Altes Wissen über die Magie der Tanne

Die Tanne in alten Überlieferungen, als Räucherwerk, Kraftbaum und treuer Begleiter: Es gibt jede Menge zu entdecken über einen der „Klassiker“ in unseren Wäldern!

Jüngere Tannen mit noch glatter Rinde bilden gerne solche Augen aus und blinzeln uns vergnügt an

Jüngere Tannen mit noch glatter Rinde bilden gerne solche Augen aus und blinzeln uns vergnügt an

Die Tanne: altbekannt und zu Unrecht unterschätzt

Wir alle kennen den quasi obligatorischen Weihnachtsbaum, der meist eine Tanne ist. Und wir kennen all die Nadelbäume, an denen wir so vorbeigehen. Aber sie sind irgendwie so „normal“, dass man recht wenig über sie weiß und sie gern auch mal übersehen werden. Mir ging es ähnlich. Und als ich letztes Jahr zum ersten Mal Fichtenspitzensirup eingekocht habe, musste ich mich wirklich erst einmal erkundigen, was der Unterschied zwischen Tanne und Fichte ist. Und dann habe ich aus beiden leckeren Sirup gekocht, fing seitdem aber an, meine Augen mehr für diese altbekannten Begleiter zu öffnen. Als mir dann eine wunderschöne Tanne begegnete, an der ich nun regelmäßig ein paar Tropfen wunderbares Tannenharz mitnehmen darf, räucherte ich es zum ersten Mal und begann, mich näher mit der Tanne zu beschäftigen.

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Tanne als Räucherwerk

Es gibt so viele Tannen, aber quasi nirgendwo Tannenharz zu kaufen. Ziemlich seltsam, und ich weiß auch nicht, woran das liegt. Aber nun habe ich ja zum Glück einen lieben, leicht harzenden Baum, der mir immer wieder mal ein paar Körnchen Harz abgibt. Ich habe am Weihnachtsvollmond dort einen kleinen Vorrat für die Rauhnächte gesammelt und habe ganz oft einfach nur das pure Tannenharz verräuchert. Der Duft ist wunderschön und erfüllt den Raum mit einer unwahrscheinlich liebevollen, wohltuenden Atmosphäre. Sehr viel Licht, Wärme und Positives strahlt das Tannenharz aus, und der Duft ist süß, waldig und zitronig-frisch. Das Harz eignet sich wunderbar als alleiniges Räucherwerk und es erhellt und befreit den Raum.

tannenharz räuchern incense fir

Die Tanne und ihre Eigenschaften

Das frische Holz riecht sehr aromatisch, ebenso die frischen Nadeln, welche sich vom frischen Holz übrigens nur schwer abtrennen lassen. Sobald die Zweige trocknen, fallen viele Nadeln von selbst ab – aber nicht alle! Es ist für mich ein starker Baum mit Widerstandskraft und „Biss“: Die Tanne ist für mich ein Baum, der weiß was er will, für sich gerade steht und ohne Umwege aufrecht dem Licht entgegenwächst und dabei fürsorglich mit seinen dichten, stabilen Zweigen vielen Tieren Schutz und Nahrung gibt. Die Nadeln verrotten sehr schnell, weswegen die Tanne ein guter Humusbildner im Wald ist und damit auch die Erde nährt und den ökologischen Kreislauf antreibt.

Das Holz ist sehr hell und duftend (im frischen Zustand) und wurde schon in der Steinzeit vom Menschen genutzt. Es ist auch heute noch ein Holz, das häufig verarbeitet wird – oft gemeinsam mit der Fichte. Und: Tannen können viele 100 Jahre alt werden! Sie sind also auf mehreren Ebenen treue Begleiter ♥

Tannenholz

Die Tanne in der Naturheilkunde

Wie ich schon erwähnt hatte, kann man nicht nur aus jungen Fichtentrieben im Frühling („Maiwipferl“) einen gesunden und leckeren Sirup z.B. gegen Husten einkochen, sondern auch aus Tannenspitzen. Der Tannenspitzensirup schmeckt deutlich weniger aromatisch, kann aber ebenso bei Erkältungen und zur kalten Jahreszeit verwendet werden!

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Die vielen wertvollen Inhaltsstoffe der Tanne wirken entzündungshemmend, schleimlösend, auswurffördernd, belebend und gegen Keime/Bakterien! Und auch ihr Vitamin-C-Gehalt ist nicht zu unterschätzen.

Die Nadeln können auch als Tee gegen Husten getrunken werden – allerdings habe ich das noch nicht selbst probiert und kann nur von meiner Erfahrung berichten, als ich den Sud aus frischen Tannenspitzen probiert habe: Das war eine ziemlich bittere Angelegenheit 😉

Hildegard von Bingen empfahl Tannenharz für gesunde Zähne und festes Zahnfleisch – und interessanter Weise bin ich gerade heute über einen alten Bericht eines Allgäuers gestolpert, der erzählte, wie früher die Waldarbeiter Harz kauten und saubere Zähne hatten. Und ja – Harze sind im Allgemeinen essbar, auch Weihrauch. Einige Sorten schmecken wirklich sehr bitter und waren für mich nicht genießbar, aber bei meinen selbstgesammelten, einheimischen Harzen habe ich das nie festgestellt.

Sehr gut soll auch eine Salbe mit Tannenharz sein – angewandt z.B. bei rheumatischen/arthritischen Gelenkserkrankungen. Da ich mit Weihrauchsalbe schon vor Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht habe, steht selbstgemachte Tannenharzsalbe auf meiner Liste der Vorhaben ganz oben.

Tanne

Altes Wissen und Überlieferungen zur Tanne

Die „heilige“ Tanne kam früher in vielen Sagen und Märchen vor – was nicht verwunderlich ist, da die Tanne ja ein sehr wichtiger und vielfach verwendbarer Baum ist, Nadelwälder aber oft etwas Unheimliches haben. Andererseits steht die Tanne als immergrüner Baum auch für das ewige Leben, Wachstum und Lebenskraft.

Im Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens ist die Tanne als „Kleinkinderbaum“ verzeichnet, von dem die Hebammen die Kinder schütteln. Nicht verwunderlich, gerade in diesem Zusammenhang: Der Tannenzweig galt oft als Lebensrute – als Symbol der Lebenskraft.

Weitere alte Überlieferungen über die Tanne:

  • Tannenzweige halten, wegen ihrer stechenden/abwehrenden Nadeln, Hexen und Unheil ab
  • In der Walpurgisnacht oder an Ostern wurden Tannenzweige zum Schutz an die Viehställe gesteckt
  • Über das Scheunentor wurde zum selben Zweck ein Büschel Tannenzweige gehängt
  • In der Toskana heißt es: Wenn ein Tannenzweig über der Schwelle hängt, muss der böse Zauberer erst alle Nadeln einzeln zählen, ehe er eintreten kann – man ist also sicher
  • Auch für Glück und Segen sowie zum Schutz vor Gewitter und Feuer wurden Tannenzweige aufgehängt
  • Das auch heute noch bekannte Richtfest beim Errichten eines Hausgiebels wird traditionell mit einem geschmückten Kranz aus Tanne begangen
  • Ein Stück Holz einer vom Blitz getroffenen Tanne galt als Amulett gegen Blitzeinschlag
  • Auf die Tanne wurden gern Krankheiten mit kleinen Heilungszaubern „übertragen“ und mit ihrer Hilfe gebannt
  • Bei Krankheiten wurde mit Tannenholz und frischen zerhackten Tannenzapfen auf glühenden Kohlen geräuchert
  • Damit kleine Kinder gut schlafen konnten, legte man ihnen einen Tannenzapfen unter das Kopfkissen
  • Viele Tannenzapfen bedeuteten eine gute Ernte
  • Man soll Tannenzweige bei zunehmendem Mond schneiden, damit die Nadeln lange am Ast bleiben
  • auch für Liebeszauber fand die Tanne Verwendung

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Alter estnischer Heilungszauber mit Tannenzweigen:

  1. Gehe bei abnehmendem Mond, am besten an einem Freitag, schweigend in den Wald.
  2. Nimm drei Tannenzweiglein und verdrehe und verknüpfe sie fest miteinander.
  3. Sprich dann: „Büschla dich wind ich, (…Krankheit…) dich bin ich!“
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