Alte Überlieferungen: Die Magie von Wind und Sturm

Eine stürmische Woche wartet auf uns und ich muss zugeben: Ich liebe den Wind und sein unheimliches Rauschen, habe aber auch immer wieder mal auch ein etwas gruseliges Gefühl. Wenn man wie ich lange unterm Dach in einem alten Haus gewohnt hat, wo der Wind an den Dachziegeln klappert, gegen die Fenster drückt, durch die Ofenrohre saust und durchs Gebälk fegt, dann bekommt man die ungeheure Kraft der Natur doch noch zu spüren, selbst wenn man drinnen sicher und warm ist. Auch mein Hund ist bei Wind und Sturm wachsamer. Ich persönlich finde den Wind sehr befreiend, denn kühle und frische Luft ist mein Element und hilft mir tatsächlich, den Kopf freizukriegen. Es hat für mich etwas Befreiendes, Reinigendes und Kräftigendes – und eben auch etwas Geheimnisvolles. Daher habe ich mich nun mal etwas näher damit befasst 🙂

storm wind sturm

Der Wind im alten Volksglauben

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Gewitterkerzen & Co: Alte Bräuche zum Schutz vor Gewitter

Ein alter, heute kaum noch bekannter Brauch ist das Anzünden einer Gewitterkerze, um Haus und Hof vor Blitzeinschlag zu schützen. In sehr ländlichen, gläubigen Gebieten (vor allem im Alpenraum) hat sich dieser Brauch noch bis heute erhalten und ich habe mir sogar vor Jahren mal eine Gewitterkerze aus dem Kloster Andechs mitgebracht:

Gewitterkerzen

Gewitterkerzen

Der alte Brauch der Gewitterkerzen/Wetterkerzen/Schauerkerzen

Für den Falle, dass ein Sturm oder Gewitter Haus und Hof bedrohte, wurde im „Herrgottswinkel“ oder einer Schublade eine besondere Kerze genau für jene Notfälle aufbewahrt: Diese schwarze Kerze (entweder rein schwarz oder mit Wachsbildern und Ornamenten verziert) wurde nur während solcher Unwetter angezündet und danach wieder gelöscht und aufbewahrt. Damit sollten das Haus und all seine Bewohner vor Blitzeinschlag und sonstigem Wetterunheil geschützt werden. Bekannt sind sie seit über 500 Jahren. Gesegnet werden sie traditionell an Lichtmess – dem Kerzenfest, was auf heidnische Ursprünge zurückzuführen und im keltischen Raum das Fest der Göttin Brighid war. Dieses heidnische Fest heißt Imbolc und wird immer am 2. Februar gefeiert.

Und Tatsache: Ich habe eine Seite gefunden, auf der man geweihte, schwarze Wetterkerzen bestellen kann!

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Ich finde diesen Brauch aus zweierlei Gründen tiefgründig und schön:

Zum einen macht es durchaus Sinn, in einer potentiell bedrohlichen Situation in sich zu gehen und um Schutz und Segen zu bitten- wo oder bei wem auch immer. Denn wir sind alle verletzlich und letztlich abhängig von der Natur. Und das ist auch der zweite Aspekt, der mir an diesem Brauch gefällt: Er bedeutet für mich Demut vor der Natur. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir geschützt und behütet sind vor den Urgewalten der Natur; auch wenn uns das in unserer heutigen Zeit oft anders vorkommt und wir meinen, die ganze Welt gehört uns. Das tut sie aber nicht. Wir sind auf dieser Welt zu Gast und sollten uns dessen dankbar bewusst sein. Daran erinnert mich ein solcher Brauch. Ich denke oft bei schweren Unwetter daran, wie gut ich es habe, ein Dach über dem Kopf zu haben. Dieses Glück hat nicht jeder.

Und Feuer hat auch etwas Reinigendes – ebenso wie ein Gewitter. Ich finde es also gar nicht so unpassend, diese Reinigung auch im Inneren des Hauses fortzusetzen. Gegen negativ oder zu spannungsvoll aufgeladene Luft, bspw. nach einem Gewitter, hilft übrigens das Räucher mit Königskerze. Sie ist auch Teil meiner Hausreinigungs-Mischung und eine gute Reinigungs- und Entladepflanze.

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Weitere Bräuche und alte Schutzzauber gegen Gewitter

„Schau nicht aus dem Fenster, sonst lockst du den Blitz noch herbei!“ – solche und andere Regeln und verschiedenste Vorkehrungen zum Schutz vor Unwettern gab es. Einige habe ich hier zusammengetragen (im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens sind es ganze 10 Seiten überlieferter Bräuche!):

  • Wenn es in der Ferne donnert, dann jagt der Teufel die Guten. Kommt aber ein heller Blitz, dann sind die Engel hinter dem Teufel her.
  • In Schlesien wurden Gewitterwolken „Schwarzer Kater“ genannt, in der Schweiz „Schwarzer Mann“
  • Gewitterreiche Jahre waren gefürchtet, und dennoch auch gut, denn sie sorgten für fruchtbare Felder.
  • Zieht ein Gewitter während wichtiger Anlässe wie Geburt, Hochzeit oder Begräbnissen auf, so sind diese von besonderer Art. Wird ein Kind inmitten eines Gewitters geboren, erwartet es ein mühevolles Leben.
  • Das Herdfeuer musste in vielen Regionen gelöscht werden, damit es kein Feuer im Hause anzieht. Widerum heißt es auch vielerorts, dass dort der Blitz nicht einschlägt, wo das Herdfeuer brennt.
  • Gewitter werden von Hexen über die Felder gejagt, weswegen bei Gewitter die Glocken geläutet wurden. Der Küster, der diese Arbeit verrichtete, wurde dafür extra mit einem Entgelt bedacht, das Wetterkorn, Wettergarbe, Glockengarbe oder Donnerhocke hieß.
  • Auch brennende Palmzweige auf dem Herd/im Herdfeuer sollten Schaden abwehren.
  • In Friesland wurde grünes Holz mit starker Rauchentwicklung verbrannt, bspw. Hasel, Weide, frische Blumen , Birken- und Eichenzweige.
  • Da das Gewitter das Eisen fürchtete, wurde fast allerorts Sense oder Beil kreuzweise vor die Haustür gestellt.
  • Außerdem gab es Himmelsbriefe zum Schutz: Dies waren mit Schutzgebeten beschriebene Papiere, die als Amulette dienten.
  • Dem Gewitterregen wurde eine segenspendende Wirkung zugeschrieben, ebenso dem Blitzbaumholz. Kleinen Kindern wurde Gewitterregen zu Trinken gegeben, damit sie schneller und leichter sprechen lernen.
  • Ein Schutzzauber für das Korn, aus Ostpreußen: Schneide im Frühling einen Haselstrauch und mache damit beim ersten Gewitter ein Kreuz über jeden Getreidehaufen.
  • Der Haselstrauch gilt als gewitterabwehrend. Schon in vorchristlicher Zeit war der Haselstrauch dem Gott Donar geweiht, von dem der Donner seinen Namen hat…
  • Zum Schutz vor Rückenschmerzen werfe man sich beim ersten Gewitter auf den Boden und wälze sich auf der Erde.
  • Späne von vom Blitz getroffenen Holz schützen vor allerlei Schmerzen und verleihen Amuletten mehr Kraft.
  • Teile vom Kräuterbuschen werden ins Herdfeuer geworfen, um sich vor Blitzeinschlag zu schützen.
  • Auf dem Hof wurden besondere Pflanzen zum Schutz vor Unwettern gepflanzt, z.B. Hasel- und Nussbäume, Hauswurz und schwarzer Holunder.

Das ist nur ein kleiner Einblick… Aber man bekommt doch eine ganz gute Vorstellung davon, wie lebenswichtig früher die Sicherheit gegenüber den Mächten der Natur war. Ich finde, das dürfen wir auch heute nicht vergessen.

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