht auf eben jene Spinnfäden zurück, die einem zu dieser Jahreszeit gerne mal ins Gesicht fliegen. Sie stammen von den obligatorischen Spätsommergästen an Fenstern, Hecken und Ecken: Die Baldachinspinnen, deren Flugfaden durch die Lüfte schwebt. Ihr hellglänzender Faden erinnert an das silbrige Haar alter Frauen. Auch im osteuropäischen Raum heißt dieser Spätsommer „Weibersommer“.

Frauen und Spinnfäden hängen aber auch noch auf eine andere Weise zusammen: Weiben ist unser heutiges Weben, also das Verspinnen von Fäden zu Garn. Und damit gelangen wir auch schon noch tiefer in die Vergangenheit: In die nordische Mythologie.

Der Schicksalsfaden der Nornen und die Zeit der Übergänge

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Die Nornen sind die 3 Schicksalsgöttinnen der nordischen Mythologie. Ihre Namen sind Urd, Werdandi und Skuld – sie sind die Jungfrau, die Frau und das alte Weib. Ihr Werk ist das Spinnen der Schicksalsfäden am Weltenbaum und in ihnen spiegelt sich die Dreifaltigkeit von Werden, Sein und Vergehen. Mich fasziniert diese Sicht auf den ewigen Zyklus des Lebens sehr, denn er meint mehr als nur Leben, Sein und Sterben. Mit ihm ist auch der ewige Kreislauf innerhalb des Lebens gemeint, denn alles ist immer ein Prozess der Veränderung. Wir selbst verändern uns, und auch die die Umstände unseres Lebens tun es immer und immer wieder. Dieser stetige Wandel begleitet uns und lässt uns unser einzigartiges Leben entwickeln – mit all den Facetten von Werden, Sein und Vergehen, die immer auch mit- und nebeneinander bestehen.

Auch spannend: Der September wurde früher auch Scheiding genannt – die Scheide zwischen Sommer (Wärme) und Herbst (Kälte).

Der Altweibersommer in der Natur

Der Altweibersommer ist eine Zwischen-Zeit in genau solch einem Prozess: der Sommer ist noch da, verabschiedet sich aber langsam. Der Herbst betritt die Bühne und vermischt sich mit dem Spätsommer. Die Natur ist noch voller Kraft und Farben, hat aber schon einen herbstlichen Anstrich. Viele Pflanzen sind verblüht und die Vorräte werden schnell noch gesammelt und befüllt, bevor die Landschaft fast leergefegt wird. Die nun stärker auftretenden Temperaturschwankungen stoßen die bunte Verfärbung der Blätter von Bäumen an.

So wunderschön sieht diese gemeinsame Zeit der beiden Jahreszeiten aus:

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Brauchtum und Mystisches im Altweibersommer

♠ Die Frauendreißiger enden Mitte September: Dies ist eine besondere Zeitspanne von 30 Tagen ab der Kräuterweihe am 15.8., die nach altem Glauben sehr günstig zum Sammeln von Heilpflanzen war, da diese in jener Zeit besonders heilkräftig seien. Danach war das Sammeln von Heilpflanzen tabu.

♠ Die Schwendtage: Schwendtage sind in den alten Überlieferungen „ungünstige“ oder „verworfene“ Tage, an denen man besser nichts beginnt und viele Dinge auch nicht tut. Die Bekanntesten sind wohl die 12 Rauhnächte. Im September haben wir gleich 8 davon: vom 21.-28.9. solle man nichts Neues beginnnen, sondern das Vorhandene ordnen. Beste Zeit also für Haus- und Hofputz – ebenso fürs Ausrümpeln und Loslassen von Ballast und unnützem Kram.

Die Herbsttagundnachtgleiche (meist um den 21./22.9. herum) markiert einen besonderen Feiertag: An diesem Tag sind Tag und Nacht gleich lang – und gleichzeitig beginnt nun die dunkle Jahreszeit, da ab jetzt die Nächte länger als die Tage sind. Es ist also ein Schwellenfest, gleichzeitig auch der letzte Erntedank. Zeit für schöne Altäre mit allem Bunten, was uns die Natur (noch) schenkt!

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Und hier noch ein altes Gedicht über diese kleine aber feine Jahreszeit:

Der September ist der auserlesene Monat der zweiten Blüte,
der Monat der reifenden Rebe.
Außerdem ist er der Monat, in dem sich die Erde wieder öffnet,
so daß wir „einsetzen“ können, was bis zum Frühjahr Wurzel fassen soll:
Wieder eine Gelegenheit für uns Gärtner, die Blumenzüchter abzulaufen,
uns ihre Kulturen anzugucken und Schätze für das kommende Frühjahr auszusuchen.
Karel Capek (1890-1928)

Ich liebe und genieße den Altweibersommer sehr! Ich tanke nochmal Sonne und freue mich über alles, was blüht, sammle aber auch schon fleißig erste Bucheckern, reife Äpfel und glänzende Kastanien. Und gegen Dunkelheit und Kälte helfen gute Bücher, leckerer Tee und ein schönes Stück eine schöne Tafel Schokolade 😉

Teatime

Teatime

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Auf die Natur hören – einfach mal rumliegen

…Bei diesem Wetter muss man wirklich mal einen Gang zurücktreten und seine Kräfte sparen. Gegen Hitze können wir wenig ausrichten, ebenso gegen die geballte Naturkraft, wenn ein Gewitter über unsere Köpfe fegt.

Ich bin gerade bei Gewittern immer dankbar, dass es sie gibt: Der Mensch muss einfach immer wieder gezeigt bekommen, dass er auch mal nur ein Blatt im Wind ist und nicht der Herrscher über alles. Zwar benehmen wir uns so, indem wir die Erde massiv verändern und für unsere Zwecke benutzen, aber auch wir sind nur abhängig. Wie schön wäre es, wenn es eine Harmonie zwischen Mensch und Natur geben würde… Wenn wir dankbar nehmen, was sie uns gibt, aber nur soviel, wie wir brauchen. Und wenn wir etwas zurückgeben und die Erde mit Respekt behandeln. Und wenn kein Tier für unser Leben leiden muss.

Ich schaue jeden Tag genau hin und werde mit so vielen wunderschönen Erlebnissen beschenkt. Allein heute war ein Tag voller kleiner schöner Entdeckungen:

  • Ich habe einen wunderschönen Eichelhäher gesehen und im Flug seine schönen hellblau-gestreiften Federn bewundert,
  • ich habe insgesamt 8 kleine flauschige Entenbabies gesehen, die so niedlich gepaddelt und gepiepst haben,
  • ich habe ein süßes Spatzenkind getroffen,
  • mein Hund wusste 30 Minuten, bevor es losging, dass ein Gewitter im Anmarsch ist und
  • der Wind hat mir mal wieder ein Herz vor die Füße gelegt:

herz4Das ist eine Form von Reichtum, die kostenlos ist und keine Arbeit verlangt – außer die, sich für ihn zu öffnen 🙂

❤ Passendes Lied dazu: DER WIND HAT MIR EIN LIED ERZÄHLT (Nina Hagen) 

Vom genauer-Hinschauen und Freuen: Das „Danke-Buch“

Angeregt von Jasmin´s Blog Libellenlicht, in dem sie gerade über ihr „Projekt“ Pimp your commute schreibt, möchte ich heute eine kleine Idee vorstellen, die gut dazu passt. Bei ihrem „Pimp your commute“ geht es darum, an 5 Tagen 5 verschiedene Arbeitswege zu Fuß zu erkunden und ganz genau hinzuschauen, was es Schönes und Neues zu entdecken gibt. Ich handhabe es ähnlich – da ich viel mit meinem Hund draußen und auch sonst auf Autos etc. verzichte, nutze ich die Zeit draußen immer, nach kleinen Wundern und Besonderem im Alltag Ausschau zu halten.

Mein Motto: Es sind oft die kleinen Dinge, die das große Ganze besser machen.

Vor einer Weile habe ich mir angewöhnt, (fast) jeden Abend in ein kleines Büchlein zu schreiben, was mir Schönes begegnet ist und worüber ich mich gefreut habe.

Das „Danke-Buch“ oder „Worüber ich mich heute gefreut habe“

Tagebuch Freude

Es ist kein Tagebuch im klassischen Sinne, sondern ein kurzes Festhalten all jener Dinge, die am heutigen Tag schön gewesen sind. Ich merke immer mehr, Weiterlesen